23.09.2020 - 17:22 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Strafantrag kam vom Sulzbach-Rosenberger Bürgermeister

Es war ein Ritt auf der Rasierklinge. Er schnitt tief ins Fleisch eines 29-Jährigen, der für acht Monate seine Freiheit verliert und sich vorm Amberger Amtsgericht anhören musste, dass nichts für eine weitere Bewährungschance spreche.

Das Amtsgericht schickte den Randalierer ins Gefängnis.
von Autor HWOProfil

Der Mann ist arbeits- und obdachlos. Er brachte vier Vorstrafen mit zum Prozess und gab alles zu, was Staatsanwältin Sabrina Fischer aus drei Anklageschriften der Richterin Sonja Tofolini vortrug. Zunächst ging es um ein Fahrrad, das der 29-Jährige im Sulzbach-Rosenberger Stadtgebiet gestohlen und dann angeblich verkauft hatte. "Nicht verkauft, es wurde verschenkt", ließ der Beschuldigte über seinen Verteidiger Werner Greißinger geringfügig korrigieren.

Auch was dann kam, war mit einem Geständnis verbunden: Aus einem Sulzbach-Rosenberger Supermarkt wurde eine Dose mit Tabak mit Wert von 9.90 Euro geklaut. In ihrem Urteil sagte die Richterin später: "Wenn jemand schon unter Bewährung steht, dann geht er nicht hin und stiehlt etwas. In einer solchen Lage, fügte die Vorsitzende hinzu, "wäre es besser gewesen, von daheim Geld zu holen."

Der dritte Fall war ungleich heftiger. Dazu lag ein Strafantrag des Sulzbach-Rosenberger Bürgermeisters vor, der in seinem Brief an die Ermittlungsbehörde einen massiven Ausraster des 29-Jährigen beklagt hatte. Zugrunde lag dieser Anzeige eine Begebenheit, die sich in einem von der Stadt betriebenen Obachlosenheim ereignete.

Im Verlauf eines Streits mit anderen Bewohnern des Hauses war der junge Mann hergegangen und hatte eine Türe erheblich beschädigt. Dann warf er einen Stuhl und dann eine Lampe durchs geschlossene Fenster. Unter dem Strich ergaben sich danach Handwerkerrechnungen in Höhe von knapp 1000 Euro. Auch diese Unbeherrschtheiten gab der 29-Jährige zu. "War Alkohol im Spiel?", fragte die Richterin. Ihre Vermutung wurde bejaht.

Die Geständnisse seien durchaus anerkennenswert, ließ Staatsanwältin Ficher in ihren Schlussvortrag anklingen. Doch andererseits gebe es da einschlägige Vorstrafen, stehe eine dieser Ahndungen mit vier Monaten zur Bewährung offen. Von daher sah sie keine Möglichkeit zu einer weiteren Chance und verlangte elf Monate Haft zum Absitzen. Anwalt Greißinger stemmte sich gegen diese Forderung. "Man kann durchaus noch einmal Bewährung geben", legte er der Richterin nahe und hielt dies unter Verhängung diverser Auflagen für möglich.

Richterin Tofolini schickte den 29-Jährigen acht Monate hinter Gitter. "Sie haben nichts dazugelernt", schrieb sie dem Angeklagten ins Stammbuch und ergänzte, dass irgendwann Schluss sein müsse mit Nachsicht.

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