05.11.2019 - 16:57 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Wählergruppe warnt: Bei Storg-Plänen nicht gleich zustimmen

Brauchen wir zusätzliche 140 Hotelbetten in Sulzbach-Rosenberg? Die Wählergruppe Suro2030 hat sich in ihrer Versammlung zum Storg-Gebäude ausführlich Gedanken gemacht. Sie sieht in dem Objekt viele andere Nutzungs-Chancen schlummern.

So präsentiert sich das Storg-Gebäude aktuell: Die neuesten Planungen eines Investors sehen eine Nutzung hauptsächlich als Hotel vor.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Natürlich sei es zunächst erfreulich, dass nach dem Rückzug der Solgarden GmbH nun ein neuer Investor Interesse an der Storg-Immobilie zeige, die schon so lange das Stadtbild in negativer Weise präge, meinte Uli Lommer von der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft-Tourismus-Gastronomie bei der Arbeitssitzung von Suro2030 laut Pressemitteilung. Es solle jedoch die Freude darüber, dass mit der Rinkenburger Objektbau ein Unternehmen mit einschlägigen Erfahrungen Pläne vorlege, nicht davon abhalten, dieses Vorhaben auch kritisch zu hinterfragen.

Gefahr Überkapazität

Zu deutlich mahne in unmittelbarer Nachbarschaft die Problem-Immobilie Liliencenter, nicht erneut vor lauter Begeisterung einem Projekt zuzustimmen, das dann vor allem durch Überkapazitäten Schlagzeilen mache. Es gelte genau zu prüfen, ob ein zusätzliches Angebot von 120 bis 140 Hotelbetten auch Nachfrager finden werde, so Lommer. Im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (Isek) für die Altstadt von 2015 jedenfalls werde die Auslastung der bisherigen Hotelkapazitäten mit eher bescheidenen 35 Prozent für 2003 bis 2013 angegeben, erinnerte Dieter Pirner.

Die Firma Rinkenburger will den Leerstand wiederbeleben

Sulzbach-Rosenberg

"Es müsste schon ein regelrechter Tourismusboom über die Stadt hereinbrechen, damit das Bettenangebot nicht überdimensioniert ist oder bestehenden Beherbergungsbetrieben nicht das Wasser abgräbt." Auf jeden Fall sollte den Plänen eine ehrliche, fundierte Bedarfsanalyse unter Einbeziehung der Bevölkerung und der Wirtschaft vorausgehen. Möglicherweise, so Pirner weiter, gelange man dabei zu der Erkenntnis, was die Stadt dringend brauche.

"Monster" mit Potenzial

Noch einige weitere Nutzungsideen kamen aus der Runde: Archiv- und Lagerflächen für Museen sowie Ausweichflächen im dritten Obergeschoss des Storg-Gebäudes während des Umbaus am Seidel-Saal-Ensemble. Stellplätze im Untergeschoss böten bei der Altstadt-Parksituation positive Aspekte.

Alles in allem, fasste Martin Kunert zusammen, biete das "schlafende Monster" vielleicht doch mehr Potenzial als gedacht. Sollten sich die Pläne des Investors trotz positiver Prognosen doch nicht realisieren lassen (was sich wegen des geplanten Baubeginns Mitte 2020 in den nächsten drei Monaten herausstelle), müsse die Stadt ihr Rückkaufrecht nutzen und dieses "Schlüsselprojekt" für die Stadtentwicklung völlig neu überdenken.

Info:

Alternative Nutzungen

Einige Mitglieder der Wählergruppe skizzierten bei der Versammlung die alternativen Nutzungsmöglichkeiten, ausgehend vom Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (Isek).

Kindergarten/Kindertagesstätte Hierfür wurde bereits eine Flächennutzungsplanänderung am ehemaligen TV-Sportplatz in Auftrag gegeben, meinte Paul Wolf. Aus Sicht der Wählergruppe würde sich das alte Storg-Gebäude hervorragend eignen: zentrale Lage im Anschluss an Frei- und Grünflächen und weitgehend ungenutzte Parkmöglichkeiten im Liliencenter.

Wohnungen für einkommensschwache Haushalte

Auch hier betreibe die Stadt bereits konkrete Planungen für Neubau von sechs bis acht Wohnungen. Hier würde sich ebenfalls die Storg-Immobilie mit einer Fläche von etwa 850 Quadratmetern im ersten Obergeschoss anbieten, mit Verkehrs- und Erschließungsflächen könnten hier ca. zehn Wohnungen mit unterschiedlichen Größen entstehen, regte Roland Falk an.

Tagespflege für Senioren bzw. betreutes Wohnen

Die Bevölkerung der über 60-Jährigen steige bis 2030 um bis zu 25 Prozent, zitierte Ralf Volkert aus dem Isek. Das Storg-Gebäude verfügt über einen Aufzugsschacht, somit wäre eine „barrierefreie Erschließung“ möglich. Positiver Nebeneffekt wäre die räumliche Nähe von Kindern und älteren Menschen, ergänzte Cynthia Stephan.

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