12.04.2019 - 15:26 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sieben junge Füchse unter der Terrasse

Ein Jungfuchs schaut aus dem Bau, er peilt aufmerksam die Lage. Dann rutscht er heraus, hinterdrein sechs Geschwister. Eine Szene im tiefen Wald? Nein, Alltag für die Bewohner eines Anwesens in Gallmünz. Sie hatten zwei Monate Untermieter.

Das tägliche Bild: Die kleinen Füchse krabbeln am frühen Morgen auf den Terrassenstufen herum.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Es gab keine Hinweise auf den bevorstehenden Einzug der Gäste. Die dreiköpfige Familie in einem Haus am Ortsrand von Gallmünz entdeckte auch im Winter keine Fuchsspuren rund ums Haus. "Dann, am 17. Februar, sah ich, dass unter der Terrasse Dreck herausgegraben worden war", erzählt Mutter Heidi. Sie verschloss das Loch mit Steinen. Vergebens. Immer wieder arbeitete ein unbekanntes Tier in der Nacht an der kleinen Höhle herum und öffnete sie wieder.

Eine aufgestellte Wildkamera brachte zunächst nur eine neugierige Katze zutage. Doch dann war alles klar: Ein Fuchs ist eingezogen! Deutlich sah man auf den nächtlichen Bildern auch das Gesäuge der Fähe, und nach einigen Wochen herrschte Gewissheit: Es ist wirklich Nachwuchs da. Der tägliche mehrmalige Blick aus dem Badfenster eröffnete sogar die Möglichkeit zum Fotografieren: Sieben putzmuntere Fuchswelpen tummelten sich neben der Terrasse.

Deutlich ist auf diesem Bild der Wildkamera das Gesäuge der Fuchsfähe zu sehen, als sie nachts in den Bau zurückkehrt.

Vorbildliche Mutter

Die Mutter kümmerte sich vorbildlich um die Kleinen. Nur einmal lief sie vor Schreck weg, "und es ertönte ein herzzerreißendes Weinen aus dem angrenzenden Feld", schildert Heidi die Situation. Doch nach einer Viertelstunde hatte sich alles beruhigt, und die Füchsin konnte wieder in den Bau "einfahren".

"Sogar bei Vollmond spielten die Kleinen im Garten, wir konnten sie perfekt beobachten und zählen. Deswegen wissen wir genau, dass es sieben Stück sind", erinnert sich die Hausfrau, die mit ihrer Familie die Tiere in Ruhe ließ und nicht störte bei der Aufzucht. "Manche haben Bienen, wir haben halt Füchse!", das ist inzwischen Tradition.

Unauffällig verhalten

Die Gäste verhielten sich auch unauffällig, machten keinen Lärm oder Dreck und wuchsen stetig heran. Diese Woche nun machte Heidi wieder ihren Test: Sie legte ein paar Steinchen vor den Eingang. Beim Aus- und Einschlüpfen schoben die Füchse diese sonst stets beiseite, ein sicherere Zeichen, dass jemand zu Hause war. Doch seit Dienstag blieben die Kiesel liegen. Die Familie ist also in den nahen Wald abgewandert, die Jungen sind jetzt groß genug, auf Tournee zu gehen und sich selbst ein Revier zu suchen.

Sogar Rehe im Garten

Heidi und ihre tierliebe Familie haben diese Zeit genossen. Sie respektierten die Kinderstube und versuchten nicht, die Tiere noch mehr an den Menschen zu gewöhnen. Darin haben sie Erfahrung: Jahrelang standen regelmäßig Rehe mit Kitzen bei ihnen im Garten und machten sich über die Rosen her. Auch das wurde von den Menschen, die dort wohnen, toleriert.

Jetzt sind ihre vierbeinigen pelzigen Mitbewohner fort. Wird das Loch unter der Terrasse dann zugemacht? "Ich weiß noch nicht", überlegt Heidi. Wenn sie mit sich reden lässt, könnte sich die neue Bleibe auf dem Fuchsbau-Wohnungsmarkt etablieren. Dann wird im nächsten Februar vielleicht wieder vermietet. Und es spielen wieder einige kleine Füchse im Garten.

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