19.07.2021 - 16:42 Uhr
TännesbergOberpfalz

Schwimmkurs im Kindergarten: Die Vorzeige-Pinguine von Tännesberg

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Die Wartelisten für Schwimmkurse sind so lang, dass viele Eltern keine Chance haben, ihre Kinder in absehbarer Zeit unterzubringen. In Tännesberg zeigt das Kinderhaus St. Martin, dass es auch anders laufen kann.

Während viele andere Kinder in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN derzeit keine Chance auf einen Platz in einem Schwimmkurs haben, lernen diese beiden Jungs das Schwimmen schon im Kinderhaus St. Martin in Tännesberg.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Wider erwarten geht es im Schwimmbad des Gasthofs "Zur Post" in Tännesberg nicht laut und wuselig zu. Stattdessen sitzen am Beckenrand neun ruhige, disziplinierte und hochkonzentrierte Vorschulkinder des Kinderhauses St. Martin. Die Erzieherinnen Doreen Landgraf und Marina Sax erklären den Kleinen, welche Übung die Gruppe als nächstes macht. "Die Kinder wissen, dass sie diszipliniert sein müssen. Das würde hier sonst nicht funktionieren", kommentiert Kindergartenleiterin Manuela Hinkel. Die Kinder in ihrer Einrichtung können seit 2017 schon ab drei Jahren einmal in der Woche und während der Betreuungszeit mit den Erzieherinnen ins Wasser. Pinguin-Projekt nennt die Einrichtung das.

Die Wassergewöhnung im 1,40 Meter tiefen Becken kann losgehen, "sobald sie keine Windel mehr haben", so Hinkel. Später können die Vorschulkinder sogar das Seepferdchen-Abzeichen und ein Sicherheitstraining machen, bei dem sie zum Beispiel in Kleidung durch einen Tunnel tauchen. "Es gibt Kinder, die mit vier Jahren schon schwimmen können und den Seepferdchen-Kurs machen." Damit haben die Tännesberger Schwimmanfänger vielen Kindern gegenüber einen Vorteil, die wegen der Corona-Pandemie keinen Schwimmkurs machen konnten und nun auf teils dreistelligen Wartelisten für Kurse stehen, während beispielsweise die landkreiseigenen Hallenbäder noch immer geschlossen sind. Möglich ist das in Tännesberg wegen zwei glücklichen Umständen: Das Kinderhaus darf das Bad des Wellness-Hotels nutzen und Doreen Landgraf ist nicht nur Erzieherin, sondern auch ausgebildete Schwimmlehrerin.

Schwimmen auch in der Grundschule

Wenn die Seepferdchen-Kinder in Tännesberg zur Grundschule gehen, geht der Schwimmunterricht dort sogar weiter. "Es ist schlimm, dass es das klassische Schwimmen Lernen in der Schule nur so selten gibt", findet die Kindergartenleiterin. Sie möchte andere Einrichtungen ermutigen, ebenfalls zu überlegen, ob sie so ein Angebot realisieren können. Wenn ein Schwimmbad in der Nähe und verfügbar sei und man einen Schwimmlehrer hinzubuchen könnte, könne das funktionieren. "Für uns ist das nicht spektakulärer als Turnunterricht", sagt Hinkel. Den kann der Kindergarten wegen eines Umbaus schon lange nicht mehr anbieten. "Wir wären bescheuert, wenn wir das hier nicht nutzen würden. Es kann ja nicht mehr passieren, wie wenn wir turnen würden oder mit den Kindern über die Straße gehen."

Versicherungstechnische Fragen zu klären, sei nicht allzu schwer gewesen. Eine Herausforderung sei aber die Personalfrage: "Von acht Mitarbeitern fehlen mir heute Morgen drei wegen des Schwimmens", so Hinkel. Von den Gutscheinen, die die Politik an Eltern als Zuschuss für Schwimmkurse verteilen will, hält sie nicht viel: "Am Geld liegt's nicht." Vielmehr seien geöffnete Bäder wichtig.

Mehr als schwimmen

Das Pinguin-Projekt lehrt den Kindern viel mehr als nur schwimmen. "Es fängt schon mit der Verkehrserziehung an, weil wir zum Bad rüber wandern", erklärt Hinkel. Weiter gehe es in der Umkleide: "Dort müssen die Kinder selber schauen, dass sie ihre Sachen beieinander haben. Manche Dreijährige können nach einem Winter, in dem sie schwimmen waren, selbst ihre Strumpfhosen anziehen." Unterbringen ließen sich auch Übungen für die Fein- und Grobmotorik sowie aus der Farben- und Mengenlehre. Und soziale Fähigkeiten: "Keiner wird ausgelacht, wenn er was nicht kann, sondern er wird von den anderen Kindern angefeuert."

Hinkel weiß: Ohne die Unterstützung der Eltern, die mit den Kindern auch privat im Hotel-Bad üben, würde das alles nicht so gut funktionieren. Doch auch die Eltern profitieren: "Sie müssten sonst schauen, dass sie einen Schwimmkurs bekommen und dann zum Beispiel zehn Mal nach Moosbach fahren. Jetzt müssen sie nur die Tasche packen und das Geld mitbringen."

16 Vorschulkinder von St. Martin machen nächsten Montag ihr Abzeichen – angefeuert von ihren Eltern und den Kindern, die nächstes Jahr das Seepferdchen machen. „Danach gibt’s Pommes im Kindergarten“, kündigt Hinkel an. Bei deren Verzehr werden die frisch gebackenen Seepferdchen sicher wieder erzählen, was sie geschafft haben

Ausbildungsstau bei Schwimmkursen in Weiden und dem Landkreis Neustadt

Weiden in der Oberpfalz
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.