23.07.2019 - 08:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Vorreiter in komplett neuer Ausbildung

Sie sind Pioniere und sie sagen „Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen“. Sarah Gösch und Maximilian M. lernen den neuen Ausbildungsberuf Kaufmann im E-Commerce. Und sie sind begeistert.

Reichlich Technik-Ausstattung für den Unterricht: Die beiden Azubis Sarah Gösch und Maximilian M (sitzend) mit ihren Lehrkräften Eva-Maria Dimler und Thomas Feyrer (stehend).

von Michaela Süß Kontakt Profil

Wer kauft schon gerne ein, wenn das Schaufenster nicht attraktiv ist, der Zugang zum Geschäft schwierig oder der Kundenservice nicht freundlich? Dann heißt es ganz schnell „Nö, da kauf‘ ich doch lieber nichts.“ Was beim stationären Handel gilt, ist auch beim Online-Shop die Herausforderung. Sogar noch viel mehr als im Laden. Denn ganz schnell ist das Browser-Fenster wieder geschlossen, wenn irgendetwas nervt. Zwei, die lernen, wie sie das effektiv verhindern können, sind die 21-jährige Sarah und der 20-jährige Maximilian. Sie gehören zu den insgesamt 32 jungen Leuten aus der gesamten Oberpfalz, die am Beruflichen Schulzentrum in Sulzbach-Rosenberg heuer im ersten Jahr das theoretische Rüstzeug im Rahmen ihrer Ausbildung zu Kaufleuten im E-Commerce mitbekommen.

Neu auch für die Lehrer

Pioniere sind auch Fachbereichsleiterin Eva-Maria Dimler und ihr Lehrer-Kollege Thomas Feyrer – denn auch für die beiden ist die Ausbildung der E-Commerce-Kaufleute Neuland. Zumindest in Teilen. Doch dazu später. Zunächst einmal berichten die beiden Azubis, wie sie überhaupt etwas von der komplett neuen Ausbildungsrichtung mitbekommen haben, die es erst seit Herbst 2018 gibt.

„Ich bin durch eine Anzeige auf das neue Berufsbild aufmerksam geworden, habe mich näher informiert und war sofort interessiert“, erzählt Sarah Gösch aus Amberg. Also raus mit der Bewerbung - „und zum Glück habe ich die Stelle bekommen“. Beim Trachtenhof Nübler lernt sie nun, wie es geht, dass hier alles rund um den Online-Shop des Unternehmens für Trachtenmode glatt läuft. Etwas anders war die Situation bei Maximilian M. Den Regensburger hat im Rahmen eines Nebenjobs sein jetziger Chef angesprochen, ob er denn gerne eine Ausbildung in seiner Firma machen würde.

„Zunächst dachten wir da an eine normale kaufmännische Lehre. Aber nachdem sich dann herausgestellt hat, dass auch die E-Commerce-Ausbildung möglich ist, sind wir natürlich das angegangen“, sagt er. Es passt auch besser - denn Motus Online ist eine Art „mobile.de“ speziell für Gabelstapler. Und auch Warenwirtschaftssoftware für Gabelstapler-Händler kommt von Maximilians Arbeitgeber.

Einen zukunftsorientierteren Beruf haben als all jene, die „nur“ Kaufmann für Büromanagement oder im Einzelhandel lernen, das wollten Sarah, Maximilian und ihre Mitschüler. Und wenn sie, weil sie von überall aus der gesamten Oberpfalz kommen, im Rahmen des Blockunterrichts nicht jeden Tag nach Hause fahren können, dann werden sie in verschiedenen Gästehäusern rund um Sulzbach-Rosenberg untergebracht, erzählen die beiden Lehrkräfte Eva-Maria Dimler und Thomas Feyrer. Letzerer erklärt auch die Struktur der Ausbildung.

Zunächst einmal müssen seine Schüler die Basics lernen, wie sie zu jeder kaufmännischen Ausbildung gehören - von Unternehmensformen und rechtlichen Rahmenbedingungen bis hin zu Grundlagen des Rechnungswesens… Dann aber wird‘s für den E-Commerce spezifischer. Es geht um den Aufbau von Onlineshops, um Startseitenaufbau oder um die Funktion von Suchmaschinen im Shop. Auch Fragen wie beispielsweise „Wie müssen unsere Produkte beschrieben sein?“, Suchmaschinenoptimierung oder Online-Marketing sind das tägliche Brot der Kaufleute im E-Commerce.

Klar, dass da auch die Arbeitsmittel stimmen müssen, sagen Schüler und Lehrer gleichermaßen. „Bei uns gibt es eine ganz andere Dimension, was den Maschineneinsatz betrifft“, erzählen sie. Schnell mal am Handy recherchieren, wie verschiedene Onlineshops eine Problematik angehen? Ja klar. „Es ist ganz einfach kompakter, als wenn man sich erst an den PC setzt“, sagt Sarah. Obwohl: Die PCs stehen natürlich ebenfalls im Klassenzimmer und die Laptops zusätzlich auf dem Tisch. Multimedia eben.

Recht kurze Vorlaufzeit

Neue Themenfelder, neue und noch unbekannte Programme beispielsweise zur Website-Analyse – klar, dass ihre Ausbildung die angehenden Kaufleute im E-Commerce immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Die aber meistern die Pioniere gerne. Ebenso wie übrigens ihre Lehrkräfte. Für die standen nämlich vor Beginn des Schuljahres trotz geringer Vorlaufzeit erst einmal Praktika auf dem Plan – beispielsweise bei Mediamarkt/Saturn oder auch bei Elasto-Form in Sulzbach-Rosenberg. Schließlich entwickelt sich das Berufsfeld rasend schnell, und am Beruflichen Schulzentrum will man up to date sein. „Aber wir haben echt einen guten Start hinbekommen“, sagt Fachbereichsleiterin Eva-Maria Dimler.

Damit der Start auch in den Ausbildungsbetrieben möglichst reibungslos vonstatten gehen konnte, hatten die Lehrkräfte noch vor Schuljahresstart im Sommer 2018 ein Treffen mit den künftigen Ausbildern aus den Unternehmen arrangiert. „Auch die IHK Regensburg ist stark engagiert, steht immer für Fragen zur Verfügung und hier an der Schule haben wir eine tolle Ausstattung inklusive EDV-Versorgung bekommen“, erzählen die Lehrer.

Kunde soll bleiben - und kaufen

Und wie läuft‘s in der Praxis? Gut läuft‘s, sind sich die beiden Azubis einig. „Bei mir sind wir rund 15 Leute im Büro – und jeder zeigt mir die praktischen Dinge, die gerade anstehen. Das geht von der Buchhaltung bis hin zum Online-Marketing“, sagt Maximilian M. Und auch Sarah Gösch stimmt ihm da zu – wenngleich sie sogar eine spezielle Ansprechpartnerin hat, an die sie sich jederzeit wenden kann. Auch ihre eigenen Ideen sollen und dürfen die Azubis gerne in der täglichen Praxis einbringen – gerade in Sachen Marketing wird das sehr gerne gesehen, erzählen sie. „Überhaupt ist Marketing wahnsinnig wichtig“, sagt Sarah. „Wie bringe ich die Leute dazu, auf unseren Shop zu gehen und wie bringe ich sie dazu, dabei zu bleiben und auch etwas zu kaufen?“

Haben Sarah, Maximilian und ihre Mitschüler erst einmal ihre dreijährige Ausbildung hinter sich, sehen sie sich bestens gerüstet für die berufliche Zukunft. „Kaufleute im E-Commerce arbeiten in einem modernen Beruf in einem absolut zukunftsträchtigen Bereich. Das Internet ist ja schließlich nicht irgend so ein Hype, der wieder verfliegen wird...“, schmunzelt Lehrer Thomas Feyrer. Der neue Ausbildungsberuf sei etwas für jede Firma, die in irgendeiner Weise einen Online-Shop habe.

Was die Möglichkeit zur Weiterbildung angeht, so können die Absolventen nach der Ausbildung beispielsweise noch einen Fachwirt-Abschluss dranhängen. Das geht sowohl in Vollzeit oder auch berufsbegleitend. Auch Studiengänge beschäftigen sich mit der Vertiefung des Themas E-Commerce. A propos Studium und Schulabschluss: Bei der Frage nach der schulischen Vorbildung der E-Commerce-Azubis zeigt sich, dass rund ein Drittel der jungen Leute Fachabitur und Abitur hat oder sogar aus einem Studium kommt. Aber auch etliche Absolventen von Wirtschaftsschulen oder Realschulen mit mittlerer Reife finden sich unter den Auszubildenden.

Und wie fällt abschließend die Bilanz nach dem ersten Jahr aus? Würden Sarah und Maxililian die Ausbildung nochmal anfangen? „Ja klar, auf jeden Fall“, sagen beide. Ein zukunftsorientierter Beruf mit super-Unterstützung auch an der Schule – was wolle man mehr? Und auch die Lehrkräfte Eva-Maria Dimler und Thomas Feyrer blicken optimistisch in die Zukunft: „Wir hoffen, dass wir im kommenden Schuljahr wieder genügend Azubis bekommen, um zwei Klassen bilden zu können – und langfristig sogar drei“, hoffen sie.

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