02.04.2020 - 17:03 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Waldschutz in der Wagensaß: Borkenkäfer geht, Frosch kommt

Dem Forstbetrieb Schnaittenbach pressiert's in der Unteren Wagensaß. Zur Eile wird er quasi vom Borkenkäfer angehalten. Befallene Fichten müssen jetzt weichen. Vom Förster wird wegen der vorkommenden Amphibien behutsames Vorgehen verlangt.

Dieser Teich östlich der B 85 gegenüber der BePo hat über die Jahre an Attraktivität für die Amphibien verloren. Die Staatsforsten wollen das jetzt wieder ändern.
von Andreas Royer Kontakt Profil

"In den nächsten Tagen werden im Staatswald östlich der B 85 - gegenüber Bereitschaftspolizei - aus Gründen des Waldschutzes Bäume gefällt. Der Forstbetrieb Schnaittenbach wird hier vor allem Fichten entfernen", sagt dessen Leiter Philipp Bahnmüller beim Pressegespräch.

Notwendig werde dort die Maßnahme, weil der Standort für die Fichte nicht besonders geeignet sei. Dies liege an dem dort immer wieder vorkommenden Wasserrückstau, der dazu führe, dass die Wurzeln häufig unter Wasser stünden. Und Fichten mögen keine "nassen Füße", erklärt der Fachmann.

"Der Eingriff muss jetzt erfolgen, bevor es wärmer wird, da die meisten Fichten in diesem Waldstück von Borkenkäfern befallen sind. Bei steigenden Temperaturen beginnt nämlich die Schwärmphase des Borkenkäfers. Das bedeutet, dass er sich auf den Weg macht, um sich in angrenzenden Fichten einzunisten. Er bohrt sich dafür in die Stämme der Bäume ein und bringt diese damit zum Absterben."

Rücksicht nehmen

Dies möchte Julian Sauter, der für den Staatswald in der Wagensaß zuständige Förster, aber unbedingt verhindern: "Mit dem Einschlag der befallenen Fichten wollen wir eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers verhindern. Die Maßnahme dient ausschließlich dem Waldschutz und der Walderhaltung." Mit dem Bau eines Verkehrsübungsplatzes habe diese Maßnahme nichts zu tun, betont der Förster weiter.

Wie Philipp Bahnmüller weiter erklärt, werde die Fällung zum richtigen Zeitpunkt für den Waldschutz, aber leider zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt für die Amphibien umgesetzt. Frösche und Kröten seien nämlich gerade auf Wanderschaft - auch zu einem dort angelegten Teich. Parallel zur B 85 wurde daher ein Rückhaltezaun errichtet, an dem die wandernden Kröten abgesammelt werden. Auch bei der anstehenden Holzernte werde darauf aber besonders Rücksicht genommen, weshalb keine größeren Schäden zu befürchten seien.

In diesem südöstlich des Krötensee-Schulzentrums gelegenen Fichtenbestand soll dem Borkenkäfer mit Fällungen begegnet werden.

"Langfristig profitieren Frösche, Kröten und Molche sogar von der Entnahme der Bäume, denn die dicht am Rand des Teichs stehenden Fichten beschatten ihn stark, was dazu führt, dass sich bis ins Frühjahr hinein eine Eisschicht halten kann. Zudem fallen viele Pflanzenteile ins Wasser und bilden ein dicke Faulschlammschicht am Boden", erklärt der Betriebsleiter.

Das habe laut Peter Zahn von der Kreisgruppe Amberg-Sulzbach des Bundes Naturschutz dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren dort kein Laich oder Kaulquappen beobachtet werden konnten und auch am Zaun sei die Zahl der eingesammelten Kröten laufend zurückgegangen. Zuletzt seien es 22 Tiere pro Sammelsaison gewesen, was darauf schließen lasse, dass in diesem Waldstück nicht sehr viele Amphibien überwintern würden.

Besser für Amphibien

"Die Chance, dass sich das in Zukunft wieder ändert, ist aber groß. Da der Bestand um das Teichumfeld aufgelockert wird und später im Jahr die Beseitigung des Bodenschlamms vorgesehen ist, verbessert sich mittelfristig auch die Lebenssituation für die Amphibien", sieht der Forstmann klare Vorteile.

Die Kreisgruppe Amberg-Sulzbach des BN, welche die Amphibienzäune betreue, akzeptiere und unterstütze daher ausdrücklich den Eingriff zu diesem Zeitpunkt. Auch die Untere Naturschutzbehörde sei informiert worden und habe gegen die Maßnahme keine Einwendungen erhoben.

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