10.06.2018 - 14:57 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sinnliches im Museumsgarten

Es geht um „Kräuter-, Nutz- und Heilpflanzen hinterm Haus“ im Sulzbacher Apothekengarten. Fast alle sind giftig. Der Rettungsdienst muss dennoch nicht gerufen werden.

Einen interessanten Abend gestalteten Markus Lommer und Helma Koch (von rechts) im Hof des Museums.
von Helga KammProfil

Zu einem „Abend für alle Sinne“ lud das Museum Alte Hofapotheke ein. Während Hausherr Dr. Markus Lommer im idyllischen Kräutergarten feine Drinks und Gebäck servierte, gab Apothekerin Helma Koch über 2000 Jahre altes pharmazeutisches Wissen über Pflanzen und ihre Wirkstoffe weiter. Neben dem Riechen und Schmecken durfte auch das Hören nicht zu kurz kommen. Deshalb erklang im abendlichen Garten Mozart, von Lommer auf seiner kleinen Orgel, begleitet von Koch mit ihrer Querflöte.

Die Reise durch die Welt der Pflanzen begann mit dem blühenden Holunderbaum, der oft in Zusammenhang mit Erotik und Liebe gebracht wird. „Auf Johanni blüht der Holler, da wird die Liebe immer toller“, kennt Helma Koch einen Spruch. Die andere Seite ist, dass der Kultbaum schon vor Christi Geburt als Heilpflanze bekannt war.

„ Alle Pflanzen verfügen über gute und auch gefährliche Wirkstoffe“, zeigte die Pharmazeutin an vielen Beispielen auf. Die Bitterstoffe der Heilpflanze Wermuth zum Beispiel seien Drogen für die Künstler des Impressionismus gewesen: „Van Gogh und Toulouse-Lautrec haben überwiegend gelb gemalt, waren berauschte Wermuth-Brüder“. Die berüchtigten „Hexensalben“ aus Eisenhut, Tollkirsche und Bilsenkraut, so Koch, hatten eine Lust steigernde Wirkung: „Diese Anregungsmittel haben im Mittelalter eine große Rolle gespielt“. Die Giftstoffe der Pflanzen mache sich die Pharmazie heute nach wie vor zu Nutzen. Als Beispiel dafür nannte sie das Cumarin der Engelwurz, das für Rattengift verwendet wird, aber auch Bestandteil des Medikaments Makumar zur Blutverdünnung ist. Nachdenklich machte Kochs Hinweis, dass nicht nur die Berserker im Mittelalter, sondern auch Adolf Hitler und in unserer Zeit islamistische Kämpfer und Selbstmordattentäter unter Einfluss von Drogen standen und stehen.

Die kleine Besucherschar, die im Kräutergarten und in den oberen Stockwerken des Apothekenmuseums den Ausführungen der Fachfrau Koch lauschte, war oftmals ein wenig beunruhigt. Dass die Früchte der Eibe dem Menschen nicht gut tun, die Herbstzeitlose und die Maiglöckchen gefährliche Schönheiten sind und der blaue Eisenhut gar die giftigste Pflanze Europas ist und nur mit Handschuhen berührt werden soll, war vielleicht bekannt, wurde andererseits im heimischen Garten oft nicht ganz ernst genommen.

Doch Helma Koch konnte beruhigen: „Der Mensch hat einen Stoffwechsel und Organe zum Ausscheiden, so dass kleinere Belastungen normalerweise verkraftet werden“. Ihr gehe es vor allem darum, Respekt und Ehrfurcht vor den Pflanzen zu haben, die auch heute noch Grundlage für die Herstellung chemischer Medikamente sind. Um auch bei Kindern frühzeitig das Interesse an Pflanzen zu wecken, hat Helma Koch ein Kinderbuch über „Wahre Geschichten von Pflanzen“ geschrieben, das im August veröffentlicht werden wird.

Dass der Sommerabend dann im Museumsgarten ganz entspannt ausklang, lag nicht zuletzt an Markus Lommers „Absacker“: Schwarzer Johannisbeersirup gemixt mit Multivitaminsaft und Rosé-Wein, dazu Gebäck aus dem Weltladen und für die Gesundheit ein Gläschen Kräuterlikör.

Eine besondere Freude war Markus Lommer der Besuch von Gudrun Müller. Sie war als Gudrun Rohr 1959 das erste Lehrmädchen, nachdem seine Eltern die Hofapotheke 1956 vom Großvater übernommen hatten. Dass Markus Bruder Uli ihr „Schurzbandl am Stuhl angebunden hat“, daran erinnert Gudrun sich heute noch.

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