11.12.2019 - 10:39 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Technik und Geschichte: Oberpfälzer Heimatforscher tagen in Sulzbach-Rosenberg

Mit der Einführung des elektrischen Lichts verschwand der Brauch, die Rorate-Messe mit der Kerze in der Hand zu besuchen, fast über Nacht. Wie Technik, Brauchtum und Gesellschaft zusammenhängen, ist ein spannendes Thema der Heimatforschung.

Heimatforscher aus allen Teilen der Oberpfalz treffen sich im Seidel-Saal.
von Autor GACProfil

Viele Gäste hatten der Arbeitskreis Heimatforschung Oberpfalz und der Arbeitskreis Landeskunde Ostbayern der Universität Regensburg zu ihrer Tagung "Technikgeschichte - Beispiele aus der Oberpfalz" in den Saal der ehemaligen Druckerei J. E. von Seidel locken können. Wilhelm Füßl stellte die Bestände des Archivs des Deutschen Museums vor, unter anderem den privaten Nachlass des legendären Flugzeugkonstrukteurs Kurt Tank, der den Jäger Me 109 entworfen hat.

Florian Schwemin erklärt, wie sich die Einführung der elektrischen Beleuchtung in den Kirchen auf das religiöse Brauchtum ausgewirkt hat.

Florian Schwemin hat Dokumente der Diözese Regensburg aus dem Jahr 1932 ausgewertet, in denen die vom Bischof zur Bestandsaufnahme religiöser Bräuche ausgesandten Volkskundler unter anderem beklagten, dass nach der Einführung der elektrischen Beleuchtung der feierliche Schein mitgebrachter Kerzen in den Rorate-Messen völlig erloschen sei. Die Möglichkeit, Kerzen anzuzünden, hätte ja weiterhin bestanden. Aber vermutlich fanden die Oberpfälzer Dorfbewohner ihre Armut weit weniger romantisch als die Prälaten in Regensburg und freuten sich, dass der Fortschritt endlich auch bei ihnen Einzug hielt.

Bernhard Lübbers von der Staatlichen Bibliothek Regensburg beschäftigte sich mit den Zusammenhängen zwischen Medienwandel und Gesellschaft. Schon der Wechsel von der Papyrusrolle zum Pergament vor fast 2000 Jahren war eine Revolution, ebenso wie die Erfindung des Buchdrucks und des Internets. Und revolutionäre Medien führten immer auch zu religiösen und gesellschaftlichen Veränderungen.

Zum Abschluss bekamen die Heimatforscher noch eine Führung durch die Bestände der historischen Druckerei, die neben wenigen Maschinen und der Setzerei auch die Geschäftsunterlagen aus fast 200 Jahren sowie historische Möbel und private Gegenstände der Familien Seidel und Wotschak umfasst.

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