Sulzbach-Rosenberg. (hwo) Alle waren da. Nur der Angeklagte fehlte. Also schickte Amtsrichterin Julia Taubmann eine Funkstreifenbesatzung los, ließ den Arbeitslosen aufwecken und nach Amberg bringen Mit gut einstündiger Verzögerung ging dann eine Verhandlung los, die nach neun Vorstrafen für den 36-Jährigen wieder mal im Gefängnis endete.
Von der öffentlichen Hand eigentlich schon immer ernährt, geht der Mann gerne mal in Spielhallen, um dort sein Glück zur Aufbesserung des eher schmalen Einkommens zu suchen. Heuer an einem Märztag hielt er sich laut Polizeiprotokoll um 23.48 Uhr in einem Sulzbach-Rosenberger Casino auf. Dort erlag der Angeklagte nach eigenem Bekunden einer Versuchung. Allerdings keineswegs am Spielautomaten.
Der 36-Jährige schaute zufällig in einen Spiegel und bekam quasi quer zur Sichtrichtung Einblick in den für Gäste gesperrten Bereich. Er sah einen kleinen Tresor, der wohl offen stand und trat, weil sonst keiner da war, ein paar Schritte näher. Und siehe da: In dem Safe lag ein Packen Banknoten. Als Wechselgeld gestapelt und recht verlockend für einen, der Bares gut brauchen konnte. "Ich hab's genommen", gestand der der Mann und schilderte der Richterin, wie er die 1035 Euro nach und nach für häuslichen Bedarf ausgab. Zurückbezahlt hat er bis heue "leider nichts", wie die Vorsitzende erfuhr.
Es gab noch zwei weitere Anklagepunkte. Der erste: Bei einer Hausdurchsuchung hatten Polizeibeamte einen sogenannten Wurfstern, der als verbotene Waffe gilt, bei dem 36-Jährigen gefunden. Und der zweite: Mit einem Rucksack war der Sulzbach-Rosenberger durch ein Amberger Fachgeschäft marschiert und hatte drei Paar Sportschuhe zum Nulltarif abtransportiert. Beide Vorwürfe wurden von der Richterin angesichts einer ohnehin zu erwartenden Haftstrafe eingestellt.
Als die Staatsanwaltschaft zehn Monate ohne Bewährung für den dreisten Griff ins Innere des Casino-Tresors verlangt hatte, stemmte sich Verteidiger Helmut Miek vehement dagegen und verlangte eine Geldstrafe. Doch damit ließ es die Richterin nicht abgehen. Sie schickte den Angeklagten für sieben Monate hinter Gitter und sagte im Einklang mit dem Anwalt: "Hier hat die Gelegenheit einen Dieb gemacht."
Verteidiger Miek hat eine Berufung zum Landgericht angekündigt. Vielleicht lässt sich dort dann klären, weshalb der Besitzer des Casinos einem Aufsichtsmann in der Spielhalle 350 Euro vom Lohn abgezogen hat, bisher aber nicht mit Rückzahlungsforderungen an den Dieb herangetreten ist.













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