12.01.2021 - 16:55 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sulzbacher Thora-Rolle zum Holocaust-Gedenken im Bundestag

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Aufsehen erregte 2015 eine in Amberg wiederentdeckte Sulzbacher Thora-Rolle, die zu den ältesten Bayerns gehört. Schon bald wird diese heilige Schrift im Bundestag in Berlin im Mittelpunkt stehen.

Die wiederentdeckte Sulzbacher Thora-Rolle konnte vor ihrer Restaurierung in Israel für einige Monate in der Sulzbacher Synagoge besichtigt werden.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Die Juden glauben, dass die Worte der Thora die Worte Gottes sind, die er vor 3000 Jahren Mose auf dem Berg Sinai verkündete. Wie durch ein Wunder blieb eine dieser Sulzbacher Schriftrollen aus dem Jahr 1793 erhalten. Rabbiner Elias Dray von der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg entdeckte sie vor sechs Jahren, sie kam nach Israel zur Restaurierung und soll nun das große Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ bereichern.

Am 27. Januar im Plenarsaal

Wie Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer und Archivar Johannes Hartmann dazu informieren, wird die Sulzbacher Thora-Rolle am Mittwoch, 27. Januar, um 11 Uhr im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes zu sehen sein. Dort gedenkt der Bundestag der Opfer des Nationalsozialismus. Vor 25 Jahren hatte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, das Datum der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, zum nationalen Gedenktag erklärt.

„Im Zentrum der Veranstaltung in Berlin steht das Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus. Zusätzlich steht die Gedenkstunde aber auch im Zeichen des Jubiläumsjahres ,321 - 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland‘“, informiert Lommer. Ein kurzer Film über die in Israel restaurierte Sulzbacher Thora-Rolle wird die Gedenkstunde ergänzen.

Die aus der Sulzbacher Synagoge stammende jüdische heilige Schrift wird laut Pressemitteilung des Bundestages am Ende der Gedenkstunde in einer feierlichen Zeremonie unter Beteiligung der Repräsentanten der Verfassungsorgane und der Gedenkredner im Andachtsraum des Bundestages mit dem Eintrag der letzten zwölf Buchstaben des 5. Buches Mose fertiggestellt – als Symbol staatlicher Selbstverpflichtung, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen und dauerhaft zu ermöglichen.

Tagung, Filme, Vorträge

Wie Hartmann und Lommer weiter berichten, soll das Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ auch in Sulzbach-Rosenberg neben dem ersten Höhepunkt mit Sulzbacher Beteiligung im Bundestag mit einigen Veranstaltungen begleitet werden. „Es ist zwar noch nichts terminlich festgelegt, aber wir denken an ein Konzert, Themen bei der Knorr-von-Rosenroth-Tagung, Filme und Vorträge“, blickt Archivar Johannes Hartmann voraus.

Stadtheimatpfleger Markus Lommer verweist auf Informationen von MdL Ludwig Spaenle, der als Beauftragter der Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus amtiert. Wie der Landtagsabgeordnete angibt, werde 2021 bundesweit das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ begangen. Dieses Datum beziehe sich auf die erste schriftliche Erwähnung einer jüdischen Gemeinde auf deutschem Boden: Ein Erlass des römischen Kaisers Konstantin vom 11. Dezember 321 erlaubte den Juden in Köln, Ämter in der Stadtverwaltung zu bekleiden.

Mehr zur Sulzbacher Thora-Rolle

Im Festjahr solle mit Veranstaltungen und Projekten an die jahrhundertelange gemeinsame Geschichte von Juden und Christen in Deutschland erinnert werden, und an den umfassenden Beitrag von Jüdinnen und Juden zu dieser gemeinsamen Geschichte. Für Bayern sei jüdisches Leben urkundlich erstmals im Jahr 981 in Regensburg nachweisbar. Tatsächlich dürften Juden aber entsprechend der Ausbreitung des Römischen Reichs nach Norden bereits in der Spätantike im Gebiet des heutigen Bayern gelebt haben. Heute lebten rund 18 000 Juden in Bayern. Im Freistaat bestünden 15 jüdische Gemeinden. Die Mehrzahl von ihnen – darunter die größte jüdische Gemeinde in München – seien Einheitsgemeinden, daneben gebe es in München und Bamberg liberale Gemeinden.

Hintergrund:

Thora-Rolle

  • Inhalt: Handgeschriebene Schriftrolle mit den fünf Büchern Mose in hebräischer Sprache.
  • Material: Pergament, das aus koscheren Tieren gewonnen wird.
  • Schrift: Die Schrift ist das dominierende Element in jeder Thorarolle, das bestimmten Regeln unterliegt. Der Schreiber darf nicht aus dem Gedächtnis schreiben. Bei Fehlern muss meistens eine neue Pergamentbahn verwendet werden.
  • Sulzbacher Thora: Fertiggestellt im Jahr 1793, sie besteht aus 30 Tierhäuten, die ein Breite von 71 bis 88 cm haben. Damit hat die Thora-Rolle eine Länge von etwa 24 Metern und ein Höhe von 65 cm.
  • Bedeutung: Zeugnis eines intakten jüdischen Lebens in Sulzbach.
Zusammen mit (von links) Elias Dray und Bürgermeister Michael Göth begutachteten im Februar 2017 die beiden Thora-Experten Izchak und Ahron Rosengarten die Sulzbacher Thora-Rolle in der ehemaligen Synagoge .

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