18.09.2018 - 12:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

WAA-Widerstand kommt ins Kino

„Wackersdorf“ im Kino: Die Vorpremiere im „LuLi“ war ein voller Erfolg, der Termin ein besonderer Glücksfall. Denn aktuell gibt es eine Parallele zum Widerstand gegen die WAA. Diesmal nicht in Bayern.

Oliver Haffner (links) und Ingo Fliess freuen sich: Ihr Wackersdorf-Film ist bei der Vorpremiere in Sulzbach-Rosenberg gut angekommen.
von Helga KammProfil

Das Aus für die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf kam 1989. Gut 30 Jahre später erreicht der Spielfilm "Wackersdorf" die Kinos. Er zeigt, wie sich eine ganze Region gegen die Atomfabrik und die Pläne der bayerischen Staatsregierung erhob.

Der Held in dem packenden Polit-Drama ist der damalige Landrat Hans Schuierer, der zunächst die WAA befürwortet, dann aber zu ihrem entschiedenen Gegner wird. An den Pranger gestellt werden ehemalige CSU-Minister, Staatssekretäre und vor allem Ministerpräsident Franz Josef Strauß, "die nicht davor zurückschrecken, Gesetze zu missachten oder in ihrem Sinn zu verändern".

Sieben Jahre haben der Produzent Ingo Fliess und der Regisseur Oliver Haffner an ihrem Wackersdorf-Film gearbeitet. Fliess, der gebürtige Sulzbach-Rosenberger, stand als 18-Jähriger vor dem Bauzaun im Taxölderner Forst, Haffner hat sich davon erzählen lassen und war fasziniert. Aber: "Das ist ein langer Weg, um den durchzustehen, muss einem die Sache schon sehr wichtig sein", begründen beide die lange Drehzeit und auch die nicht einfache Finanzierung. Zwischenzeitlich wird ihr Film von den Medien sehr positiv bewertet und erhielt den Publikumspreis von Bayern 2 und SZ beim Filmfest in München.

Von den 27 Drehtagen im Herbst vorigen Jahres im Landkreis Schwandorf und Cham erzählten Produzent und Regisseur im Lu-Li. Sie rühmten das authentische Spiel der Darsteller, insbesondere von Johannes Zeiler in der Rolle des Landrats Schuierer und von Anna Maria Sturm, deren Mutter Irene Sturm die damalige Bürgerbewegung begründete. Immer wieder aber verwiesen sie auf die eigentlichen Beweggründe zu ihrem Film: "Die Lust auf Demokratie und ziviles Engagement, das wollten wir in die Kino-Säle tragen."

Beide Filmemacher sind beeindruckt von ihrer Titelfigur Schuierer, dessen Prinzipientreue und Glaubwürdigkeit, ebenso aber von den Demonstranten. Dass verschiedene Gruppen sich zusammentun, um gemeinsame Sache zu machen, sei "ein Lehrstück der Demokratie - und diese eine unserer größten Errungenschaften".

Dass "Wackersdorf" auch heute noch viel Stoff zum Nachdenken und zur politischen Diskussion liefert, zeigte sich bei der lebhaften Gesprächsrunde am Ende des Films. Viele Arme gingen hoch, als Andrea Hailer, Moderatorin und Kino-Tour-Begleiterin, fragte: "Wer von Ihnen war damals am Bauzaun?" Es gab begeisterte Kritik über den Film, aber auch Wortmeldungen, die von Wut sprachen über damalige und heutige Zustände, und den Eindruck, "dass sich diese Partei nicht gewandelt hat". Die CSU habe die Geschehnisse von damals verdrängt, vermutet Haffner, und Fliess würde sich einen öffentlichen Preis für den Wackersdorf-Film wünschen, "wo man mal darüber etwas sagen kann".

Angesichts der aktuellen politischen Lage plädierten Film-Besucher dafür, "die Dinge selber in die Hand zu nehmen und sich nicht auf die Politik zu verlassen". Und spätestens da kam der Flyer ins Spiel, der am Kino-Eingang verteilt und von den Besuchern zustimmend angenommen wurde: Zu "Hambacher Forst verteidigen" rufen darin Widerstandsgruppen auf, sehen "Parallelen zum Kampf in Wackersdorf" und wenden sich gegen die Pläne von RWE, im Ruhrgebiet Wälder für den Braunkohleabbau zu roden.

Die Lust auf Demokratie und ziviles Engagement, das wollten wir in die Kino-Säle tragen.

Ingo Fliess und Oliver Haffner

Großes Besucher-Interesse findet der Wackersdorf-Film im Lu-Li-Kinocenter in Sulzbach-Rosenberg

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