26.07.2019 - 16:20 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Schule mit Eselskappe und Arschprügel

Die Dritt-und Viertklässler aus der Hohenburger Lauterachtal-Grundschule sind voll bei der Sache. Denn wer im Schulmuseum Sulzbach-Rosenberg herumkaspert, bekommt die Eselsmütze aufgesetzt. Oder ein paar Arschprügel.

von Helga KammProfil

Mit ihrer Lehrerin Carolin Fink sind die Hohenburger Kinder ins Schulmuseum gekommen. Um zu sehen und zu erfahren, wie das früher war, der Unterricht und die Klassenzimmer. Es war vor allem streng, das macht ihnen Museums-Mitarbeiterin Martina Herbst von Anfang an klar. Sie übernimmt die Rolle der Lehrerin, verlangt aufrechtes Sitzen, fordert ganze Sätze, gibt Kommandos wie „Hände auf den Tisch, Daumen darunter“.

Die 21 Schulkinder im Alter von neun bis zehn Jahren sitzen wie früher getrennt in den alten engen Schulbänken, rechts die Mädchen, links die Buben. Und sie folgen! Da gibt es keine Widerrede, kein Maulen, kein Schwätzen. Nur höfliche Antworten, ernste Minen, Respekt vor der Lehrerin.

Waschschüssel und Globus

Natürlich staunen sie über das Klassenzimmer, das erhöhte Pult des Lehrers, die große Tafel mit den unbekannten Buchstaben, die rauen Schulbänke mit den Öffnungen für Tintenfässer. Sie wundern sich über die Waschschüssel, die verblichenen Landkarten an der Wand und den antiken Globus. Sie heben den Finger, stehen auf, stellen höfliche Fragen und sagen „Danke Frau Lehrerin“.

Martina Herbst lässt Schiefertafeln verteilen, die altdeutsche Schrift wird ausprobiert. Da quietschen die Griffel beim ungewohnten Umgang mit diesen Stiften. Aber voll Stolz zeigen sie das Ergebnis ihrer Mühe: ihren Namen in deutscher Schrift.

Erschreckend für die Hohenburger Schüler sind die Strafen, die Kinder in früherer Zeit erdulden mussten. Die „Arschprügel“ mit der Rute, für die man sich noch bedanken musste oder für renitente Schüler das mehrstündige Stehen an der Eselsbank mit der Eselskappe auf dem Kopf. „So etwas gibt es Gott sei Dank heute nicht mehr“, ist zu hören. Eine Kettenrechnung zum Schluss, dann entlässt Martina Herbst „ihre“ Kinder in die Pause. Auch da gibt es kein Hinausstürmen. In geordneten Reihen gehen die Mädchen hinaus in den Schulgarten, die Buben hinauf auf den Fußballplatz. Dann wird geredet über das Erfahrene, Erlebte.

Den Mädchen gefällt’s

Eigentlich nicht schlecht, finden Verena, Lotte und Emely. Den Mädchen gefallen die Regeln im Klassenzimmer, der geordnete Ablauf des Unterrichts. Mit Omas oder Uromas wollen sie noch einmal die deutsche Schrift probieren. Die Strafen? Nein, die natürlich nicht. Auch die Buben finden einiges ganz gut. Aber lange Fußmärsche zur Schule, kein Schulbus oder Elterntaxi, na ja, das wäre nicht so cool. Und außerdem: „Ein Handy gab es da ja noch gar nicht“, stellen sie fest. Ein schwerwiegendes Argument gegen die damalige Zeit.

Also Schulgeschichte ist interessant, aber die Schulgegenwart ist ihnen wohl doch lieber, den Kindern der Lauterachtal-Grundschule und wahrscheinlich nicht nur ihnen. Sie haben die letzten Unterrichtstage, die Bücher sind schon abgegeben, gemeinsam verbringen sie noch eine aufregende Nacht in der Schule und sie freuen sich auf den Ferienbeginn.

Dass davor noch Zeugnisse verteilt werden, ist nicht für alle ein angenehmer Gedanke, aber sie sind sich sicher: Arschprügel gibt es dafür sicher nicht.

Info:

Schulgeschichte

Martina Herbst weiß spannend zu erzählen von den Anfängen der Schulpflicht, als viele Eltern, vor allem die auf dem Land, ihre Kinder zu Hause zum Arbeiten brauchten. Erst als ein Entlassschein der Schule Voraussetzung für den Erwerb eines Grundstücks und auch zum Heiraten war, kam ein Umdenken. Auf dem Land waren lange Schulwege gang und gäbe, bei jedem Wetter, durch den Wald, bei Regen und Schnee. Mit Holzschuhen und einfacher Kleidung im Winter, barfuß im Sommer, kamen die Kinder in die Schule, müde vom frühen Aufstehen, oft nass und halb erfroren. Für den Ofen mussten sie Holzscheite mitbringen, und Schürbuben wurden ernannt, die sich um das Feuer zu kümmern hatten.

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