Patschnass standen sie am Samstag vor dem Bauhof um den abfahrtbereiten Baum, die Kirwamoila und -boum, aber sie machten das Beste daraus und ließen die Musik aufspielen. Geduldig warteten auch die beiden prächtig geschmückten Percheron-Kaltblüter Rubin und Titan vom Rückeunternehmen Wölker aus Vilseck – der Regen machte ihnen nichts aus. Sie zogen den schweren Kirwabaum kraftvoll den Berg in der Bayreuther Straße hinauf und dann durch die Altstadt zum Festplatz. Zweiter Bürgermeister Günter Koller und mehrere Stadträte gaben ihm Geleit.
„Ihr seid aber spät dran mit eurem Maibaum“, mischten sich zwei schwäbische Radtouristinnen ein, ernteten aber nur mitleidige Blicke ob ihrer Brauchtums-Unkenntnis. Dann läuteten die Glocken von St. Marien, und das Kirwa-Wahrzeichen rollte an seinen Bestimmungsort. Dort wartete schon der Autokran der Firma Englhard. Unter der bewährten Regie von Zimmerermeister Daniel Frischholz nahm der Kranführer den 30-Meter-Riesen aus dem Stadtwald bei Kleinfalz an den Schlupf. „Der hat heuer 31,5 Meter, wiegt 2,9 Tonnen und hat rund 2,7 Festmeter Holz“, informierte der Experte. Zentimeterweise hob sich die Fichte und schwebte in das vorbereitete Baumloch ein, wo sie flugs verkeilt wurde.
Moila warten in Wirtshäusern
Der Kirwabetrieb lief an, wie immer bestens organisiert von dem bewährten Team aus Birgländer- und Stamm-Personal. Es spielte bis tief in die Nacht die bodenständige Kirwamusik – ein Ur-Bestandteil der Woizkirwa seit 1958. Der Platz füllte sich, der Regen blieb aus und die große Stadtkirwa rund um den bewachten Baum nahm Fahrt auf.
Nach dem vom Stammverein musikalisch perfekt gestalteten Gottesdienst und dem Frühschoppen am Sonntag verschwanden die Moila in den Gasthäusern, die Boum versammelten sich in der „Landkutsche“ und bereiteten sich auf den Kirwa-Höhepunkt vor. Dabei ließen sie sich Zeit, so dass bei dem Traum-Wetter erst nach 15 Uhr der Zug durch die Stadt anlief, um die Moila einzuholen. Diese warteten im Altstadt-Café, im Korfu und im Bayerischen Hof auf ihre Boum, die sie auslösten.
Kinder streichen Kirwa-Bätz
Mit dabei im Zug natürlich der geschmückte Kirwa-Bätz Sabrina aus dem Niebler-Stall in Erlheim. „Sie hat schon Kirwa-Erfahrung, weil sie war schon in Großenfalz dabei“, erklärte ihr Führer Max Niebler. Und Familienmitglied Sabrina erwies sich als charakterfest, wurde von vielen Kindern gestreichelt und ließ sich ihr mitgeführtes Heu und das Wasser immer wieder schmecken.
Auf dem Podium angekommen, wurde es für die 22 Paare eng um den Baum. Aber die Walzer, Landler, Dreher und Schottischen, die die Birgländer Musikanten ihnen hinüberbliesen, meisterten sie alle. Es erklangen die alten Kirwa-Lieder, und beim Ruf „Wer hout Kirwa?“ tauchte sogar die Frage auf „Wer hout die schäinste Litfass-Säiln hinter da Kasbudn?“ – natürlich „mir“. Eine originelle Truppe eben.
Oberkirwabou in Luft geworfen
Lange dauerten die Runden um den Baum, bis der Wecker alle erlöste und Julius Keck und Lena Stauber, beide vom Stamm-Verein, im Jubel versanken: Das neue Oberkirwapaar strahlte, Julius lernte bei den Boum sogar kurzzeitig das Fliegen. Unter dem Applaus des vollbesetzten Luitpoldplatzes drehten sie ihre Ehrenrunden, und die Kirwa ging bis in die Nacht munter weiter.




























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