ONETZ: Herr Bürgermeister, das Jahr 2025 ist zwei Wochen alt. Haben Sie schon einen Neujahrsvorsatz gebrochen?
Stefan Frank: Es gibt eigentlich nicht wirklich einen Neujahrsvorsatz. Von dem her kann ich ihn auch nicht brechen (lacht).
ONETZ: Welche Bilanz ziehen Sie selbst über Ihre bisherige Arbeit als Stadtoberhaupt? Sind Sie mit sich zufrieden oder sehen Sie noch Luft nach oben?
Also Luft nach oben ist mit Sicherheit noch da. Das erste Jahr war ein Lehrjahr für mich. Ich musste überhaupt erstmal Kontakte knüpfen, schauen, wer wofür zuständig ist. Aber ich bin zum großen Teil zufrieden mit meiner Bilanz. Zwei, drei Sachen würde ich vielleicht jetzt anders machen, da war ich nicht tief genug informiert ...
ONETZ: Welche waren das denn?
Ach, da ging es zum Beispiel um ein Bürgeranliegen. Das hörte sich auf den ersten Blick recht leicht an, war dann aber doch schwer umzusetzen. Man muss einfach sagen, dass es in der Stadt viele komplexe Vorgänge gibt. Das musste ich auch erst lernen – die zeitlichen Erwartungen muss man auf einen anderen Horizont schieben. Manche Sachen gehen einfach nicht so schnell.
ONETZ: Was waren schwere Momente und große Herausforderungen für Sie?
Beispielsweise die Meldung, dass das Rohrwerk Konkurs angemeldet hat. Genauso wie vor kurzem der Amberger Werkzeugbau. Immerhin ein Betrieb mit 100 Mitarbeitern. Das sind alteingesessene Unternehmen, da kommt man schon ins Grübeln. Wenn solche Firmen auch ins Straucheln geraten, überlegt man, wie es wirtschaftspolitisch bei uns im Land und der Stadt eigentlich aussieht.
ONETZ: Sie haben im Wahlkampf die Entwicklung des Maxhütten-Areals zur Chefsache erklärt. Viel gehört hat man nicht mehr – welche Fortschritte gibt es?
Die große Politik hält sich bedeckt und gibt erst dann was preis, wenn es endgültig entschieden ist. Ich habe aber mit allen gesprochen, dem Eigentümer, dem Finanzminister, meiner Verwaltung, Landtagsabgeordnetem Schwartz. Ich habe mich als Vermittler angeboten, ich will eine zeitnahe Lösung.
ONETZ: Wenn der Bürger von außen auf das Gelände schaut, ist nichts passiert. Trügt der Eindruck, tut sich zumindest hinter den Kulissen was?
Hinter den Kulissen hat sich einiges bewegt, aber das sieht man natürlich noch nicht. Das ist, was ich vorhin schon sagte. Man muss die zeitlichen Erwartungen etwas herabschrauben. Da ist ein Jahr schnell vergangen. Aber ich habe das Thema im Wahlkampf nicht unterschätzt.
ONETZ: Wurden Sie in München gehört?
Ich denke, dass das angekommen ist. Aber man kann nicht erwarten, dass jetzt innerhalb von einem Jahr alle Probleme gelöst sind. Ich habe gegenüber Freistaat und Eigentümer klar gemacht, wie wichtig das Gelände für die Stadt ist und dass eine Lösung her muss. Die Fläche kann ja derzeit wegen den Altlasten nicht erschlossen werden. Ich glaube, in der ganzen Oberpfalz gibt es kein Gebiet dieser Größe, wo sich so schnell Firmen ansiedeln könnten, ohne, dass wir auf massive Proteste stoßen würden, weil irgendwo gerodet werden muss. Solche Rodungen möchte ich tunlichst vermeiden. Wir haben in der Stadt aber eigentlich keine Flächenreserven mehr, um großartig Industrie oder Gewerbe anzusiedeln. Deshalb ist es für mich immens wichtig, dass das Maxhütten-Gebiet so schnell wie möglich erschlossen wird. Das würde den Wirtschaftsstandort Sulzbach-Rosenberg stärken. Denn wir haben sehr niedrige Gewerbesteuereinnahmen für eine Stadt unserer Größe. Deshalb müssen wir da anpacken.
ONETZ: Am 8. März 2026 ist bayerische Kommunalwahl. Was ist mit Ihrem Wahlkampf-Versprechen, das mit der Bürgermeisterwahl zusammenzulegen? Denn eigentlich sind Sie für sechs Jahre gewählt, also bis 2030.
Ich habe die Verwaltung damit beauftragt, das so vorzubereiten, dass wir das Thema im März oder April im Stadtrat behandeln können. Mit einfachen Worten erklärt: Es müsste eine Art Rücktritt von mir erfolgen. Dann muss ich mich neu als Kandidat aufstellen lassen. Ich halte weiter daran fest, das so zu machen. Denn wirtschaftlich gesehen ist die Zusammenlegung das einzig Sinnige, allein, um die unnötigen Kosten durch die Doppelwahl auszuräumen. Ich brauche aber für diesen Weg die Zustimmung des Stadtrates.
ONETZ: Wenn Sie sich im März 2026 erneut zur Wahl stellen: Heißt das, es beginnt für Sie bald schon wieder der Wahlkampf?
Naja, eigentlich ist ein Bürgermeister ja immer im Wahlkampf. Ich versuche ständig, meine Arbeit gut zu machen, mich für den Bürger einzusetzen und nicht nur im Wahlkampf. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, da schaut man nicht auch ein wenig drauf. Aber ich werde meinen Stil nicht großartig ändern, bloß, weil bald Wahlkampf ist.
ONETZ: Heißt das also, Ihre Absicht, wieder anzutreten, steht fest? Oder liebäugeln Sie doch mit einer Rückkehr in ihre Firma Suso, wo sie vor ihrer Wahl ja noch als Nachfolger gehandelt wurden?
Ich befürchte jetzt mal, dass ich mich mit der Arbeit angefreundet habe (schmunzelt) und mir durchaus vorstellen kann, hier weiterzumachen. (Kurze Pause) Wenn es die Bürger eben auch wollen.
ONETZ: Und wie schätzen Sie ihre Chancen auf Wiederwahl nach nur zwei Jahren im Amt ein?
Ich weiß ja nicht mal, ob ich einen Gegenkandidaten bekomme. Also schwer zu sagen. Ich denke, ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen. Aber in der heutigen Zeit sollte sich kein Politiker zu sicher sein.
ONETZ: Wo wollen Sie der Stadtpolitik im Jahr 2025 einen Stempel aufdrücken und Schwerpunkte setzen?
Wir haben den Haushalt für 2024 mit Ach und Krach zusammenbekommen. Derzeit sind wir dabei, den neuen Haushalt aufzustellen, das wird wieder ein Kraftakt. Am 7. Februar machen wir eine große Klausur mit dem Stadtrat, um gemeinsam zu entscheiden, welche Projekte gehen wir an. Wünsche sind genügend da, bloß die Umsetzung wird interessant. Ich habe selbst kaum Spielräume. Wir haben ungefähr 55 Millionen Euro Schulden und wir kommen bei der momentanen Lage nicht darum herum, neue Schulden aufzunehmen.
ONETZ: Was sind die wichtigsten anstehenden Projekte?
Die offene Ganztagsbetreuung an Jahn- und Pestalozzischule. Dafür brauchen wir neue Anbauten. Und wir haben zu wenig Plätze bei der Kinderbetreuung. Das Schlössl ist dafür angepachtet, aber der Eigentümer will es verkaufen, es steht uns bald nicht mehr zur Verfügung. Ein Kindergarten-Neubau wird also nötig. Es ist zwar noch nicht offiziell, aber die Spatzen pfeifen es ja schon von den Dächern, dass er hinter die Krötenseeschule hinkommen soll. Wir haben derzeit teure Pflichtaufgaben und müssen versuchen, die Infrastruktur zu stärken: Der Kanalisationsanschluss von Breitenbrunn, die Ertüchtigung der Maintenon-Brücke, das muss bald gemacht werden. Da bleibt nicht mehr viel übrig für andere Investitionen.

























Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.