11.01.2019 - 16:21 Uhr
TännesbergOberpfalz

Deutschlands Top-Instagrammer kommt aus der Oberpfalz

Im Nebel versunkene Wälder, im Sonnenaufgang glühende Berggipfel, vom Frost eingehüllte Bäume - Kilian Schönberger aus Tännesberg ist einer der besten Naturfotografen Deutschlands. Nun ist er für den „Goldenen Blogger 2018“ nominiert.

Tiefster Winter am Bayerisch Böhmischen Grenzkamm
von PMLProfil

Die Welt, in die Kilian Schönberger die Betrachter seiner Fotos mitnimmt, ist ein faszinierendes und fesselndes Spiel aus Licht und Schatten, kräftigen Farben und dezenten Grautönen. Eine Welt voller mystischer Landschaften und unberührter Natur. Zu bestaunen gibt es diese Bilder nicht nur in Bildbänden oder Ausstellungen. Der 33-Jährige, der als einer der besten und erfolgreichsten Landschaftsfotografen Deutschlands gilt, zeigt viele seiner Arbeiten auch im Internet. Dort betreibt er eine eigene Website. Er ist auch in den sozialen Medien sehr aktiv.

Schönbergers Instagram-Profil

Für sein Instagram-Profil wurde Schönberger jetzt für den „Goldenen Blogger 2018“ nominiert. Mit diesem Preis werden Persönlichkeiten, Politiker, Unternehmen oder Projekte ausgezeichnet, die durch ihre Onlinepräsenz einen positiven Beitrag zum Wert des Internets leisten. Verliehen wird der Preis seit 2007. Die Preisträger werden in 17 verschiedenen Kategorien ermittelt. In der Kategorie „Bester Instagram-Account des Jahres“ tritt Kilian Schönberger dieses Jahr gegen den Astronaut Alexander Gerst und die News-WG des Bayerischen Rundfunks an.

ONETZ: Wie wichtig ist dir die Rückmeldung über die sozialen Medien?

Schönberger: Ich denke, soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram sind eine gute Möglichkeit, seine Arbeiten zu präsentieren. Das Feedback der Follower hilft einem weiter. Außerdem ist es eine wunderbare Möglichkeit, auch mit Kollegen in Kontakt zu bleiben und ihren Werdegang zu verfolgen.

Portrait Kilian Schönberger

ONETZ: Wie gehst du mit negativen Rückmeldungen oder Beschimpfungen um?

Schönberger: So richtig negative Erfahrungen habe ich noch nicht gemacht. Bei Instagram könnte man anführen, dass es nur sehr wenig offene Kritik gibt, aber hinter vorgehaltener Hand doch einige Kritik geäußert wird - durch die Personenfixierung der Plattform auch eher an Fotografen als an einzelnen Fotografien. Aber zum Glück stecke ich da nicht so tief drin und bekomme sowas eher zufällig mit. Wobei das Fehlen einer sachlichen Kritikkultur meiner Meinung nach ein großes Manko der Fotografie ist. Aber da man heute in den sozialen Medien auch als Person in der öffentlichen Aufmerksamkeit ist, muss man schon ein wenig überlegen zu welchen Dingen man Stellung bezieht. Eigentlich einfache, aber emotional aufgeladene Themen wie "Freilaufende Hunde im Wald - ja oder nein?" können durchaus eskalieren.

ONETZ: Gibt es Kollegen, die du als Vorbilder ansiehst? Oder gibt es unter den klassischen Malern Vorbilder, an denen du dich orientierst? Gerade mit Werken von Caspar David Friedrich wurden schon manche deiner Bilder verglichen.

Schönberger: Ich könnte jetzt keinen expliziten Namen nennen. Klar verfolgt man die Arbeiten von anderen und lässt sich hier und da inspirieren, aber ich denke sagen zu können, dass mein fotografisches Schaffen schon relativ unabhängig ist. Generell schätze ich Fotografen, die sich mit einer bestimmten Region auseinandersetzen und dort tolle Ergebnisse erzielen. Auch wenn es vielleicht schwieriger ist, gute Kompositionen zu finden als auf Island. So lernt man auch einiges über eher abgelegene Gegenden. Caspar David Friedrich hat natürlich etwas Einfluss gehabt auf meine Arbeiten. Da ich als visueller Mensch täglich Unmengen an Bildern, Grafiken etc. anschaue, beeinflussen mich die verschiedensten Dinge: Architektur, Filme, Musik.

ONETZ: Du bist als Blogger und Influencer für dein Instagram-Profil nominiert. Wie würdest du jemandem, der sich in der Thematik nicht auskennt, erklären was das alles überhaupt ist?

Schönberger: Einen Blogger-Preis kann man sich wie einen Preis für ein öffentliches digitales Tagebuch zu einem bestimmten Thema vorstellen. Influencer wären dann Leute, deren Tagebucheinträge von besonders vielen Leuten gelesen werden und die beispielsweise durch positive Berichte auch die Kaufentscheidungen der "Leser" beeinflussen. Ich selbst sehe mich aber eher als Fotograf, denn als Influencer. Auf Instagram zeige ich aktuelle Arbeiten, normalerweise jeden Tag ein Bild, also ein visuelles fotografisches Tagebuch.

Kulturlandschaft rund um Winklarn

ONETZ: Welchen Stellenwert hat deine Herkunft - deine Heimat - in deiner Arbeit und in deinem Instagram-Feed?

Schönberger: Die ostbayerischen Mittelgebirge liegen mir sehr am Herzen. Ich denke sagen zu können, dass ich mich zwischen Steinwald und Dreiländereck wirklich sehr gut auskenne. Bildideen habe ich noch so einige. Aber die Bedingungen müssen dafür passen. Die Oberpfalz mag ein eher ruhiges Relief haben, dafür bietet die Kulturlandschaft Motive, die es bei den passenden Bedingungen mit Fotos aus der ganzen Welt aufnehmen können. Schwerpunkte meiner Arbeit sind Wald, Nebel, Berge, gerne auch mal Kulturlandschaften mit Feldern und Dörfern. Da kommt man im Oberpfälzer Wald durchaus auf seine Kosten.

ONETZ: Du hast Geografie studiert und dich autodidaktisch mit Fotografie beschäftigt. Seit 2013 bist du als professioneller Fotograf aktiv. Wie siehst du die Entwicklung, dass immer mehr Menschen versuchen, über Fotografie bekannt zu werden?

Schönberger: Das Studium hatte schon einen großen Anteil an meiner Karriere als Fotograf. Durch die vielen Geländeexkursionen und meinen Erasmusaufenthalt in Norwegen hatte ich die Fotografie als bestes Medium zum Festhalten meiner Erfahrungen entdeckt. Ein Studium in Kommunikationsdesign oder Kunst stand nach dem Abitur auch zur Debatte, aber ich dachte, dass die Farbenblindheit ein zu großes Handicap sein könnte. So konnte ich mit der Landschaftsfotografie mein geografisches Interesse optimal mit der visuellen Kreativität kombinieren. Wobei man sagen muss, dass die Outdoor-Fotografenszene insbesondere in den letzten drei Jahren enorm gewachsen ist. An einigen Orten wie auf dem Lusengipfel war man vor einiger Zeit morgens meist allein, heute trifft man dort teilweise über 20 Leute bei Sonnenaufgang. Das zieht sich dann auch durch die virtuellen Plattformen. Die Anzahl der Outdoor-Fotografen ist fast exponentiell gewachsen. Dazu trägt auch bei, dass Kameras und Bearbeitungsprogramme immer einfacher zu bedienen sind.

ONETZ: Siehst du diese Entwicklung als kritisch? Wie erwartest du, dass sich das entwickelt und vielleicht auch auf den professionellen Markt auswirkt?

Schönberger: Ich denke, dass wir da gerade einen Trend erleben, der auch wieder abflauen wird. Viele Leute, die heute Neuschwanstein als "hippes Motiv" verkaufen, wären doch vor zehn Jahren nie auf die Idee gekommen, dieses Märchenschloss als "cool" wahrzunehmen. Ich denke, eine gewisse Stagnation ist auf Instagram bereits festzustellen. Aber zum Glück sehe ich mich nicht unbedingt als Instagrammer, so dass ich nicht zu sehr davon abhängig bin. Auf dem professionellen Markt merkt man an den Preisen natürlich, dass es inzwischen sehr viele Fotografen gibt. Und Millionen an Bildern, die sehr günstig auf Stockfotoplattformen zu haben sind. Damit kann und möchte ich nicht konkurrieren. Die Leute kommen auf mich zu, wenn sie Aufnahmen mit Schönberger'scher Handschrift wollen. Spezielle Wetterbedingungen und spannende Kompositionen - Bilder mit einer ganz eigenen Magie.

Raureifwald Oberpfälzer Wald

ONETZ: Welche Tipps hättest du für jemanden, der sich intensiver mit der Fotografie beschäftigen möchte?

Schönberger: Wenn man in die Landschaftsfotografie einsteigen möchte, ist es empfehlenswert, ein Portfolio mit einer gewissen Spezialisierung aufzubauen - eine bestimmte Region oder Art von Motiv. Man kann sich bei anderen Fotografen Inspiration holen, aber eine gewisse Eigenständigkeit der Handschrift ist sicher nicht verkehrt.

ONETZ: Der Medientenor zu Plattformen wie Instagram ist in letzter Zeit zwiegespalten, besonders wenn es um Landschaftsfotografie geht. Da gibt es zum einen die Orte, die durch ihre Beliebtheit in den sozialen Medien regelrecht überrannt werden und es gibt die Orte, die touristisch noch unbekannt sind, aber ihr Regionalmarketing in den sozialen Medien stärken möchten. Wie ist deine Sicht auf dieses Thema?

Schönberger: In trittempfindlichen Naturschutzgebieten kann das zum Problem werden, da zum einen Tiere empfindlich gestört werden, zum anderen aber auch die Vegetation zertrampelt wird. Am oberbayerischen Geroldsee ist inmitten einer geschützten Orchideenwiese so eine völlig zertrampelte Fläche an einer beliebten Aufnahmestelle für Fotos entstanden. Ich denke, viele Instagrammer kümmern sich nicht sonderlich um die reale Natur. Es geht, darum mit Bildern virtuell erfolgreich zu sein. Die Internetrealität ist wichtiger als die reale Landschaft. Gleichzeitig wird gerne das Bild des naturnahen "Outdoor Abenteurers" verkauft, was aber nur einer Rolle in einem Werbefilm gleichkommt. Instagram ist grundsätzlich nicht darauf ausgelegt, tiefer gehendes Wissen rund um eine bestimmte Landschaft oder die Natur zu vermitteln. Es geht darum, innerhalb zwei Sekunden den Betrachter von seinem Bild zu überzeugen. Gedanken über potenzielle Schäden durch die Aktivitäten machen sich nur wenige. Die Aufbruchsphase, als jedes Unternehmen und jede Institution etwas mit Influencern machen wollte oder sollte, ist etwas abgeflaut. Für das Regionalmarketing lohnt es sich wohl eher, auf mittlere Accounts zu setzen, die Follower erreichen, für die ein Ausflug in die werbende Region interessant erscheint. Wenn beispielsweise der Thüringer Wald für einen großen amerikanischen Influencer Geld ausgeben würde, der normal in Alaska oder Patagonien unterwegs ist, dürfte das nicht sonderlich erfolgreich sein.

Tief unterhalb Burg Flossenbürg

ONETZ: Mehr Verantwortungsbewusstsein bei den „Influencern“ und mehr ehrliche Naturliebe, statt der Jagd nach den meisten Likes?

Schönberger: Das Wort "ehrlich" ist in Bezug auf soziale Netzwerke schwierig. Die Selbstdarstellung ist fast immer sehr konstruiert. Naturliebe oder Verantwortungsbewusstsein werden dann in die Profile integriert, wenn es der eigenen Vermarktung dient. Da die Bilder auf Instagram sehr oberflächlich konsumiert werden, sehe ich derzeit nicht wirklich die Möglichkeit, dort eine Nachhaltigkeitskultur zu erschaffen. Verantwortungsbewusstsein auf Instagram sieht eher so aus, dass die Leute nach Grönland fliegen, um die Gletscher zu fotografieren, bevor sie möglicherweise durch den Klimawandel verschwinden. Die Zahl der Flugankünfte steigt dort rasant. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

ONETZ: Denkst du, es ist generell sinnvoll, Regionalmarketing in den sozialen Medien zu betreiben?

Schönberger: Natürlich ist es sinnvoll. Wobei es nur eine Facette ist. Die Regionen müssen in der touristischen Infrastruktur auch auf die Gegenwart vorbereitet sein, damit das funktioniert. Die Ansprüche möglicher Gäste sind gewachsen. Das fängt morgens bei einem reichhaltigen Frühstück an, geht über die Qualität des Essens in den Restaurants, bis zu dem, was heute als "Wandern" verstanden wird. Niemand will mehr nur auf Forstwegen rumlaufen. Wanderpfade sind das Thema der Stunde. Die Eifel beispielsweise hat mit der Ausweisung von Wegen mit hohem Pfadanteil große Erfolge gefeiert. Wir brauchen auch wilde Trails für die anspruchsvollen Wanderer. Barrierefreiheit ist ein anderes Stichwort. Beides ist vermeintlich schwer zu kombinieren - für die Oberpfalz sehe ich persönlich vor allem Nachholbedarf bei den schmalen Pfaden. Ich denke, dass die Oberpfalz theoretisch mit wilden Wegen punkten könnte, wenn Gemeinden, Waldbesitzer etc. an einem Strang ziehen würden. Der Weg wird so zum Ziel. Wenn diese Grundlage geschaffen ist, könnte man versuchen in den Sozialen Medien eine Kampagne zu lancieren, die eben genau aufzeigt, dass die Region die Erwartungshaltung heutiger Wanderurlauber erfüllen kann.

ONETZ: Du wurdest schon als "Deutschlands bester Waldfotograf" bezeichnet. Wie stehst du zu solchen Festschreibungen?

Schönberger: Wir leben in einer Zeit der Rankings, Listen und Kategorisierungen - gerade in den sozialen Medien. Man sollte nicht zu viel darauf geben. Eigentlich sagen die Listen mehr über diejenigen aus, die sie veröffentlichen, als über die Platzierten. Aber natürlich freut man sich auch in der digitalen Welt über Komplimente und positive Zuschreibungen.

Sagenhafter Oberpfälzer Wald

ONETZ: Du hast inzwischen fünf Bildbände herausgebracht oder entscheidend daran mitgewirkt. Gibt es Pläne für weitere Arbeiten in diese Richtung oder planst du etwas ganz anderes?

Schönberger: Den Büchern möchte ich auch in Zukunft treu bleiben, da ich finde, dass Papier das schönste Medium für Fotografien ist. Daher steht auch das ein oder andere Projekt schon wieder in den Startlöchern. Aber natürlich muss man ständig auch Blicke über den Tellerrand werfen, um Anschluss zu halten an aktuelle technische Entwicklungen. Ein anderes Kapitel ist die von mir angestrebte stärkere Verwebung von Bild und Text. So wird es 2019 mehr Vorträge geben.

ONETZ: Falls du da schon was verraten möchtest: In welche Richtung werden die Vorträge gehen und planst du auch Vorträge in deiner Heimatregion?

Schönberger: Die Vorträge werden eine Mischung aus Reisebericht und Vorstellung bestimmter Regionen Mitteleuropas, aber vielleicht auch einigen kritischen Positionen zu aktuellen Themen der Fotografie sein. Was natürlich vom Veranstaltungsrahmen abhängig ist. Sicherlich gibt es auch in der Oberpfalz früher oder später einen dieser neuen Vorträge zu sehen.

ONETZ: Das obligatorische: Wie siehst du deine Chancen bei der Auszeichnung? Die Konkurrenz ist doch sehr stark.

Schönberger: Alles ist möglich. Wobei ich bei einer so ungewöhnlichen Auswahl von Preisträgern - der Astronaut Alexander Gerst, ein Newsportal des Bayerischen Rundfunks und ich mit meinen Landschaftsaufnahmen aus Deutschland - mich zunächst mal freue, dass mein Instagram Account überhaupt erstmal in die Endauswahl gekommen ist. Ich selbst finde es sehr gut, wie Alexander Gerst seine Reichweite und Bekanntheit nutzt, um auf Missstände im Klimaschutz aufmerksam zu machen.

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