Sulzbach-Rosenberg
18.09.2026 - 09:44 Uhr

Wochen gegen Antisemitismus in Sulzbach-Rosenberg und Amberg: Erinnern, gedenken, aufklären

Zum vierten Mal gibt es in Sulzbach-Rosenberg die Wochen gegen Antisemitismus, zum zweiten Mal in Amberg. Organisator Stefan Dietl ist sicher, dass diese Reihe niemals notwendiger war als aktuell.

Besser geworden ist es mit dem Antisemitismus definitiv nicht, seit Stefan Dietl und sein Team aus der Sulzbach-Rosenberger Zivilgesellschaft 2023 dort zum ersten Mal die Wochen gegen Antisemitismus veranstaltet haben. Auch nach der Freilassung der Geiseln und dem Ende des Krieges in Gaza im Oktober 2025 haben Drohungen und Anfeindungen gegen Juden eher noch zugenommen. Auf der ganzen Welt, aber auch in Bayern und der Oberpfalz. Hinzu kommen aktuell die Wahlergebnisse in Sachen-Anhalt, die mehr oder weniger offen juden- und israelfeindliche Parteien extreme Zugewinne brachten.

Und trotzdem oder gerade darum machen Stefan Dietl und seine Mitstreiter weiter. Auch in diesem Jahr wird es in Sulzbach-Rosenberg und in Amberg die Aktionswochen geben, die erneut Teil der bundesweiten Initiative sind, die sich um Aufklärung und Information über Juden- und Israelhass bemüht. Vom 9. Oktober bis 9. November wird es in Sulzbach-Rosenberg und auch in Amberg in verschiedenen Formaten immer wieder um das gehen, was Stefan Dietl eine gefährliche Brückenideologie nennt.

Antisemitismus sei eben oft der gemeinsame Nenner, auf den Extremisten aus den verschiedenen Lagern und Milieus sich einigen können. Beim Hass auf Juden und Israel kommen Islamisten, Nazis und auch manche Linksextreme schnell zusammen. „Wenn AfD und BSW sich in Sachsen-Anhalt annähern und über eine Koalition sprechen, dann ist der Antisemitismus eines der verbindenden Elemente“, sagt Dietl. Wobei es sicher falsch wäre, das Bündnis Sahra Wagenknecht in irgendeiner Art als links zu bezeichnen, wie Dietl direkt hinterherschiebt.

Rensmann und RIAS

Neben Kultur, Aufklärung, Erinnerung und Gedenken bieten die Wochen gegen Antisemitismus auch solche Hintergründe und Erklärungen ideologischer Zusammenhänge. Nicht umsonst muss Dietl nicht lange bei der Frage überlegen, welchen der verschiedenen Termine er besonders empfehlen würde: den Vortrag von Professor Lars Rensmann. Nicht, weil der Politikwissenschaftler und Antisemitismusforscher „besser“ oder interessanter wäre als andere Referenten. Wohl aber, weil Rensmanns Thema, der Antisemitismus in der AfD, aus bekannten Gründen derzeit besonders relevant und aktuell sei.

Beim Amberger Programm freut sich Dietl besonders auf das Podiumsgespräch mit Annette Seidel-Arpacı von RIAS Bayern. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus dokumentiert antisemitische Straftaten und Vorfälle in Bayern. Bei dem Termin mit der Leiterin der Einrichtung wird es auch und gerade um Antisemitismus in der Oberpfalz und ganz Nordostbayern gehen. „Antisemitismus: Viele meinen, dass es so etwas nur irgendwo anders gibt“, sagt Dietl. Dabei ist das nicht so, Antisemitismus, Judenhass gebe es auch „bei uns in der Region“, das werde dieser Abend zeigen.

Keine Werbung nötig

Ein weiteres Highlight spricht Dietl im Gespräch mit Oberpfalz-Medien von selbst gar nicht an: Weil der Abend mit dem aus verschiedenen TV-Formaten bekannten Christian Springer „bestimmt auch ohne meine Werbung sehr gut besucht sein wird“, lautet Dietls Begründung. Der Kabarettist Springer setzt sich seit Jahren in Deutschland gegen Antisemitismus und im Nahen Osten für Verständigung und Ausgleich ein.

Und das macht er nicht nur, weil es gut in der Vita klingt. Springer spricht arabisch und hebräisch, kennt die Lage auf beiden Seiten aus eigener Anschauung. Und „er zieht auch Menschen an, die sich eher keinen akademischen Vortrag anschauen würden“, sagt Stefan Dietl. Ihm sei es wichtig, auch für diese Menschen ein gutes Angebot bei den Aktionswochen in Sulzbach-Rosenberg und Amberg zu machen.

Programm in Sulzbach-Rosenberg

  • Mi., 09.10., 19 Uhr | Capitol „Sisi in Gaza“: Buchvorstellung mit Christian Springer über Klischees und Hintergründe des Nahostkonflikts. (20 Euro)
  • Sa., 12.10., 19 Uhr | Ehem. Synagoge „Sulzbachs jüdische Jahrhunderte“: Führung zur jüdischen Geschichte mit Dr. Markus Lommer.
  • Fr., 18.10., 14 Uhr | Jüdischer Friedhof (Parkplatz Sportpark) Führung Jüdischer Friedhof: Mit Johannes Hartmann zu Bestattungskultur und Geschichte. (Anmeldung VHS)
  • Di., 22.10., 19 Uhr | Literaturarchiv „Brief an die Mutter“: Lesung aus den Memoiren der Theresienstadt-Überlebenden Bela Winkens (mit K. Listau und J. Sundermeier).
  • Mi., 23.10., ab 18 Uhr | JUZ Hängematte Rechter Lifestyle und Konzert: Workshop zu rechten Codes (18 Uhr) und Konzert gegen Antisemitismus (20 Uhr) mit Basti Drumm.
  • Di., 29.10., 19 Uhr | Ehem. Synagoge „Antisemitismus in der AfD“: Vortrag von Prof. Dr. Lars Rensmann zu extrem rechten Verschwörungsmythen.
  • Sa., 09.11., 19 Uhr | Ehem. Synagoge Gedenken Novemberpogrome: Gedenkfeier von Stadt und SPD-Ortsverein.

Programm in Amberg

  • So., 13.10., 19 Uhr | Ring Theater „A letter to David“: Doku von Tom Shoval über eine am 07.10.2023 entführte Hamas-Geisel. (Anmeldung: anmeldung[at]ikg-amberg[dot]de)
  • So., 27.10., 19 Uhr | Jüdische Gemeinde „Antisemitismus in der Oberpfalz“: Podiumsgespräch mit Dr. Annette Seidel-Arpaci (RIAS Bayern). (Anmeldung: anmeldung[at]ikg-amberg[dot]de)
  • Sa., 09.11., 11 Uhr | Marktplatz Biografien im öffentlichen Raum: Schüler-Aktion zu NS-Schicksalen.
  • Sa., 09.11., 19 Uhr | Jüdische Gemeinde Gedenken Novemberpogrome: Gedenkveranstaltung der Israelitischen Kultusgemeinde.
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