16.08.2018 - 06:00 Uhr
TännesbergOberpfalz

Lederer-Scheune: Fehlen Genehmigungen für den Betrieb?

Die "Lederer-Scheune" in Tännesberg ist als besonderer Fest- und Veranstaltungssaal bekannt. Der Besitzer, Bürgermeister Max Völkl, sieht sich jetzt Vorwürfen ausgesetzt: Fehlen Genehmigungen für den Betrieb?

Die preisgekrönte „Lederer-Scheune“. Nach Erwerb und Abriss eines Nachbaranwesens sollen 14 Parkplätze entstehen. Doch die Formulierung des Antrags macht die FWG-Fraktion misstrauisch.
von Josef ForsterProfil

Auf der Zuhörerbank wurde es am Montagabend eng. Viele wollten hören, was die Räte zu einem Antrag des Bürgermeisters in der Tännesberger Marktratssitzung zu sagen hatten. "Wegen Beteiligung" übergab Max Völkl (parteilos) den Aufruf des mit Spannung erwarteten Tagesordnungspunktes an seinen Stellvertreter Hans-Peter Klünner (CSU). "Antrag auf Baugenehmigung; Nutzungsänderung der Scheune in einen Veranstaltungsraum", lautete der Tagesordnungspunkt.

Nicht nur bei einigen Markträten rief das Stirnrunzeln hervor: Die "Lederer-Scheune", überregional für Konzerte und Kulturveranstaltungen bekannt, offiziell noch kein Veranstaltungsort? Der zweite Bürgermeister begründete den Antrag: "Der Bauplan ist damals so gestaltet worden, dass eine einfachere Lösung gesucht wurde." Nun sei aber das Nachbaranwesen gekauft und abgetragen worden, die Brandschutzauflagen könnten erfüllt werden. Zuvor hätten sich die Betreiber auf fünf Veranstaltungen im Jahr beschränken müssen. "Die Brandschutzmaßnahmen wären damals ja in keinem Verhältnis zum Aufwand gewesen, deswegen ist diese Absprache mit dem Landratsamt getroffen worden", meinte Klünner gegenüber Oberpfalz-Medien.

Die Scheune sei damals als Veranstaltungsort seines Wissens nach in Absprache mit dem Landratsamt umfunktioniert und vom Landratsamt abgenommen worden. Nun will Völkl sein Angebot erweitern und vermehrt selbst als Veranstalter auftreten. Gegenüber Oberpfalz-Medien sagte er, dass er sich deshalb zum Antrag auf Nutzungsänderung entschlossen habe.

Kein Bauantrag

FWG-Fraktionssprecher Wolfgang Nicklas wollte diese auch im Gemeinderat von Klünner getätigten Aussagen nicht stehenlassen: Er sei durch eine Nachfrage zur Parkplatz-Situation auf das Thema aufmerksam geworden. Die Gastronomiebetriebe im Ort hätten Parkplatz-Ablösen bezahlt. Nur zur "Lederer-Scheune" habe es keine Antwort gegeben. Daraufhin habe er mehrere Anfragen zur Baugenehmigung gestartet. "Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass kein Bauantrag vorliegt, und deshalb gibt es auch keine Auflagen bezüglich der Parkplätze", so Nicklas.

Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Nutzung der Scheune als Veranstaltungsort rechtswidrig ist. Besondere Anlässe erlauben den Betrieb eines Gaststättengewerbes. Darunter fallen etwa Jubiläumsfeiern, Vereinsfeste und Bürgerfeste. Geschlossene Gesellschaften benötigen laut Landratsamt keine gaststättenrechtliche Erlaubnis. Klünner meint, die "Lederer-Scheune" habe bedenkenlos fünf öffentliche Veranstaltungen pro Jahr ausrichten dürfen. Alles andere laufe in Privatverträgen. Ob eine solche Regelung tatsächlich besteht, konnte das Landratsamt bis Redaktionsschluss nicht beantworten.

Genug Parkplätze

Nicklas hat auch diesbezüglich nachgeforscht und behauptet, Genehmigungen seien seit Bestehen des Gastronomiebetriebs zumindest bei der Verwaltungsgemeinschaft weder beantragt noch dort erteilt worden.

Nicklas vermutet als tieferen Sinn die umgangenen Ablösegebühren für Parkplätze. Dem gegenüber stünden die "anderen dummen Gastronomen in Tännesberg, die alles ordnungsgemäß machen und ihre Parkplätze bezahlen". Für Bürgermeister Max Völkl ist das aber kein Problem. Als persönlich Betroffener hat er sich in der Gemeinderatssitzung nicht geäußert. Gegenüber Oberpfalz-Medien sagt er: "Alle nötigen Stellplätze für jegliche mir vorstellbare Nutzung kann ich, seitdem ich Eigentümer bin, auf eigenen Flächen bereitstellen. Bei der von mir beantragten Nutzungsänderung werden von mir 14 Stellplätze nachgewiesen. Pro 10 Gastplätze 1 Stellplatz. Einer davon behindertengerecht."

Knappe Abstimmung

Im Marktrat legte Hans Eckl (FWG) nach: Er frage sich, warum jetzt plötzlich ein Antrag gestellt werde. "Es sind grobe Missstände entstanden. Da greife ich auch die Aufsicht an, dass dies geduldet und weggesehen wurde." Zudem gab Eckl zu bedenken, dass jederzeit etwas hätte passieren können. Das Landratsamt habe die Misere angerichtet. "Dann sollen es die auch genehmigen." Ebenso nahm er die anderen Markträte in die Pflicht: "Die Leute sagen, ihr nickt alles ab. Ich bin da nicht dabei." Das Unentschieden von 5:5 Stimmen bedeutete eine Ablehnung des Antrags, nachdem der Beschluss positiv formuliert war. Völkl hatte als Betroffener nicht an der Abstimmung teilgenommen. Geschlossen stand die CSU-Fraktion hinter dem Bauantrag, während alle anderen Markträte ihr Veto einlegten.

Klünner wunderte sich rückblickend über das Abstimmungsergebnis. "Die fünf Gegenstimmen sind für mich nicht nachvollziehbar." Die Gemeinde entscheide in diesem Zusammenhang ja nur über Wasser, Kanal, Straße und Versorgung. Nun wird das Landratsamt über die Nutzungsänderung der "Lederer-Scheune" entscheiden.

Direkt bei der Pfarrkirche (links) liegt die "Lederer-Scheune". Nach dem Erwerb und Abriss eines Nachbaranwesens sollen dort Parkplätze entstehen. Doch die Formulierung des Antrags macht die FWG-Fraktion misstrauisch.

Hintergrund:

Die Scheune ist inzwischen eine der begehrtesten Hochzeitskulissen der Oberpfalz geworden. Auch der Bayerische Rundfunk schwärmte bereits von dem Schmuckstück. Im Jahr 2015 bekamen die Besitzer Max und Angela Völkl von Bezirkstagspräsident Franz Löffler den Denkmalpreis. „Hat es hier einen Denkmalpreis für einen Schwarzbau gegeben?“, spitzte Nicklas deshalb seine Kritik zu. (fjo/dko)

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