07.04.2020 - 16:50 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Das Ziel: Vom Stahlwerk zur Vielfalt

Sie haben jetzt eine Menge Impulse für ihre Vorstellungen zur Revitalisierung des Maxhüttenareals in Rosenberg: Eine Arbeitsgruppe von SURO2030 nimmt sich das alte AEG-Gelände in Nürnberg zum Vorbild.

„Auf AEG“ in Nürnberg ist man einen neuen Weg gegangen und sehr erfolgreich: Das könnte sich auch in Sulzbach-Rosenberg machen lassen, meint die Arbeitsgruppe von SURO2030.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Bertram Schultze, Geschäftsführer und Projektentwickler der MIB Coulored Fields GmbH, informierte bei einer Konferenz die Arbeitsgruppe Wirtschaft, Tourismus und Gastronomie von SURO2030 über das einstige Werksgelände der AEG in Nürnberg, auf dem nach dem Aus der AEG im März 2007 eine Industriebrache entstand. Ziel war für die Gruppe, sich Impulse für die eigene Arbeit zu holen.

Gutachter statt Wettbewerb

Schultze erklärte die Struktur des Geländes und die Entstehung eines nachhaltigen Umfeldes über die seit 2007 verlaufene Erfolgsgeschichte. In der Diskussion ging er auf die Projizierung der Erkenntnisse auf andere Projekte ein. Auf die Frage von Martin Kunert zu einer strategisch passenden Herangehensweise an ein solches Projekt antwortet der Experte, dass aus seiner Sicht anfangs kooperative Gutachterverfahren den städtebaulichen Wettbewerben vorzuziehen seien, um eine höchstmögliche Flexibilität beizubehalten.

Gewinn für die Stadt

"Leuchtturmprojekte sind wichtig und hilfreich, um andere Unternehmungen anzuziehen." Man müsse auf einen hohen Mix aus Industrie, Handwerk, Forschung, Kultur, Freizeit und wenn möglich Wohnraum achten. Dadurch könne eine "Nine to five"-Kultur verhindert werden, also die reine Nutzung während der Arbeitszeit, und ein Urbanisierungseffekt eintreten - ein Gewinn für Stadtteil und Stadt.

Für zukunftsvisionäre Projekte müsse eine weitestgehend autofreie und emissionsarme Struktur geschaffen werden zur Optimierung der Lebensqualität des Menschen und im Besonderen der Fußgänger, Radfahrer, Senioren und Familien. "Warum nicht einen Öko-Stadtteil als Vorbild für andere entwickeln?", stellte Helmut Thomas als Vision in den Raum. Paul Wolf wollte wissen, wie man möglichen Störfaktoren entgegenwirken könne. "Es braucht ein Hauptkonzept mit soliden Eckpfeilern, an denen sich andere Ideen, auch bei etwaigen Störungen, verankern können. Darüber hinaus ist der existierende Bestand zu schützen, der einer Revitalisierung eigenen Charakter verleiht."

Auch "Auf AEG" sei nicht alles sofort parat gewesen. Nach dem Ende der Produktion 2007 konnte die MIB das Gesamtareal erwerben und führt seitdem die Revitalisierung der ehemaligen Industrieanlage zu einem lebendigen urbanen Quartier durch. Als erster Hauptakteur platzierte der vorherige Besitzer Electrolux sein Hauptquartier im sanierten Bau an der Fürther Straße. Dazu gesellen sich inzwischen IT-Unternehmen, die Siemens AG mit einem Testfeld für Fabrikautomation, der TÜV Süd mit einem Seminarzentrum und vielerlei Büros und Kanzleien in den sanierten Gebäuden.

Inspirierende Einblicke

Jüngster Mieter sei der Energie-Campus Nürnberg, eine Kompetenzballung aus Universität, Fachhochschule, Fraunhofer-Institut und dem Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung. Cornelia Jelinski verwies auf die von Schultze angedeutete Problematik einer möglichen Kontamination im Nordteil. "Auch die Nürnberger Stadtentwickler sind mit sanierungsbedürftigem Boden konfrontiert", so Schultze.

Zum Ende bedankte sich Roland Falk als Initiator der Info-Konferenz bei Bertram Schultze für den sehr inspirierenden Einblick in das Projekt "Auf AEG". Schultze stellte einen Gegenbesuch in Sulzbach-Rosenberg in Aussicht, bei dem er im Rahmen eines Vortragsabends die Visionen eines Projektentwicklers aufzeigen und sich einer Diskussion stellen würde.

SURO2030 stellte vielerlei Parallelen zur Sulzbach-Rosenberger Industriebrache fest und schöpfte eine Reihe von Impulsen für ihre Vorstellungen zur Revitalisierung des Maxhüttenareals, wohl wissend, dass noch viele Themen, wie die Sanierung des Westteils, zu erledigen sind. "Doch gerade deshalb muss die Politik zusammen mit dem Eigentümer schnellstens tätig werden, um nicht weitere Zeit verstreichen zu lassen", so die Bilanz.

Arbeitstitel gefunden

In Anlehnung an die Headline "From cotton to culture" der alten Spinnerei Leipzig, einem weiteren erfolgreichen Projekt der MIB AG, könnte der Arbeitstitel des von SURO2030 geforderten ständigen Gremiums zur Entwicklung der Industriebrache Maxhütte "Vom Stahlwerk zur Vielfalt" lauten, so Falk abschließend. Denn Vielfalt sei das Ziel für das Entstehen eines zukunftsfähigen und nachhaltigen Quartiers.

Hintergrund:

Künstler finden eine neue Heimat

Das Café in den ehemaligen Räumlichkeiten des AEG-Werksschutzes sei ein Treffpunkt für die am Campus beschäftigten Menschen und somit ein nicht monetärer Gewinn für alle. Dies gelte auch für das „Künstlerhaus“ der Galerie 76 im Nord-areal an der Muggenhofer Straße, in dem seit 2008 etwa 70 Künstler ihre Kreativwerkstätten gefunden haben. Hier arbeitet auch Max Ostermann, ein Sulzbacher Gewächs. Ostermann war vor seinem Kunststudium Lehrling in der Maxhütte und wurde dort in den 70ern zum Bauzeichner ausgebildet. Sein Vater war Betriebsrat „auf der Hüttn“. Die Stadt Nürnberg profitiert ebenfalls von dieser Kunstschmiede. Schon zum zehnten Mal fand im September 2019 die Veranstaltung „Offen auf AEG“ statt. Dort öffnen viele Künstler ihre Ateliers und zeigen ihre Werke und Arbeit einem großen Publikum. Leider muss die Community demnächst einer neuen Nutzung weichen. Hier soll ein neuer Stadtteil „Auf AEG-Nord“ mit bis zu 1000 neuen Wohnungen grün und fußgängerfreundlich entstehen. (ge)

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