03.06.2018 - 16:45 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Senioren-Springbock

90 Jahre hat jede der beiden Maschinen auf dem Buckel. Einträchtig stehen sie nebeneinander, ebenso einträchtig wie die beiden Besitzer: Beim Frühschoppen der Motorradveteranen lebt die Technikgeschichte auf.

Willi Segerer (hinten) und Manfred Markert sind mit ihren D-Rädern zum Frühschoppen geeilt. Sie besitzen viel Motorrad-Geschichte.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

(ge) Herrliches Wetter und ausgezeichneter Besuch - der Oberpfälzer Veteranenclub OVC hatte wieder einen Glücksgriff getan. Über hundert Maschinen reihten sich im Brauerei-Innenhof in Fichtelbrunn aneinander; darunter wie immer einige Besonderheiten.

Heuer waren dies auch die beiden D-Räder Baujahr 1928. Die Deutschen Industrie-Werke in Berlin-Spandau fertigten nur ein paar tausend dieser als "Panzer" bezeichneten Motorräder der Baureihe 06.

Mit 500 Kubik sind sie gut motorisiert, eine Drei-Gang-Schaltung per Hebel, Fußkupplung rechts, Handkupplung links und Bremse rechts machen die Fahrt zum Ereignis, wie Willi Segerer weiß. Und das nicht nur wegen der harten Blattfederung. "Hagelhorster" oder "Spandauer Springbock" wurde die Maschine wegen ihrer langen Federung auch genannt. Der in Veteranenkreisen bestens bekannte Sammler aus Hohenburg besitzt einen der beiden Oldtimer, sein Kumpel Manfred Markert aus Kümmersbruck den anderen.

Beide haben die Maschinen liebevoll restauriert, fahren jedes Jahr zum internationalen D-Rad-Treffen, heuer ins Erzgebirge, und wissen natürlich jedes Detail. "3,5 bar müssen schon rein in die Wulstreifen, sonst zieht es dir den Vorderreifen runter", meint der Willi, der auch auf den Gashebel hinweist, der mit dem Daumen bedient wird. "Vorausschauend muss man da bremsen!", meint er, aber es heiße ja Fahrzeug und nicht "Bremszeug": Die 50 bis 60 km/h Reisegeschwindigkeit beherrschen beide Oldtimer bestens. Ersatzteile sind rar: Drehen, fräsen, schleifen, schweißen, so hilft sich der Fachmann selbst. Rund 14 000 Euro ist so eine Rarität heute wert, aber hergegeben wird natürlich nichts. So freuen sie sich an diesem herrlichen Sommertag über gute Benzingespräche mit ihren Kollegen aus ganz Süddeutschland. Und warten schon auf das große Clubtreffen im Herbst. Mit was sie dann anreisen, verraten sie natürlich nicht.


Zahlreiche Metallplaketten zieren die Tachometerleitung über den Tank. Bei jedem Jahrestreffen seit 1928 gibt es diese Andenken.

Experten unter sich: Der Innenhof in Fichtelbrunn ist ein Mekka der Fans.

Einige Pokale gab es beim OVC-Treffen in Fichtelbrunn, die Vorsitzender Walter Langhans (Zweiter von links) vergab: Für die kleinsten und ältesten Motorräder, aber auch für eine 250-Kilometer-Anreise aus Altötting.

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