17.10.2019 - 15:17 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Mit Vergnügen und hoher klanglicher Qualität

Von der Wiener Klassik bis zur Moderne spannte sich das Programm des Klaviertrios "toninton"

Verschiedene Klangwelten versprach das "toninton"-Programm des Auftaktkonzerts der 57. Kammermusikreihe im Konzertsaal der Sulzbach-Rosenberger Berufsschule.
von Autor GACProfil

Schon in den ersten Takten von Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviertrio B-Dur, KV 254 zeigten sich die Musiker bestens disponiert. Mozart kommt meistens mit einer solchen Leichtigkeit und Eleganz daher, dass der Zuhörer - im Idealfall - die harte Arbeit der Musiker überhaupt nicht mitbekommt. Denn einfach zu spielen ist dieses Frühwerk des kaum 20-Jährigen keineswegs. Das "Allegro assai" gaben Vilja Speidel (Violine) und Ukko Speidel (Cello) mit einem fein abgewogenen Klang und flottem, aber nicht gehetztem Tempo; Rita Klose am Flügel begleitete mit zurückhaltender Präsenz. Im "Adagio" steht die Violine ganz im Mittelpunkt. Vilja Speidel überzeugte mit feinem Bogenstrich und ausdrucksstarker Dynamik. Das abschließende "Rondo" fordert mit seinen vielen Unisono-Partien das Zusammenspiel der Musiker in besonderer Weise. "toninton" überzeugte auch in dieser Disziplin. Im Mittelteil sorgte Klose mit betonten Punktierungen für hüpfende Leichtigkeit.

Das Klaviertrio "Light and Matter" der in New York lebenden finnischen Komponistin Kaija Saariaho war ein starker Kontrast zum klassischen Mozart. Es beginnt mit klirrenden, flirrenden Klängen, bei denen der Morgenwind, der durch die Bäume eines Parks jagt, Pate stand. Im weiteren Verlauf treten rhythmische Motive auf; hier rückt das Piano zeitweise in den Vordergrund.

Eine große Vielfalt von Klängen erzeugten die Musiker: Klose beugte sich über den Flügel und zupfte die Saiten, was einen zauberhaften, harfenartigen Effekt hervorrief, Ukko Speidel entlockte dem Cello kurze Baßtöne mit flageolett-artigen Obertönen, beide Streichinstrumente führten wabernde Glissandi vor. Das alles spielte das Trio mit sichtlichem Vergnügen und hoher klanglicher Qualität. Trotzdem ging das Publikum etwas ratlos in die Pause. Das Werk bietet viele interessante Klänge, aber zu wenig konzeptionelle Substanz, um den Zuhörer für mehr als eine Viertelstunde zu fesseln.

Auch Robert Schumanns Trio Nr. 3 g-Moll op. 110 wurde von Zeitgenossen konzeptionelle Armut vorgeworfen. Davon war in der Interpretation von "toninton" jedoch nichts zu spüren! Den ersten Satz "Bewegt, doch nicht zu rasch" spielten die Musiker dramatisch mit starker Dynamik. Besonders Speidels Cello erfreute mit enormer Beweglichkeit und vollem Klang. Der zweite Satz "Ziemlich langsam" war ein romantisches Klanggemälde mit einem riesigen Crescendo im Mittelteil. Im neckischen dritten Satz "Rasch" führten stark betonte Synkopen zu einem geradezu bombastischen Schluss.

Bei dem rhythmisch anspruchsvollen letzten Satz "Kräftig, mit Humor" zeigte das Trio "toninton" noch einmal sein hervorragendes Zusammenspiel. Wie hier Violine und Cello abwechselnd hervor- und wieder zurücktraten in ständiger Abstimmung zwischen den Musikern war ein echter Genuss.

Die Konzertbesucher erklatschten sich noch eine Zugabe, die wieder zur Wiener Klassik zurückführte: Das "Poco adagio, cantabile" aus Joseph Haydns "Zigeunertrio", Nr. 39. Hier hatte Klose am Flügel noch einmal einen großen Auftritt, aber auch Speidels Violine brillierte mit sehr schönem, solistischem Klang. Ein Abend, der Lust auf die weiteren Konzerte des Kammermusikkreises machte.

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