Sulzbach-Rosenberg
10.06.2026 - 13:49 Uhr
OnetzPlus

Das steckt hinter den merkwürdigen kleinen Pfeilen auf Sulzbach-Rosenberger Straßen

Sie verwirren Autofahrer: Was hat es mit den kleinen, weißen Pfeilen auf den Straßen in der Stadt auf sich? Baudirektor Stefan Noll klärt auf – und lüftet zugleich das Geheimnis, warum in Straßenmarkierungen Swarovski-Glasperlen stecken.

Nicht jeder bemerkt sie. Doch wer sie erkennt, fragt sich, was es damit auf sich hat. Denn von selbst erklären sich die kleinen weißen Pfeile nicht, die auf manchen Straßen in Sulzbach-Rosenberg zu sehen sind – und für Autofahrer keine erkennbare Funktion haben. Denn es handelt sich nicht um klassische Pfeile, die eine Abbiegespur ankündigen.

Zu sehen sind diese Pfeile beispielsweise, wenn man von Poppenricht über Tafelberg und Lohe die Rosenbachstraße entlang Richtung Innenstadt fährt. Auf Höhe Pferde Berger ist ein Pfeil zu sehen, kurz nach der Kreuzung bei Blumen Pürzer ebenfalls oder an zahlreichen anderen Stellen. Die Pfeile sind nur rund zwölf Zentimeter lang, zeigen immer nach rechts, sind im rechten Drittel der Spur aufgebracht und tauchen in beiden Fahrtrichtungen auf.

Autofahrer rufen an

Der Sulzbach-Rosenberger Bauhof konnte auf Nachfrage keine Auskunft geben, damit habe man nichts zu tun, hieß es. Beim Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach aber wusste Baudirektor Stefan Noll sofort, was gemeint ist, als Oberpfalz-Medien anrief und sich erkundigte. Diese Frage sei für ihn nicht neu: "Ich bekomme immer wieder von Autofahrern Anrufe, in denen es genau darum geht. Es handelt sich wirklich um ein kleines Kuriosum, das mir selbst am Steuer auch schon aufgefallen ist."

Noll sagt, dass es diese Pfeile nur auf den Straßen gibt, für die nicht die Stadt, sondern das Staatliche Bauamt zuständig ist. Also beispielsweise die alte Straße von Sulzbach nach Amberg, amtlich auch Staatsstraße 2040 genannt. Es handele sich um kleine Pfeile, die auf die Sinkkästen am Straßenrand hinweisen. "Unsere Straßenmeisterei hat diese Markierungen aufgebracht, um die Schachteinläufe sichtbar zu machen. Das hilft, wenn im Winter Schnee liegt und die Einläufe verdeckt oder auch im Sommer, wenn bei Starkregenereignissen viel Laub und Schmutz mitgeschwemmt wird und die Kästen verdeckt sind."

Keine Rolle im Verkehrssrecht

So könnten die Straßenmeisterei-Teams, ohne lange suchen zu müssen, sofort erkennen, wo sich Schachteinläufe befinden, selbst wenn diese verdeckt sind. "Es geht hier also rein um innerbetriebliche Zwecke, Autofahrer können diese Pfeile einfach ignorieren." Im Gegensatz zu den "normalen" Straßenmarkierungen, die in der Straßenverkehrsordnung rechtlich wie Verkehrsschilder behandelt werden, haben die weißen Hilfspfeile auch keinerlei verkehrsrechtliche Bedeutung.

Stefan Noll erklärt, dass er selbst auch kein Fan dieser Pfeile sei – und dass es sie künftig, zumindest in seinem Zuständigkeitsbereich und damit auch in Sulzbach-Rosenberg, nicht mehr geben wird. "Um ehrlich zu sein, sind diese Pfeile durchaus irritierend. Sie können Autofahrer verwirren. Deshalb habe ich meinem Team von der Straßenmeisterei Amberg-Sulzbach auch gesagt, sie sollen keine neuen Pfeile mehr aufbringen."

Das bedeutet jedoch nicht, dass Autofahrer nie wieder solche Pfeile sehen werden, denn: "Der Landkreis hat das in seinem Straßennetz flächendeckend gemacht, die haben überall solche Pfeile, und die behalten das auch bei." Je nachdem, welche Behörde also gerade zuständig ist, kann es sein, dass die Pfeile zum Einsatz kommen – oder eben auch nicht.

Heißplastik als Markierung

Die Pfeile, die derzeit in Sulzbach-Rosenberg zu sehen sind, seien erst vor circa zwei Monaten aufgebracht worden, berichtet Noll. Der Baudirektor will sie nun aber auch nicht gezielt entfernen lassen. "Die haben sowieso nicht das ewige Leben. Sie fahren sich relativ schnell ab."

Das liege auch daran, dass sie nur mit einfacher Farbe aufgemalt wurden. Ganz anders sei das bei den offiziellen Straßenmarkierungen, also zum Beispiel Abbiegespuren. Noll erklärt, dass hier teils großer Aufwand betrieben werde – und auch teure Materialien verwendet würden. "Wenn wir innerorts Markierungen auf der Fahrbahn aufbringen, dann ist das nicht einfach nur Farbe, sondern es kommen hier Heißplastiken zum Einsatz."

Der 55-Jährige weiter: "Dafür fräsen wir innerorts den Fahrbahnbelag zwei bis drei Millimeter an. Und genau in diese Vertiefungen, also die Kontur der Markierung, wird dann die Heißplastik eingebracht. Es handelt sich dabei um einen 120 Grad heißen Spezialkunststoff." Gemacht werde das deshalb, weil dieser deutlich weniger Lärm erzeugt, wenn Autos darüber fahren – deshalb kommt der Kunststoff auch nur innerorts zum Einsatz.

Die Markierungen außerorts würden nämlich einfach nur aufgespritzt – sie werden seltener überfahren, zudem spielt auf Landstraßen die Lärmbelastung keine so große Rolle. Dann lüftet Noll noch ein kleines "Geheimnis" rund um Straßenmarkierungen, das so gut wie kein Autofahrer kennen dürfte: An den innerorts in die Straßen eingelassenen Hartplastik-Markierungen verdient auch Swarovski viel Geld – also die für ihr geschliffenes Kristallglas und Edelschmucksteine bekannte Firma aus Österreich.

Swarovski-Perlen in Markierungen

"In diesen Kunststoff sind kleine, reflektierende Glasperlen eingelassen, die die Markierung dann heller leuchten lassen, wenn ein Lichtschein flach auftrifft – also genau so, wie es bei Autoscheinwerfern der Fall ist." Diese Glasperlen seien "schweineteuer", sagt der Baudirektor und lacht, doch sie würden nachts die Verkehrssicherheit erhöhen und die Markierungen zum Reflektieren bringen.

Noll, der im Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach für alle sieben Straßenmeistereien der nördlichen Oberpfalz zuständig ist und allein hier ein Team von rund 200 Leuten führt, erklärt, dass Straßenmarkierungen alle drei bis fünf Jahre geprüft und bei Bedarf erneuert würden. Auch in Sulzbach-Rosenberg fänden solche Prüffahrten regelmäßig statt. Die nächsten Markierungsarbeiten in der Stadt stünden erst wieder im Herbst an, wenn die Brücke der B14 über die Dieselstraße fertig wird und dann der zugehörige Straßenbelag neu gemacht werden muss.

BildergalerieVideoOnetzPlus
Sulzbach-Rosenberg17.04.2026
OnetzPlus
Sulzbach-Rosenberg17.12.2025
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Kevin Erler

Fast richtig🤫 Thermoplast (dauermarkierung) wird bei 170-200 grad verarbeitet. Aber so sollte alles korrekt. Nur 120 grad ist sehr wenig und nicht verarbeitbar.

11.06.2026
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.