Ihr Beruf erfordert äußerste Präzision und Geschicklichkeit und macht ihr großen Spaß. Sie kennt ihn von klein auf - kein Wunder, schließlich ist ihr Vater Markus Sindel Uhrmachermeister in Sulzbach-Rosenberg, ihm gehört die Firma Pemsel am Luitpoldplatz. Und auch er ist engagierter Vertreter des immer seltener werdenden Berufsstandes.
Minimalste Toleranzen
Als die Realschülerin nach einem Praktikum verkündete, sie wolle beim Papa in die Lehre gehen, war die Freude groß. Und so sitzt sie jetzt tagtäglich mit der Lupe an ihrem Arbeitsplatz und lernt die Grundbegriffe und Standard-Übungen des Handwerks. Nun, im zweiten Lehrjahr, beherrscht die 17-Jährige schon viele Fertigkeiten. Für Grobmotoriker ist dieser Beruf eher nichts: Muss etwas eingepasst werden, geht es beim Feilen schon mal um einen Hundertstel Millimeter. Da ist Geduld gefragt und Augenmaß.
Irgendwann ruft aber die Berufsschule. Dann muss Carina nach Würzburg reisen zur Blockbeschulung in der Franz-Overthür-Berufsschule. Dort treffen sich die bayerischen Uhrmacher-Azubis - ganze vier an der Zahl. Es gibt nur elf Auszubildenden aus vier Bundesländern im 2. Ausbildungsjahr an der Schule. Dort werden sie auch gemeinsam ihre Gesellenprüfung ablegen. Andere Schulstandorte für diesen Beruf sind nur noch in Glashütte, Pforzheim oder Hamburg. In Würzburg wird sie auch gleich nach der sicher gut bestandenen Prüfung ihren neunmonatigen Meisterkurs beginnen - das ist inzwischen möglich. Dabei wird sie, wie ihr Vater, eine eigene Uhr komplett selbstständig entwerfen und zusammenbauen. Und sie wird innerhalb ihrer Ausbildungszeit noch überbetriebliche Wochen bei anderen Uhrmachern in Landshut und Germering absolvieren, um praktische Erfahrungen zu sammeln. "Nach meiner Meisterprüfung plane ich noch ein Auslandsjahr in der Schweiz, um mein Handwerk zu verbessern", kündigt Carina an.
Zertifizierung wichtig
"Uhrmacher ist ein gut bezahlter Beruf", erklärt Markus Sindel. Derzeit seien wohl um die 300 Stellen offen und nicht zu besetzen mangels Masse. Die Zukunftsaussichten sind also bestens. "Die mechanischen Uhren haben jetzt 30 Jahre geboomt, und es geht noch weiter", bemerkt der Uhrmachermeister, verhehlt aber auch nicht, dass eine Revision der teuren Zeitmesser im Herstellungswerk eine langwierige, oft mit Jahren der Wartezeit belastete Angelegenheit ist. Da könnten zertifizierte Uhrmacher helfen. Er selbst hat mit 23 seinen Meister gemacht und damals gleich die Leitung eines Betriebs übertragen bekommen. Inzwischen hat seine eigene Firma als einzige weit und breit die Zertifizierung für eine ganze Reihe von bekannten Uhren-Namen bekommen und damit Zugang zu allen Originalteilen. Auch die Zusammenarbeit mit seinen früheren Ausbildungskollegen klappt bestens.
Fasser gesucht
Jetzt bräuchte er nur noch einen neuen "Fasser" - jemanden, der Edelsteine und Schmuck entsprechend verarbeiten kann. "Der könnte eine Menge Geld verdienen, wenn es ihn denn gäbe. Aber dieser Beruf ist noch seltener als der unsere." Der bisherige Spezialist ging in Pension, und die anderen ihm bekannten Profis sind allesamt komplett und immer ausgebucht.
Doch Carina konzentriert sich jetzt erst einmal auf ihre Uhrmachertätigkeit. Dabei lernt sie in der Ausbildung übrigens auch die Grundlagen der Goldschmiedetechnik. Verkaufen und Kunden beraten wird sie auch, mit Schmuck und Uhren kennt sie sich ja inzwischen bestens aus. Jetzt klemmt sie sich wieder hinter ihre Lupe und macht sich daran, das nächste Stück zu reparieren. Und der Papa schaut stolz zu.
Nach meiner Meisterprüfung plane ich noch ein Auslandsjahr in der Schweiz, um mein Handwerk zu verbessern.
















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