Fast niemand wusste davor Bescheid, nicht einmal die Chefärzte - aber das war durchaus so vorgesehen vom Klinik-Vorstand. Dr. Sven Mörk, seit 2023 Leitender Oberarzt der interdisziplinären Notfallklinik und zentralen Patientenaufnahme am St.-Anna-Krankenhaus, hatte das Szenario ausgearbeitet und mit seinem verschwiegenen Team minutiös vorbereitet. Angenommen wurde ein Unfall im Chemieunterricht der Krötensee-Mittelschule mit Explosion, Brandereignis und Rauch. Schon ab 8 Uhr traf sich die erst jetzt eingeweihte 3. Klasse der integrierten Berufsfachschule für Pflege in einem Unterrichtsraum, um sich dort von Horst Stöckl, BRK-Bereitschaft Sulzbach-Rosenberg, entsprechend präparieren zu lassen. Der versierte Rettungsfachmann schminkte nicht nur rußverschmierte Gesichter, sondern schuf mit seinen Hilfsmitteln auch täuschend echte Brandwunden und als Krönung sogar einen offenen Oberschenkelbruch.
Gute Schauspieler
Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert bei der Sache und spielten ihre Rollen exzellent - selbst die „verzweifelten Freunde“ oder „besorgten Eltern“ wurden als Aufgaben verteilt und füllten sie aus. Ein Teil der 24 „Opfer“ kam mit dem Rettungswagen in Notaufnahme, andere machten sich zu Fuß auf in die Klinik und trafen als Leichtverletzte am Com-Center ein.
Die Leitstelle hatte die Klinik schon um 9.15 Uhr über einen möglichen Großeinsatz informiert, nach 30 Minuten stand dann der „MANV“ fest, der „Massenanfall von Verletzten“, wie er in unserer Region bisher höchst selten vorgekommen ist. Im Hause selbst liefen zügig die Vorbereitungen auf den Andrang an. Alle Abteilungen, ob Chirurgie, Innere oder Notaufnahme, trafen in Windeseile ihre Vorbereitungen: OP-Säle wurden freigeräumt, Bettenkapazitäten gecheckt, Personal nachalarmiert, Platz geschaffen.
In der Notaufnahme ging es um die Erstbeurteilung der Patienten: Die Farben Rot, Gelb und Grün werden bei der Ersteinschätzung im Krankenhaus (der sogenannten Triage) verwendet, um die Behandlungsdringlichkeit eines Patienten zu bestimmen. Rot bedeutet akute Lebensgefahr und sofortige Behandlung, Gelb kennzeichnet eine dringende, aber nicht unmittelbar lebensbedrohliche Situation, und Grün steht für leichte Verletzungen oder Erkrankungen, bei denen eine Behandlung aufschiebbar ist.
Routinebetrieb läuft weiter
Im Laufe der Zeit registrierten die Helfer zwei rote, fünf gelbe und 17 grüne Fälle, doch das änderte sich plötzlich: Im Wartebereich der Notfallklinik kollabierte eine bisher „grüne“ Patientin und musste schnellstens behandelt werden. An den Computern nahmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Minutentakt die Daten auf, sofern sie nicht schon aus dem Rettungswagen gesendet worden waren. Die Schock- und Behandlungsräume füllten sich schnell, das Personal kümmerte sich vorbildlich um die meist aufgeregten oder auch nicht Deutsch sprechenden Unfallopfer. Daneben lief natürlich der Routinebetrieb der Klinik reibungslos weiter, es gab keinerlei Auswirkungen auf die „echten“ Patienten.
Gegen 11.30 Uhr kehrte dann allmählich wieder Normalität ein im St.-Anna-Krankenhaus, und Dr. Sven Mörk, der mit dem Pflegerischen Leiter der Notfallklinik/ZPA Matthias Bohmann und seinem vielköpfigen Team die Verteilung begleitet hatte, fand Zeit für ein Fazit Oberpfalzmedien gegenüber. „Ich bin mehr als stolz auf die Leistungen unserer Mannschaft“, bilanzierte er zunächst. „Sie haben alle klasse zusammengearbeitet, auch die Verletzten-Darsteller waren mit absoluter Hingabe bei der Sache, was alles nur noch realistischer machte.“ Die Alarmierung und Rückmeldung habe geklappt, ebenso die interne Kommunikation zwischen den Abteilungen. „Und es wurden die richtigen Leute angerufen“. Sogar der Landrat und der Bürgermeister bekamen Bescheid. Sicher gebe es immer das eine oder andere Schräubchen, das noch zu justieren sei, aber „als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung haben wir uns sehr gut geschlagen und unsere Kompetenz bewiesen.“
Das alles werde sich jetzt in einem noch einmal modifizierten Krankenhaus-Einsatzplan niederschlagen - der neu aufgestellte bisherige habe sich zwar schon bewährt, werde nun aber fortgeschrieben, kündigte Dr. Mörk an. Alles ist gut gegangen, und das St.-Anna-Krankenhaus hat wieder einmal bewiesen, dass es seine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung der Region zu Recht innehat. Schnelle und professionelle Behandlung, flexibles Reagieren auf unvorhergesehene Ereignissen und die reibungslose Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungsteams sprachen für sich: Die Klinik und ihre Beschäftigten sind für alles gerüstet.























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