22.11.2018 - 15:49 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Verdi kämpft für sozialen Fortschritt

Was wäre eine Organisation oder Verein ohne langjährige treue Mitglieder, die das finanzielle und aktive Fundament bilden? Die Gewerkschaft Verdi hat dies auch erkannt und zeichnet ihre Getreuen aus.

An der Spitze der Jubilare standen Fritz Sonntag (Zweiter von links), Erich Balzer (Fünfter von links) und Martha Krause (vorne, Mitte), die für 65-, 60- und 50-jährige Mitgliedschaft geehrt wurden. Es gratulierten die stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzende Maja Fischer, Festrednerin Irene Salberg (beide vorne von links), Gewerkschaftssekretär Pascal Attenkofer (Fünfter von links) und DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Berndt (rechts). Der für 65 Jahre Gewerkschafszugehörigkeit geehrt wurde, Erich Balzer (5. von links)
von Wolfgang BerndtProfil

Obwohl vieles erreicht wurde, sei noch vieles zu tun, brachte es bei der Jubilarehrung des Verdi-Ortsvereins die ehemalige Bezirksgeschäftsführerin von ver.di Oberpfalz Irene Salberg im Gasthof Bartl auf den Punkt. Während die Republik bei den Nettolöhnen den letzten Platz im Vergleich zu Alteuropa einnehme, habe sie beim Zuwachs der Prekärbeschäftigten den ersten Platz in Europa.

Abstimmung zwischen Mitgliedsgewerkschaften im DGB werde immer wichtiger, schilderte DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Berndt, der Grüße des Kreisverbandes und Ortskartells überbrachte. Er dankte für die Zusammenarbeit, sie sollte weitergeführt werden. Der langjährige Ortsvorsitzende, Bezirksvorstandsmitglied Manfred Weiß, habe mit viel Einsatz für eine bessere Welt gekämpft, würdigte der Bezirks-Betreuungssekretär Oberpfalz, Pascal Attenkofer, den kürzlich Verstorbenen. "Manfred Weiß hat sich um die Gewerkschaft verdient gemacht."

Erster Tarifkampf

Nach dem Treffen der Buchdrucker aus ganz Deutschland 1866 in Leipzig, um den Buchdruckerverband als älteste Gewerkschaft zu gründen, sei unter unmenschlich langen Arbeitszeiten und Löhnen, die kaum zum Leben reichen, der erste reichsweite Tarifvertrag erkämpft worden, schilderte Attenkofer. Dank des Engagements der Jubilare, die seit Jahrzehnten der Gewerkschaft die Treue gehalten haben, herrschten heute nicht mehr solche Zustände.

Trotz der großartigen Erfolge wie der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall könne man sich trotzdem nicht zurücklehnen. "In Zeiten, in denen Tarifflucht in vielen Betrieben überhand nimmt, in denen prekäre Arbeitsverhältnisse zunehmen und in denen der Reichtum immer weiter von unten nach oben verteilt wird, muss für jeden sozialen Fortschritt gekämpft werden."

Gewerkschaftserfolge

Vor 70 Jahren schworen sich Gewerkschaften der ersten Sunde "Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg", blickte die Festrednerin Irene Salberg zurück.1948 kämpften neun Millionen Beschäftigte beim ersten Generalstreik nach dem Zweiten Weltkrieg gegen Preissteigerungen bei gleichzeitigem Lohnstopp. Schon damals bezogen die Arbeitgeber ihren "Herr-im-Haus-Standpunkt". In den 60er Jahren waren bereits Automatisierung mit folgender Rationalisierung, aber auch Bildungsnotstand, Notstandsgesetze und Vietnamkrieg dominierende Themen.

Ab Mitte der 70er Jahre hatten die Gewerkschaften immensen Zulauf und zahlreiche Erfolge wie der Einstieg in das 13. Monatsgehalt und die Verlängerung des Urlaubs wurden erzielt. Als dann auch noch für Arbeitszeitverkürzung gestreikt wurde, regierten die Arbeitgeber erstmals mit Aussperrung. Trotzdem wurde eine Arbeitszeitverkürzung durchgesetzt. Obwohl vieles erreicht wurde, sei die Bundesrepublik im Vergleich der Nettolöhne Letzter in Alteuropa, beim Zuwachs von Prekärbeschäftigung hingegen die Nummer eins, konstatierte die Referentin. Der Unterschied zwischen arm und reich, der immer mehr zunehme, sei alarmierend, eine andere Steuerpolitik nötig. "Geld ist genug da, es ist nur falsch verteilt." Nötig sei ebenfalls die Einhaltung des Grundgesetzes "Alle Macht geht vom Volke aus", was in vielen Politikfeldern nicht mehr der Fall sei - etwa bei der Einführung der Rente mit 67, bei Hartz IV und bei der Stützung maroder Banken mit 70 Milliarden Euros. "Dies wurde gegen den Widerstand der Mehrheit der Bevölkerung von den Regierungen durchgesetzt", kritisierte Salberg.

Auf die derzeitige Situation eingehend, fügte die Referentin hinzu, dass es Menschen- beziehungsweise Christenpflicht sei, sich der Flüchtlinge anzunehmen, die aus Kriegsgebieten kommen. Wer wie die Bundesrepublik Waffen herstelle und exportiere, erzeuge Krieg.

Jubilarehrung:

25 Jahre gehören Dieter Bleisteiner, Ute Büttner, Ute Hofmann, Eugen Kucharski, Angelie Leissner, Regina Matzel, Dietmar Reiss und Doris Zimmer der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) an. 40 Jahre halten Manfred Aures, Heidi und John Richard Barron, Irene Beck, Hermann Dehling, Erwin Fleischmann, Günther Fleischmann, Karl-Heinz Gansler, Karl Herold, Georg Luber, Werner Müller, Robert Reichenberger, Elisabeth Ruth, Herbert Ullrich und Friedrich Zahn der Gewerkschaft die Treue. Auf 50 Jahre gewerkschaftliche Zugehörigkeit blicken Johann Hauenstein, Martha Krause und Rudolf Zimmermann und auf 60 Jahre Erich Balzer zurück. Eine seltene Auszeichnung erhielt Friedrich Sonntag, der vor sage und schreibe 65 Jahren den Weg in die Gewerkschaft gefunden hat und ihr seither Treu geblieben ist.

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