Er verkörperte ein Stück Dorf-Identität: Rosenberg trauert um Hans Flierl

Sulzbach-Rosenberg
05.08.2022 - 16:47 Uhr

Seine geliebte Geige klingt nicht mehr, seine diatonische Harmonika ist für immer verstummt: Hans Flierl, in Sulzbach-Rosenberg bekannt als der "Bumperer", ist tot.

Hans Flierl gehörte über Jahrzehnte zu den Größen der regionalen Musikanten-Szene.

Hans Flierl, der weit über Sulzbach-Rosenberg hinaus bekannte und beliebte Musiker und Volksmusikant, ist am 26. Juli im Alter von 93 Jahren im Sulzbach-Rosenberger St. Anna-Krankenhaus verstorben. Der "Bumperer", wie ihn die meisten seiner Bekannten, Freunde und Weggefährten nannten, hinterlässt nicht nur in seiner Familie, sondern auch in der regionalen Musikanten-Szene eine Lücke.

Wer dem "Bumperer" begegnete, blickte meistens in ein lachendes Gesicht und in Augen, in denen der Schalk aufblitzte. Sein nie versiegender Humor war neben seinem außergewöhnlichen musikalischen Talent und Können vielleicht sein zweitgrößtes Kapital. Dieser aus purer Lebensfreude gespeiste Humor wirkte ansteckend, und ganz bestimmt hat er dem Flierl-Bumperer auch in persönlich schwierigen Zeiten immer wieder neue Kraft gegeben.

Hans Flierl war ein unverfälschtes Rosenberger Gewächs. Geboren im "Dorf" am Rosenbach am 8. Februar 1929, wuchs er in einer Zimmerei-Familie auf und zeigte früh ein bemerkenswertes musikalisches Talent, das mit dem Besuch einer Musikschule in Rothenburg und anschließend am Musikkonservatorium entwickelt und ausgeformt werden sollte. Leider machten die Kriegswirren einer durchaus denkbaren Musiker-Karriere ein Ende.

Im elterlichen Zimmerei-Betrieb hatte sich eine zweite Passion herausgebildet - die Freude am Umgang mit dem Werkstoff Holz. Sie sollte nach der Zimmererlehre dann von 1957 bis 1984 im Bauhof der Maxhütte sein ganzes berufliches Leben bestimmen und prägen. Auch privat ließ ihn das Holz nicht los. In seiner Schnitzer- und Drechslerwerkstatt schuf Hans Flierl im Lauf seines langen und erfüllten Lebens anspruchsvolle handwerkliche Kunst, die unter anderem auf den Rosenberger Dorfweihnachtsmärken dankbare Abnehmer fand.

Seine spätere Frau holte sich der Rosenberger "Bumperer" aus Sulzbach, und aus der 1956 geschlossenen Ehe mit Lina Pappenheimer gingen die zwei Kinder Monika und Hans-Jürgen hervor. An den Enkeln Nicole und Daniel hatte Hans Flierl noch viel Freude. Viele Jahre machte er sich mit seiner Lina und dem eigenen Wohnwagen auf zu Camping-Ferien im sonnigen Süden oder zu schönen Zielen in der Oberpfalz und im Bayerwald.

Seine große Leidenschaft freilich war die Musik. Ob Steirische, Schifferklavier, Geige, Klavier, Klarinette, Saxofon oder Trompete – der „Bumperer“ beherrschte sie alle. Etliche Instrumente hatte er sich selbst beigebracht. Und dank seiner Kenntnisse im Musizieren, in Notenkunde und Harmonielehre war es ihm auch möglich, als Musiklehrer junge Talente auszubilden und zu fördern.

Schier zahllos die Anlässe, zu denen der „Bumperer“ aufspielte. Ob in jungen Jahren mit der von ihm selbst gegründeten Kapelle "Kleeblatt" bei Auftritten im Café Reitz, in der Bastei in den Casinos der US-Army, in Tanzlokalen landauf, landab. Ob als Volksmusikant in dem unvergessenen Trio "Die drei Hülzern" zusammen mit Hans Reinhardt und dem "Wonger-Hartl". Oder auch als Solist, denn wo es lustig herging im Wirtshaus oder bei einem Verein, da ließ sich der "Bumperer" nie lange betteln, bis er zur Geige oder zur Steirischen griff. Eine Kombination aus Können und Spontaneität, von der sich auch die Volksmusik-Moderatorin des BR-Fernsehens, Traudi Sieferlinger, bei einem persönlichen Besuch im Flierl-Haus sichtlich beeindruckt zeigte.

Wer es erlebt hat, wird nicht vergessen, wie Hans Flierl vor hübschen Frauen im Publikum Geige-spielend auf die Knie sank und ihnen "Rote Rosen" widmete. Oder auch, wie er als begnadeter Witzeerzähler seine Zuhörer unwiderstehlich zum Lachen brachte. So lange es gesundheitlich ging, hat er sich auch in zahlreichen Vereinen engagiert, von den Rosenberger Schützen über die Aquarianer bis hin zu BRK, Männerbund und Feuerwehr.

Den Spitznamen "Bumperer", so erzählte er immer selbst, hatte er seiner Körpergröße zu verdanken: "Ich war schon in der Schule immer der Kleinste und auch später keiner von den Längsten. Da kloine Bumperer halt." In Wahrheit aber war er einer der großen Rosenberger, einer, der ein Stück Dorf-Identität verkörpert hat.

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