29.10.2020 - 17:06 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Unspektakuläres Ende des Bergbaus in Sulzbach-Rosenberg

Von 1864 bis 1977 dauerte die industrielle Eisenerz-Förderung im Sulzbach-Rosenberger Raum durch die Maxhütte. Hier ein kleiner Rückblick.

Der Eichelberg-Schacht arbeitete bis zum Jahr 1977, seine Stilllegung beendete die Bergbau-Ära in der Stadt.
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Von Rolf Wypior

Für Außenstehende war es über Generationen hinweg klar: Sulzbach-Rosenberg heißt Maxhütte heißt Eisen und Stahl. Die griffige Formel vernachlässigt jedoch eine im Wortsinn grundlegende Tatsache. Am Anfang war das Erz! Die überaus imposante Werkskulisse aus Hochöfen, Stahlwerk, Walzwerk und Adjustagehallen entlang der Bahnstrecke Nürnberg-Schwandorf wäre nie entstanden und hätte auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs keinen Bestand gehabt ohne den Schatz in der Tiefe, die hiesigen Eisenerzlagerstätten.

Das beschauliche Sulzbach geriet erst in den Fokus der 1853 nahe Burglengenfeld gegründeten Maxhütte, als deren technischer Leiter Ernst Fromm den Aufbau einer eigenen Eisenerzbasis vorantrieb. Die entscheidende Stunde schlug 1864: Die Maxhütte erwarb die ergiebigen Erzfelder mit den Gruben Etzmannsberg, Karoline, St. Anna, St. Georg, Delphin und Eichelberg.

Damit waren die Weichen gestellt für eine stabile Eisenerzbasis, die die Versorgung mit diesem wichtigen Rohstoff auf Jahrzehnte hinaus sicherte. Gleichzeitig war es die Initialzündung für alle später folgenden Schritte wie die Errichtung und den fortlaufenden Ausbau des Werkes Rosenberg und den Umzug der Hauptverwaltung von Maxhütte-Haidhof an den neuen Standort.

Mit der MH zog Aufbruchstimmung in die alte Bergstadt ein, die ihre bis dahin größte Blüte vor Jahrhunderten, im "Ruhrgebiet des Mittelalters", erlebt hatte. So wurden Schächte vertieft, zusätzliche abgeteuft, mehrere Gruben untertage verbunden. Der Schwerpunkt der Förderung verlagerte sich im Laufe der Jahrzehnte von der Grube Etzmannsberg zum Klenzeschacht und schließlich zum neuen Annaschacht.

Die überragende Bedeutung der eigenen Erzbasis zeigte sich ein weiteres Mal unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. "Es bleibt festzuhalten, dass die Maxhütte ohne eigenen Erzbergbau sozusagen vor der Haustür bei der - sowieso recht mühsamen - Wiederinbetriebnahme 1946 keine Chancen gehabt hätte." (Höfer, Jericho, Knorr im Jubiläumsband "150 Jahre Maxhütte", 2003).

Daumen hoch 1958: Die Erzfelder Etzmannsberg, Fromm und Karoline waren untertägig durch durchgehende Förderstrecken verbunden. Jetzt fuhren in den zentralen Klenzeschacht täglich 1000 Bergleute ein, und die Förderung stieg auf bis zu 2000 Tonnen pro Tag.

Daumen runter 1977: Der erst drei Jahre zuvor in Betrieb gegangene Eichelbergschacht konnte sich kostenmäßig nicht gegen die immer billiger werdenden Auslandserze mit ihrem höheren Eisengehalt behaupten und musste stillgelegt werden. Zuvor hatte es 1974 schon den St.-Anna-Schacht getroffen. Das war nach Jahrhunderten wechselvoller Geschichte gleichzeitig das unspektakuläre Ende des Bergbaus.

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