12.05.2020 - 10:53 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Wirten keinen Bärendienst erweisen

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Neues aus der Serie "Virus und wir": Corona verfolgt uns demnächst bis in den Biergarten. Kollege Andreas Royer schreibt über trügerische Ansichten von Wirtshaus-Besuchern.

Mit welcher Kopfzahl und Distanz sich die Gäste ab Montag wieder im Biergarten zusammensetzen dürfen, ist für viele Wirte sicher eine Herausforderung.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Nur die Wenigsten kennen sich aus, wie man mit der Krise umgehen muss. Und dennoch grassiert in diesen Zeiten nicht nur das Virus, sondern vor allem auch die Besserwisserei. Und was es da alles für gute Ratschläge gibt: Die Palette reicht von "Quarantäne für die Hauskatze" über "Wer viel im Wald spazieren geht, kann auf Mundschutz in Geschäften verzichten" bis hin zu "Ach was, bis nach Sulzbach-Rosenberg kommt das Virus gar nicht". Alles überzeugt vorgetragene Ansichten, kein Schabernack!

Derweil solcher Unsinn abgesondert wird, nimmt das Leiden in anderen Bereichen weiter zu. Handel und Geschäfte, die sieben Wochen lang unfreiwilliges Siechtum durchleben mussten, dürfen sich unter Auflagen endlich wieder etwas aufrappeln. Doch die Verluste bleiben, nichts wird diese Delle schnell ausbeulen. Wer ohne Rücklagen dasteht, wird um staatliche Hilfe bitten müssen. Wie lange man so die Branche vitalisieren kann, bleibt ungewiss.

Auch im Hotel- und Gastgewerbe werden die Hilferufe immer lauter. Von Umsätzen, die um mehr als 80 Prozent eingebrochen sind, ist zu hören. Viele Betriebe kämpfen um ihre Existenz. Der vielgepriesene Außerhaus-Service würde mehr die Stammgäste pflegen, als die laufenden Fixkosten decken, heißt es. Hier kann also nur die Öffnung etwas bewirken, um die Gastronomie endlich wieder vom Tropf zu bekommen. Wirte und Kneipiers zerbrechen sich schon fortwährend die Köpfe, wie sie den Wünschen der längst in den Startlöchern stehenden Kundschaft gerecht werden können. Vorräte gebe es mehr als genug - zügiger Konsum sei angeraten.

Doch auch hier mahnen Insider vorerst noch zur Vorsicht, denn die ersten Wirtshausbesucher sollten sich nicht von der trügerischen Ansicht leiten lassen, die geplättete Gastro-Branche alleine wieder aufrichten zu müssen. Gerade dort muss neben den Hygiene- und Abstandsregeln auch Platz für Vernunft bleiben, um den Brauern und Wirten aus Selbstüberschätzung keinen Bärendienst zu erweisen.

Redakteurin Kristina Sandig träumt von einer Tour zu den Berggorillas - allerdings nur mit Mundschutz.

Amberg
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