23.07.2019 - 08:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Seiner Zeit weit voraus

Als Mitte der 2000er Jahre Internet-Telefonie langsam auf den Markt kam, waren viele Kunden sehr schnell genervt: Gesprächsabbrüche, abgehackte Wortfetzen, krachende Leitungen. Einer hatte schon damals volles Vertrauen in die neue Technik.

Dominik Mauritz kann von überall aus arbeiten, selbst vom 5-Meter-Sprungturm des Waldbades in Sulzbach-Rosenberg aus.
von Alexander Rädle Kontakt Profil

Dominik Mauritz war Anfang 20, als er eine neue Verbindung herstellte. Der damals junge Fachinformatiker kann als einer der ersten gelten, die eine Voice-over-IP-Telefonanlage programmierten. Seine Idee: Für Unternehmen müsste Internet-Telefonie ideal sein: mehr Möglichkeiten bei geringeren Kosten. Doch Pioniere haben es manchmal schwer.

ONETZ: Vor 25 Jahren waren ISDN-Telefonanlagen der Stand der Technik. Graue Kästen hingen an der Wand. Wie kann man sich die Telefonanlage der Gegenwart vorstellen?

Dominik Mauritz: Dominik Mauritz:Den grauen Kasten gibt's nicht mehr. Wir stellen die Telefonanlage als Service im Internet zur Verfügung. Viele Firmen haben aber noch Hardware-Telefone, diese können sie dann sozusagen direkt ans Internet anschließen. Gespräche können aber auch über Software direkt am PC oder über eine App am Smartphone geführt werden. Die Bedienung erfolgt im Webbrowser.

ONETZ: Trotz aller Software - Sie brauchen doch aber auch Hardware...

Dominik Mauritz: Wir haben Racks in Rechenzentren in Nürnberg und Berlin. Da schrauben wir große Rechner rein, auf denen wir die Telefonanlage betreiben.

ONETZ: Im Jahr 2007 steckte IP-Telefonie noch in den Kinderschuhen. Internettelefonie war damals eher etwas für Nerds. Wie sind Sie darauf gekommen, eine IP-Telefonanlage für die Cloud zu programmieren?

Dominik Mauritz: Wir waren eine der ersten, die das Thema angegangen sind. Viele kannten damals die IP-Telefonie von zu Hause, wo das aber nicht immer richtig funktionierte. Dementsprechend schlecht war der Ruf der IP-Telefonie. Es war also 2008 noch recht schwierig, ein solches Produkt auf den Markt zu bringen. Ich habe 2005 meine Ausbildung bei der Telekom abgeschlossen und mich schon privat mit IP-Technologie befasst. Dabei habe ich festgestellt, dass IP-Telefonie viele Vorteile hat, zum Beispiel Standortunabhängigkeit und niedrigere Kosten. Wir haben das damals auch schon ganz gut umgesetzt, glaube ich. Mittlerweile ist aber IP Standard.

ONETZ: Sind Netzabdeckung und Bandbreite noch ein Problem?

Dominik Mauritz: Im Ausland sieht's da oft wirklich besser aus. In Deutschland manchmal nicht. Das ist tatsächlich ein Hemmschuh. Wir hatten auch schon Interessenten, die nicht Kunde werden konnten, weil der Internetanschluss zu langsam war. Auch wenn sich in den letzten Jahren viel getan hat, insbesondere bei Büros und stationärer Nutzung, besteht aber Ausbaubedarf. Vor allem bei mobiler IP-Telefonie mit dem Smartphone gibt es vor allem auf dem Land immer wieder Probleme mit der Netzabdeckung.

ONETZ: Sie haben bei sich daheim in Sulzbach-Rosenberg aus angefangen. Wie kann man sich das vorstellen? Mit Laptop im Wohnzimmer?

Dominik Mauritz: Ich hab' in meinen Elternhaus tatsächlich mit einem Laptop programmiert, Server gebaut, programmiert und diese nach Nürnberg ins Rechenzentrum gefahren. Damals war es auch egal, ob es Geld abwirft. Hat es auch nicht. Aber das Projekt war schon darauf ausgelegt, dass es sich irgendwann trägt. Heute kann ich davon ganz gut meinen Lebensunterhalt bestreiten und noch ein paar Leute beschäftigten. Ich mache das aber immer noch nicht, um damit reich zu werden, sondern ich hab' Spaß dran. Wirtschaftlich muss es sich natürlich ausgehen - und das tut's auch.

ONETZ: Sie hatten nicht den großen Geschäftsplan?

Dominik Mauritz: Doch, den hatte ich schon. Ich habe ja auch einen Gründungszuschuss beantragt und dafür ist ein Businessplan erforderlich. Aber bei der Entwicklung haben Learning-by-doing und Erfahrung eine Rolle gespielt. Ich bin ganz zufrieden, diesen Weg gegangen zu sein.

ONETZ: Was war die größte Herausforderung - technisch als auch unternehmerisch?

Dominik Mauritz: Am Anfang hab ich rein die technische Herausforderung gesehen und mich drauf konzentriert, die doch nicht ganz so triviale Technik umzusetzen. Geschäftskunden sind nämlich anspruchsvoll, da muss alles funktionieren. Nach und nach gibt's aber dann die Herausforderung, wie man das verkauft. Und mittlerweile geht es um Fragen des Teamaufbaus. Wie kann das Unternehmen konkurrenzfähig bleiben? Wie kann ich die Mitarbeiter motivieren, das Unternehmen voranzubringen? Das hab' ich am Anfang gar nicht gesehen und das ist auch nicht so einfach. Hier gilt ebenfalls wieder: Learning by doing und einfach über die Jahre umsetzen.

ONETZ: Sie haben später den Mittelpunkt Ihrer Firma nach Berlin ins Betahaus verlegt. Warum? - Und: Was ist das Betahaus eigentlich?

Dominik Mauritz: Das Betahaus ist ein Coworking-Space und einer der ersten und größten in Deutschland. Es ging einfach darum, Anschluss an die Technologiebranche zu bekommen: mehr Gleichgesinnte aus der gleichen Branche, Startups, Kontakte und Netzwerke, die an bestimmten Stellen weiterhelfen können. Und es gibt in Berlin eine größere Auswahl an Mitarbeitern und an Softwareentwicklern. Man tut sich einfach leichter, Bewerber mit unserem sehr speziellen Anforderungsprofil, nämlich der Telefonie, zu finden.

ONETZ: Wie viele Leute beschäftigen Sie derzeit?

Dominik Mauritz: Wir haben ein rund 10-köpfiges Team, davon ein Auszubildender. Von unseren früheren Auszubildenden haben wir bereits einige übernommen. Rund die Hälfte der Mitarbeiter arbeitet in der Programmierung und der Technik, die andere Hälfte im Vertrieb, Kundensupport etc.

Tablet, Tisch-PC, Smartphone, Headsets und Telefone. So sieht ein Arbeitsplatz in einer Firma aus, die Telefonanlagen programmiert.

ONETZ: Zurück zur Technik: Welche Vorteile bietet IP-Telefonie gegenüber herkömmlichen Anlagen?

Dominik Mauritz: Man braucht nur noch eine Infrastruktur, also nur noch ein Computernetzwerk - und kein Telefonnetz mehr. Das spart Kosten. Die einmaligen Anschaffungskosten entfallen ebenfalls, stattdessen wird pro Mitarbeiter und Monat abgerechnet. IP-Telefonanlagen sind ohne Probleme skalierbar - von zwei bis über 1000 Teilnehmer, ohne dass ein Austausch von Hardware notwendig wäre. Und schließlich ist da noch die Unabhängigkeit von Standorten - Teilnehmer können sich überall aufhalten - in Außenstellen, im Homeoffice. Per App wird auch das Smartphone zur Nebenstelle. Das ist in der alten Welt so nicht möglich gewesen.

ONETZ: Sie sind ja eher ein kleinerer Marktteilnehmer. Wie viele Kunden haben Sie derzeit?

Dominik Mauritz: Derzeit haben wir rund 1100 Firmen unter Vertrag. Telekom und Vodafone sind natürlich zahlenmäßig viel größer. Aber es funktioniert. Der Markt ist nicht so, dass es nur Gewinner und Verlierer gibt. Wir haben keinen "Winner-takes-it-all"-Markt. In dieser kleinen Nische, denke ich, gehören wir zu den 10 Anbietern, die man bei Vergleichen heranzieht.

ONETZ: Sie sind ausschließlich aus eigener Kraft gewachsen...

Dominik Mauritz: Ja, bei uns gibt‘s kein Fremdkapital, es ist alles selbst finanziert.

ONETZ: Wohin wird die Zukunft gehen?

Dominik Mauritz: Wir arbeiten gerade ganz fleißig an der Zukunft der Kommunikation. Anwendungen wie Whats-App haben viel der Kommunikation übernommen. So etwas in der Art entwickeln wir, zugeschnitten auf Unternehmen. Die Nachfrage dafür ist da. Denn der Anruf ist nicht immer der optimale Weg: Möglichkeiten wie Gruppenchats und Anwesenheitsanzeigen werden immer wichtiger. Dabei legen wir unseren Fokus sehr stark auf Datenschutz. Ein Vorteil dabei ist, dass wir Großteile unserer Infrastruktur selbst betreiben. Als deutsches Kommunikationsunternehmen sind wir auch der Bundesnetzagentur verpflichtet.

Zur Person:

Dominik Mauritz

Dominik Mauritz gründete 2007 in Sulzbach-Rosenberg Vionetworks. Nach Besuch von Real- und Wirtschaftsschule hatte er zuvor bei der Telekom unter anderem in Weiden eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert. Im Allgemeinen eher ungewöhnlich für dieses Berufsbild, haben Fachinformatiker bei der Telekom natürlich auch viel mit Telefonie zu tun. Diese Expertise ermöglichte Mauritz im Jahr 2007 den Einstieg in die Cloud-Telefonie. (räd)

Internet-Telefonie:

Vom Telefon zum Internet

Früher war die Telefonleitung der Draht zur Welt. Sie diente als Basis für die meisten Kommunikationsangebote - auch fürs Internet. Mittlerweile haben beide die Rollen getauscht. Die Telefonleitung ist jetzt eine Datenleitung, Telefonie nutzt als einer von vielen anderen Diensten die Internetleitung. (räd)

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