21.03.2019 - 16:13 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Virtuose Brillanz und Empfindsamkeit

Genussreicher Klassikabend mit dem Klavierduo Walachowski und dem Klaviertrio Würzburg bei den Kammermusikfreunden

Das Klaviertrio Würzburg und das Duo Walachowski (von links: Katharina Cording, Ines Walachowski, Karla-Maria Cording, Anna Walachowski und Peer-Christoph Pulc) erfreuen die Zuhörer in ungewöhnlicher Besetzung.
von Autor GACProfil

Wenn drei Pianisten gleichzeitig auf einem Flügel spielen, wird es nicht nur auf der Bank eng. Der fast orchestrale Klang des sechshändigen Pianos ist daher nur selten zu hören. Das Klavierduo Walachowski (Anna und Ines Walachowski) und Karla-Maria Cording vom Klaviertrio Würzburg bot den Kammermusikfreunden im Saal der Berufsschule Sulzbach-Rosenberg dieses ungewöhnliche Vergnügen mit der Ouvertüre der "Hochzeit des Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Bearbeitung von Carl Czerny für sechs Hände. Czerny ist allen klassischen Pianisten als Etüden-Komponist bekannt. Nach ein paar anfänglichen Abstimmungsproblemen zeigten die Musikerinnen, wie einfühlsam er den witzigen und leichtfüßigen Charakter von Mozarts Oper in einen Klaviersatz übertrug.

Mozart war einer der Pioniere des vierhändigen Klavierspiels und hat seine Sonate C-Dur KV 521 für eine Schülerin geschrieben, die er in dem Brief, mit dem er die Noten versandte, ermahnte, tüchtig zu üben, denn das Stück sei nicht ganz einfach. Das merkte man dem Spiel der Schwestern Wachowski jedoch in keinem Moment an. Mit virtuoser Brillanz, aber großer Empfindsamkeit interpretierten sie das Allegro, beim Andante erfreuten sie mit variablem Anschlag und gut inszenierten Tempowechseln. Dieser Mozart kommt vielleicht eine Spur zu romantisch daher, was sicherlich auch den Möglichkeiten des modernen Flügels geschuldet ist, die von den Musikerinnen souverän genutzt wurden.

Ganz richtig ist der romantische Klang natürlich bei Ludwig van Beethovens Variationen über "Ich bin der Schneider Kakadu". Die Einleitung, die fast ein Drittel des Werkes ausmacht, interpretierte das Klaviertrio Würzburg mit schwelgerischer Schwermut, ohne dabei jedoch in einen Bombast abzugleiten, zu dem Beethoven ja gerne verführt. Totaler Gegensatz ist das simple, schelmischeThema aus der Oper "Die Schwestern von Prag" von Wenzel Müller, das Beethoven in großer Komplexität variiert. Bei der zweiten Variation spielte Katharina Cording (Violine) den Solopart mit großer Brillanz, in der dritten steht Peer-Christoph Pulc' Cello mit elegischem Klang im Mittelpunkt. Wenn ein Instrument die Hauptstimme übernimmt, treten die anderen beiden jeweils zurück. Insbesondere die Streicher erfreuten mit warmem Klang und schönem Bogenstrich.

Sergej Rachmaninows "Valse et Romance" ist eine der wenigen Originalkompositionen für sechshändiges Piano. Seltsamerweise endet der flotte, tänzerische Walzer mit einem dramatischen Finale, während die expressionistische Romanze im Pianissimo verklingt. Die drei Pianistinnen spielten das Stück in der logischeren, umgekehrten Reihenfolge, wodurch der Walzer auch ideal zu den folgenden "Slawischen Tänzen" op. 46 von Antonín Dvořák hinführte.

Der Leipziger Komponist Friedrich Valentin Hermann hat die "Slawischen Tänze" für Klavier sechshändig, Violine und Cello arrangiert. Der "Furiant" (Nr. 1, C-Dur) ist ein ziemlich wilder, rhythmisch komplexer Tanz, den die Musiker präzise, aber trotzdem mit großer Leichtigkeit interpretierten. Leider kommen die Streicher, insbesondere Cordings distinguierte Violine, bei den lauteren Passagen nicht gegen die sechs Hände am Klavier an. Bei der ruhigeren "Dumka" (Nr. 2, e-moll) ist der Klang ausgewogener, insbesondere Pulc kann mit solistischem Cellospiel glänzen.

Felix Mendelssohn-Bartholdy arrangierte selbst seine 1. Symphonie für Klavier zu vier Händen, Cello und Violine. Die Schwestern Walachowski, Katharina Cording und Pulc führten das Jugendwerk des Komponisten in dieser Fassung auf. Beim dramatischen "Molto allegro e vivace" zeigte der Cellist vollen Körpereinsatz. Beim "Andante" berückte Cording mit sehr feinem Strich und stabilem Pianissimo. Nach dem dramatischen Finale applaudierten die Zuhörer begeistert, so dass die Musiker noch zwei Zugaben spielten: Brahms' "Ungarischen Tanz" in voller Besetzung und Mozarts "Türkischen Marsch" zu sechs Händen am Flügel. Ein abwechslungs- und genussreicher, wenn auch nicht perfekter Abend.

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