22.09.2019 - 17:39 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Zwiefachertag des Bezirks: "Höchst originelle Tanzweise"

Beim Zwiefachentag "Druntn va da Wirtshaustür..." des Bezirks Oberpfalz ging es rund in der Stadt. Alles was Rang und Namen hat in der Brauchtumspflege war bei der Eröffnung im Rathaus vertreten.

Tanz-Workshop im Rathaussaal beim Zwiefachentag des Bezirks Oberpfalz mit den Tanzleitern Manfred Grädler und Hans-Gerd Königer.
von Autor MAGProfil

Heidi Christ, Musikethnologin, Leiterin der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik in Uffenheim, beleuchtete in ihrem Referat die teilweisen Unterschiede der fränkischen zur Oberpfälzer Region um das Alfelder Gebiet. Hierbei stellte die Referentin fest, dass es in früheren Zeiten üblich war, zwischen den Kapellen, egal ob in Franken oder der Oberpfalz, oft gleichnamige "Bairische/Zwiefachen" zu spielen.

Nachgefragt: Was ist das Besondere am Zwiefachen?

In seinem Vortrag gespielt - gepflegt - gelistet, der Zwiefache in der Oberpfalz vom 19. Jahrhundert bis heute, ging Bezirksheimatpfleger Tobias Appl auf die Entwicklung des "Zwiefachen/Bairischen" in der Oberpfalz ein. Über die Herkunft und Bezeichnung des Zwiefachen herrschen innerhalb der Volksmusik- forschung bis heute unterschiedliche Theorien. Erste schriftliche Belege stammen aus dem 18. Jahrhundert, der älteste überhaupt aus einer Am- berger Mandorenhandschrift von 1730.

Unter anderem berichtete Konrad Max Kunz, der als Komponist der Bayernhymne bekannt ist, von speziellen Formen von Takt wechselden Volkstänzen. "Hauptsächlich nur noch auf den Dörfern sei der Zwiefache damals als "eine Lust für die Bauern" gespielt und getanzt worden. Kunz selber habe bei Hochzeiten und Kirchweihfesten "oft als Knabe mitgegeigt, später als fideler Student auch mitgetanzt". Weiter führte er aus, dass es "für diese närrischen Dinger" keine Noten gab und die Musikanten und Tänzer sie eben nur durch die Tradition lernten. Erst das Bedürfnis nach Abwechslung habe es demnach mit sich gebracht, dass aus der Verbreitung von "Landlern, langsamen Walzern und Schottisch-Tänzen, die Zwiefachen/Bairischen entstanden seien.

Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl mit Musikethnologin Dr. Heidi Christ beim Zwiefachentag in Sulzbach-Rosenberg.

Anwendung zum Gebrauch

Ab Mitte des 19. Jahrhundert mehren sich die Hinweise auf die musikalische Praxis, dass immer wieder Gelehrte, Lehrer, Bezirksärzte oder Pfarrer aufgefordert wurden, aus Beobachtungen gespeiste Berichte über diese Regionen zu erstellen und an zentralen Verwaltungsstellen einzureichen. Die von unterschiedlichen Personen zusammengetragenen Berichte ergaben in der Summe in der gedruckten "Bavaria", der Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern aus dem Jahr 1863, eine Anwendung zum Gebrauch des Zwiefachen beim Kirchweihtag: "Eine höchst originelle Tanzweise, die in der Oberpfalz allenthalben Geltung hat".

Man erfährt also aus diesen Berichten so einiges über diese Tanzgewohnheiten im 19. Jahrhundert in der Oberpfalz. Also vor ziemlich genau 100 Jahren, erlangte der Zwiefache einen richtigen, überregionalen Popularitätsschub. Dies hat seine Ursache in dem Zusammenspiel von musikalischer Praxis, heimatpflegerischer Sammeltätigkeit und in der Stärkung des Oberpfälzer Selbstbewusstseins. Einen weiteren Schwung für das Sammeln von Volksmusik allgemein, aber auch von Zwiefachen, entfachte die Bekanntmachung des bayerischen Kultusministeriums vom 6. Juni 1934 "über das Sammeln von Volksliedern, Kinderliedern und Volksmusik in Bayern". Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte wieder verstärkt das Interesse an regionalen Kulturformen in den Mittelpunkt, wie in den Jahrzehnten vor den 1920er Jahren. Fortan lag es insbesondere an der Volksmusik/Volkstanzpflege der öffentlichen Einrichtungen und der einschlägigen Vereine und Verbände, dass der Zwiefache/Bayrische in der Oberpfalz andauernde Konjunktur hatte und hat. Seither üben zahlreiche Volkstanzgruppen regelmäßig den richtigen Taktwechsel und kaum eine Oberpfälzer Blaskapelle hat diese Tanzart nicht im Repertoire. Der Bayerische Rundfunk mit seinen Volksmusiksendungen sowie die Verbreitung von einschlägigen Schallplatten, Kassetten und CDs führten dazu, dass der Zwiefache fast alle Haushalte erreicht und auch viele Anhänger in der Oberpfalz hat.

Die Nachwuchs-Blasmusik der Stamm-Trachtler zeigte sich auch bei den Zwiefachen im Rathaussaal sehr sattelfest.

Kurse des Bezirks

1969 wurde von Bezirks-Heimatpfleger Dr. Adolf Eichenseer das Oberpfälzer Volksmusikarchiv gegründet. Ab 1972 gibt es vom Bezirk angebotene feste Volksmusikkurse, die einzelnen Lehrgangshefte der Volksmusikkurse bergen eine Vielzahl von Zwiefachen. Im Jahr 1976 veröffentlichen Adolf Eichenseer und Wolfgang A. Mayer den Band Volkslieder aus der Oberpfalz und angrenzende Gebiete. Beide sehen die Oberpfalz "als Kerngebiet des Zwiefachen und danken besonders dem "unermüdlichen Volkstumspfleger Hanns Binder aus Sulzbach- Rosenberg".

Verschiedene Volksmusikvereine, Kapellen und Gesangsgruppen sind seit Jahrzehnten auf eigenen Tonträgern zu hören. Ebenso brachte der Bezirk und auch der BR einschlägige Medien heraus. Dies alles führte dazu, dass der Zwiefache in der Oberpfalz weit verbreitet ist und sich großer Beliebtheit erfreut.

Viele Vertreter der Oberpfälzer Volksmusik- und Brauchtumsszene versammelten sich zur Eröffnung im Rathaus.
Bezirkstags-Kulturreferent Richard Gaßner.
Info:

Gäste im Rathaussaal

Erster Bürgermeister Michael Göth freute sich über zahlreiche Gäste, darunter Bezirksheimatpfleger Tobias Appl, sein Stellvertreter Florian Schwemin, Eva-Maria Eiberger, Laienspielberaterin, den Kulturreferenten des Bezirks Richard Gaßner, Landrat Richard Reisinger, Zweiter Bürgermeister Günter Koller, Dritter Bürgermeister Hans-Jürgen Reitzenstein, Bezirksrätin Gabriele Bayer, Bezirksrat Karl Schmid, stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann, Kreisrat und Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer, Kreisheimatpflegerin Martha Pruy, der Vorsitzende des Oberpfälzer Gauverbandes Peter Kurzwart, Franz Niebler, Vorsitzender des Heimatvereins Birgland sowie die Nachwuchs-Blasmusik des Sulzbach-Rosenberger Heimat- und Trachtenvereins „Stamm“ „In oiner Dur“.

Erster Bürgermeister Michael Göth eröffnete den Zwiefachentag in Sulzbach-Rosenberg.
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