13.10.2019 - 09:33 Uhr
TännesbergOberpfalz

Als Kind schon auf der Baustelle

Frauen für technische Berufe zu begeistern, gelingt nach wie vor nur in Ausnahmefällen. Dabei gibt es genügend Beweise für erfolgreiche Frauen in den MINT-Berufen. Eine davon ist Elektrotechnikermeisterin Birgit Schneeberger

Schaltschränke gehören für Elektrotechnikermeisterin Birgit Schneeberger (links) zum beruflichen Alltag. Dass mehr Mädchen diesem Beispiel folgen, darauf hofft Karin Hartung, Beauftragte für Chancengleichheit der Arbeitsagentur Weiden.
von Siegfried BühnerProfil

Lange brauchte die Beauftragte für Chancengleichheit der Arbeitsagentur Weiden, Karin Hartung, nicht suchen, um eine besonders erfolgreiche Frau in einem der sogenannten Männerberufe zu finden. Schließlich beginnt in wenigen Tagen die MINT-Woche der bayrischen Staatsregierung und dafür soll geworben werden.

"Ein besseres Beispiel als Elektromeisterin Birgit Schneeberger aus Tännesberg hätte ich kaum finden können" sagt Hartung. Die Elektrotechnikermeisterin hat in ihren verschiedenen Berufsausbildungen fast alle überhaupt mögliche Preise für herausragende Leistungen gewonnen. Kammersiegerin, Landessiegerin bis hin zum Meisterpreis der bayrischen Staatsregierung, alles steht zu Hause in Tännesberg im Trophäenschrank. Abgeschlossen hat sie außer der Meisterprüfung die Ausbildungen als Radio- und Fernsehtechnikerin, anschließend als Energie- und Gebäudeelektrotechnikerin und als Betriebswirtin des Handwerks.

Längst ist aus der Berufsabsolventin eine erfolgreiche Unternehmerin geworden. Die 38-jährige hat den elterlichen Handwerks- und Handelsbetrieb übernommen. "Als Frau muss man in diesem Beruf schon liefern", sagt die Meisterin. Die meisten Kunden seien längst nicht mehr überrascht, wenn eine Frau kommt. Ihr Beruf sei gut auch für Frauen geeignet, denn überwiegend sei er zum "sauberen Beruf" geworden. Zwar sei eine gewisse körperliche Leistungsfähigkeit schon gefordert, aber dies gilt schließlich auch für andere Berufe. Nur mit Mathematik dürfe man nicht auf Kriegsfuß stehen und man brauche räumliches Vorstellungsvermögen, stellt Schneeberger fest. Im Bereich moderner Sicherheitstechnik von Gebäuden liegt ein Schwerpunkt ihrer betrieblichen Kompetenzen.

Gerne würde die Unternehmerin auch mehr Aufträge annehmen. Doch als mitarbeitende Meisterin mit nur einem Gesellen gibt es Grenzen. Der Betrieb sucht deshalb händeringend nach gelernten Mitarbeitern und nach Auszubildenden. "Wenn mehr Mädchen dem Beispiel von Frau Schneeberger folgen würden, wäre der Fachkräftemangel im Handwerk deutlich geringer", stellt Gleichstellungsbeauftragte Hartung fest. Trotz der vielen seit Jahren an Eltern und Schülerinnen gerichteten Aktionen und Apelle, sich für einen handwerklich-technischen Beruf zu entscheiden, bleiben Fälle wie der von Elektromeisterin Schneeberger noch immer eine Ausnahme. "Zu zweit waren wir als Frauen damals im Meisterkurs" berichtet dazu Schneeberger.

Dass sich an dieser Situation wenig verändert hat, zeigen aktuelle Zahlen aus der Statistik. In allen Berufen der Elektrotechnik liegt der Frauenanteil im Bezirk der Arbeitsagentur Weiden bei 4,8 Prozent. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl von 47 auf 44 zurückgegangen. Wenig anders sieht es in anderen gewerblich-technischen Berufen aus. Im Bereich Maschinenbau- und Betriebstechnik liegt der Frauenanteil bei 5 Prozent, in der Mechatronik- und Automatisierungstechnik bei 5,1 Prozent. Nur 3,4 Prozent aller Beschäftigten in der Kraftfahrzeugtechnik sind Frauen. Lediglich in den Informatik- und anderen IKT-Berufen sind immerhin 8,9 Prozent Frauen beschäftigt.

Hartung und Schneeberger plädieren dafür, Kinder möglichst frühzeitig heranzuführen. "Ich war schon im Kindesalter auf den Baustellen", sagt Schneeberger.

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