Sulzbach-Rosenberg
02.09.2018 - 15:30 Uhr

Weltladen: Hilfe für die Ärmsten

Es ist ein kleiner Laden in einer kleinen Stadt, aber darin ist die Welt vertreten: Seit 34 Jahren verkaufen Frauen im Sulzbach-Rosenberger Weltladen Waren, die Menschen in Entwicklungsländern herstellen.

Seit 21 Jahren ist Johanna Sand als
Leiterin Herz und Motor des Weltladens in Sulzbach-Rosenberg. Bild: hka
Seit 21 Jahren ist Johanna Sand als Leiterin Herz und Motor des Weltladens in Sulzbach-Rosenberg.

(hka) Donnerstagmorgen. Kurz vor zehn Uhr sperrt Christa Wagner die Ladentür auf. Sie hat Dienst heute Vormittag im Weltladen. Wenig später treffen ihre Kolleginnen Heidi Söhnlein und Karin Übler ein. Viel Arbeit wartet heute auf sie, denn es kommt eine neue Lieferung. Die drei Damen gehören dem Verkaufsteam im Weltladen an: 35 Frauen, die meisten im Ruhestand, stellen sich damit für eine soziale Aufgabe zur Verfügung. "Verdient wird bei uns nichts, wir alle arbeiten hier ehrenamtlich, viele schon seit mehr als zehn, zwanzig Jahren", betonen sie. Das denkmalgeschützte Haus am Luitpoldplatz 6 hat eine lange Geschichte. Einst war hier die Hof-Apotheke, die die Sulzbach-Rosenberger Bürger beim Gesundwerden unterstützte. 1994 wurde sie geschlossen. Für die Besitzer Lothar und Maria Lommer war es wichtig, so sagten sie, einen Beitrag zur Entwicklungshilfe zu leisten, sie stellten die Räume für den fairen Handel zur Verfügung. Ein Geschäft wurde eingerichtet, hieß anfangs Dritte-Welt-Laden, dann Eine-Welt-Laden und ist heute ganz einfach der Weltladen. Alles, was darin verkauft wird, kommt Erzeugern und Projekten in Entwicklungsländern zugute.

Mit fast 80 noch vorne dran

Kurz nach halb elf rührt sich was im Laden. Eine Gruppe Radfahrer aus Mittelfranken macht Pause in der Stadt und kauft Plätzchen und Saft. "So etwas gibt es bei uns auch", erzählen sie. "Ja, und mittlerweile über neunhundert in ganz Deutschland", antwortet Johanna Sand. Die ehemalige Lehrerin an der damaligen Berufsfachschule für Hauswirtschaft- und Kinderpflege ist Motor und Seele des Weltladens. In der Nachfolge des evangelischen Pfarrers Günter Dechant hat sie 1997 die Verantwortung übernommen. Auch heute noch, mit fast achtzig Jahren, hat sie alles im Griff. Der gute Zweck, für den sie und ihre Kolleginnen arbeiten, ist die Hilfe für Menschen aus ärmsten, unterdrückten Schichten in Entwicklungsländern. Die Wege dazu sind vielfältig: Kleinproduzenten werden unterstützt bei der Herstellung umweltverträglicher Produkte, die möglichst im Herkunftsland verarbeitet werden. Es geht ums Überleben ohne fremde Hilfe, um gerechte Bezahlung, Verwendung nachwachsender Rohstoffe, Abnahmegarantien und bezahlbare Kleinkredite an Kooperativen. "Der Kauf fair gehandelter Produkte trägt, wenn auch in geringem Ausmaß, dazu bei, dass Menschen in der Dritten Welt konkret geholfen werden kann".

Es geht auf die Mittagszeit zu. Christa Wagner, Helga Bogner und Erika Aulinger arbeiten an einer Warenliste für den Verkaufsstand des Weltladens. Bei Festen und Märkten im Umland bieten Kommissionsgruppen den Besuchern das Sortiment an. "Wir arbeiten ökumenisch. Frauenbund Rosenberg, katholische Pfarrei Königstein, evangelische Pfarrei Fürnried und viele andere unterstützen uns", erklärt Sand.

Bananen als Erfolgsrezept

Eine weitere überaus erfolgreiche Aktion ist der Verkauf von fair gehandelten Bio-Bananen aus Ecuador. 450 Kilo Bananen werden alle zwei Wochen angeliefert, von Irmgard Reisima-Renner portioniert und in Sulzbach-Rosenberg, Poppenricht und Gebenbach verkauft. In Hahnbach werden die Früchte außerdem seit vielen Jahren vom Team um Margarete und Josef Hirsch den Kunden ins Haus gebracht. Ebenfalls ein Erfolgsrezept ist der Stand bei der Frohnberg-Festwoche, an dem vor allem das Ehepaar Hirsch sowie Hannelore Schuster die Waren aus der Dritten Welt anbieten. Zwei weitere von vielen segensreichen Helfern nennt Johanna Sand: Angelika Anton vom Hofladen Hahnbach und die Metzgerei Kohl aus Frechetsfeld. "Sie verkaufen unsere Waren unentgeltlich, helfen uns ohne eigenen Gewinn."

Es ist kurz vor zwölf, da kommt Markus Lommer ins Geschäftt gestürmt. Er unterstützt ganz im Sinne seiner Eltern den Weltladen, wo immer er kann. Als Pädagoge und Stadtheimatpfleger ist er für zahlreiche Veranstaltungen zuständig. "Wenn dabei bewirtet wird, kauft er die Getränke oder Plätzchen bei uns", wird ihm Lob und Dank gezollt. Die Generalsanierung des Geschäfts vor vier Jahren ging auf seine Rechnung, "und", so Sand, "auch bei der Miete kommt er uns entgegen". Um 12.15 Uhr schließt Heidi Söhnlein die Ladentür, für sie und ihre Kollegin Karin Übler ist der heutige Dienst beendet. In den Regalen sind einige Lücken: Kaffee aus Kolumbien wurde verkauft, indischer Tee, Olivenöl aus Palästina, Schmuck aus Nepal und Wein aus Chile.

Alles wird gespendet

"Natürlich ist nicht immer alles lieferbar", bittet die Chefin um Verständnis. "Unsere Stammkunden wissen das, wir sind halt kein Versandladen". Wichtig ist ihr der Hinweis, dass jeder eingenommene Cent ans Fairhandelszentrum überwiesen wird. Selbst der Inhalt der hölzernen Spenden-Eule am Ladentisch wird für Frauen- und Bildungsprojekte etwa in Indien gegeben.

Mittagspause. Für Johanna Sand geht ihr Einsatz am Nachmittag weiter. Eine Schulklasse hat sich angemeldet zur Führung. Gute Gelegenheit für die engagierte Pädagogin, die Ursachen der Armut in den Entwicklungsländern anzusprechen und für den Kauf fair gehandelter Waren zu werben, "weil damit - wenn auch in kleinen Schritten - die Welt ein wenig besser gemacht werden kann".

Theresia Demleitner aus Hahnbach (links) will Honig kaufen und wird von Heidi Söhnlein beraten. Bild: hka
Theresia Demleitner aus Hahnbach (links) will Honig kaufen und wird von Heidi Söhnlein beraten.
Die Außenansicht des Ladens im Haus Luitpoldplatz 6. Bild: hka
Die Außenansicht des Ladens im Haus Luitpoldplatz 6.
Im Sortiment des Weltladens ist die Dritte Welt vertreten. Nicht nur Eß- und Trinkbares wird angeboten, sondern auch Schmuck und Spielzeug. Bild: hka
Im Sortiment des Weltladens ist die Dritte Welt vertreten. Nicht nur Eß- und Trinkbares wird angeboten, sondern auch Schmuck und Spielzeug.
Hannelore Schuster gehört zu dem Team, das beim Frohnberg-Fest am Stand des Weltladens berät und verkauft. Bild: hka
Hannelore Schuster gehört zu dem Team, das beim Frohnberg-Fest am Stand des Weltladens berät und verkauft.
 
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