29.06.2020 - 17:29 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Vereidigung bei der Bereitschaftspolizei in Sulzbach-Rosenberg: Innenminister wirbt für Schutz der Polizisten

Nicht der Innenminister spielte auf dem Bepo-Gelände zunächst die Hauptrolle, sondern das Wetter. Wegen Corona ging die Vereidigung von 274 Polizeianwärtern auf dem Sportgelände über die Bühne.

Auf dem Sportplatz der VII. Bepo-Abteilung leisteten 284 Polizeianwärterinnen und -anwärter den Eid auf Grundgesetz und Bayerische Verfassung.
von Andreas Royer Kontakt Profil

„Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen“, treffender konnte es Abteilungsführer Polizeidirektor Stefan Beil am Montag nicht ausdrücken, als er einleitend vor der eigentlichen Zeremonie die Polizeianwärter an den bedeutungsträchtigen und notwendigen Schritt ihrer Berufung in das Beamtenverhältnis erinnerte.

Üblicherweise finden Polizei-Vereidigungen zentral in der Frankenhalle in Nürnberg statt. Aber durch die Corona-Pandemie wurden die Veranstaltungen dezentral auf die einzelnen Standorte der Bereitschaftspolizei verteilt, um die geltenden Hygienevorschriften gewährleisten zu können. Die Anwärter traten im Freien an, Regen blieb ihnen beim Festakt aber erspart.

Stefan Beil freute sich über die Teilnahme von Innenminister Joachim Herrmann, der innerhalb der letzten Tage bereits das zweite Mal den Standort in der Wagensaß besuchte. Grüße galten auch Bereitschaftspolizeipräsident Wolfgang Sommer sowie Polizeiseelsorgerin Dorothea Jüngst, die zu Beginn der Vereidigung andächtige Worte sprach. Die musikalische Begleitung übernahm das Bläserensemble des Polizeiorchesters Bayern unter der Leitung von Professor Johann Mösenbichler.

„Vor uns präsentieren sich 274 junge Polizeimeisteranwärterinnen und -anwärter. Zwei Ausbildungsseminare, die noch am Anfang ihrer Ausbildung stehen, und heute einen bedeutsamen Schritt in Richtung ihres angestrebten Ziels, Polizeibeamtin oder -beamter zu werden, vollziehen“, sagte Stefan Beil. Er stellte im Anschluss die beiden Ausbildungsseminare vor und dankte allen Mitarbeitern und Stamm-Beamten für ihre Unterstützung.

Innenminister Joachim Herrmann sprach von einem Tag der Freude für die Polizei und ganz Bayern: „Sie haben sich mit Ihrer Berufswahl dazu bereit erklärt, eine besondere Verantwortung für die Sicherheit der Menschen in Bayern zu übernehmen - eine Verantwortung, die weit über die normalen staatsbürgerlichen Pflichten hinausgeht. Denn mit der heutigen Vereidigung erklären Sie, dass Sie sich für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung einsetzen werden.“

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Sulzbach-Rosenberg

Der CSU-Spitzenpolitiker erinnerte auch daran, dass im Freistaat jeder Mensch das Recht auf Freiheit und Sicherheit habe. Das sei die Grundmaxime, an der sich auch das Handeln der Polizei ausrichte. Das sei nach Herrmanns Ansicht aber oft ein Balanceakt, denn die Beamten hätten die Befugnis, in die Grundrechte und damit die Freiheit anderer Menschen einzugreifen. „Seien Sie sich in diesen Situationen immer bewusst: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt unabhängig vom Verhalten des Gegenübers, also auch wenn Sie selbst respektlos oder menschenverachtend angegangen werden“, erklärte der Minister.

Nach Auffassung des hohen Gastes aus München sei die bayerische Polizei professionell und lasse sich deshalb nicht emotional provozieren und zu Überreaktionen hinreißen. Sie handle sachlich, rechtskonform und verhältnismäßig. „Wir geben Vorwürfen, wie sie aktuell in den USA erhoben werden, keine Veranlassung. Ich weise darum auch alle Äußerungen, die unsere Polizei unter den Generalverdacht des Rassismus stellen, entschieden zurück“, machte der Minister klar.

Wir geben Vorwürfen, wie sie aktuell in den USA erhoben werden, keine Veranlassung.

Joachim Herrmann

Joachim Herrmann

Hier sei viel dummes Zeug in den letzten Wochen geredet worden, was in der nach Minister-Ansicht skandalösen Äußerung in einem Kommentar in der Tageszeitung (Taz) gipfelte, worin sich die Verfasserin dazu verstiegen habe, dass alle Polizisten auf die Müllhalde gehören. Herrmann: „Darum meine ich auch, wir müssen unsere Polizisten vor Diskriminierung schützen.“

Der oberste Dienstherr der Polizisten erinnerte an die schwierige Lern-Situation während der Corona-Krise und an die Zahlen aus der Kriminalstatistik, die Bayern als sicherstes Bundesland auswiesen. Dies sollte auch als Ansporn für die Anwärter dienen. „Der Polizeiberuf ist kein Beruf wie jeder andere. Die Abwehr von Gefahren und die Aufklärung von teils schweren Straftaten ist eine verantwortungsvolle und die ganze Person fordernde Aufgabe“, sagte Herrmann.

Die feierliche Vereidigung, das Abspielen der Hymnen und ein Rundgang des Ministers durch die Reihen der angehenden Beamten setzten die Schlusspunkte der Zeremonie in der Wagensaß.

Zwei Ausbildungsseminare:

Hoher Frauenanteil

72. Ausbildungsseminar

Mit einer Stärke von 144 Auszubildenden unter der Leitung von Erstem Polizeihauptkommissar (EPHK) Josef Fleischmann befindet sich das 72. Ausbildungsseminar derzeit im 1. Ausbildungsabschnitt. Die 100 Männer und 44 Frauen im Alter von 17 bis 34 Jahren mussten gleich zu Beginn im März auf Online-Unterricht umstellen. Zum Seminar gehören ehemalige Schüler, Studenten und Berufsumsteiger. Unter anderem Elektriker, medizinische Fachangestellte und Fremdsprachenkorrespondenten.

74. Ausbildungsseminar

Daneben befindet sich mit einer Stärke von 130 Anwärtern das 74. Ausbildungsseminar unter der Leitung von EPHK Kurt Guggenberger. Unter den im September 2019 in das Beamtenverhältnis berufenen und im 2. Abschnitt befindlichen 87 Männern und 43 Frauen haben bereits 43 zuvor einen anderen Beruf ausgeübt, beispielsweise Dolmetscher, Justizfachwirt und Mechatroniker. In dem fränkisch geprägten Seminar leisten auch acht nicht-bayerische Männer und Frauen ihren Dienst. Zwei der 130 Azubi im Alter zwischen 17 und 31 Jahren können eine zweite Staatsbürgerschaft der Länder Türkei und Russland vorweisen.

Gold- und Bronzemedaille

Abteilungsführer Stefan Beil freute sich auch, dass sich unter dem Polizei-Nachwuchs eine Gold- und Bronzemedaillengewinnerin der letzten deutschen Polizeimeisterschaft in Ju-Jutsu, Polizeimeisteranwärterin Cheyenne Siegemund, befindet.

Seminarleiter Kurt Guggenberger, Medaillengewinnerin Cheyenne Siegemund und Bepo-Präsident Wolfgang Sommer (von links).
Abteilungsführer Stefan Beil, Bepo-Präsident Wolfgang Sommer und Staatsminister Joachim Herrmann (von links) im Gespräch mit Polizeianwärtern.
Das Bläserensemble des Polizeiorchesters Bayern sorgte für die musikalische Gestaltung der Vereidigung.
Polizeiseelsorgerin Dorothea Jüngst übernahm eine kurze einleitende Andacht.
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