Wer bei Jugendherberge an lauwarmen Früchtetee, karge Kost und eiserne Bettruhe ab 22 Uhr denkt, liegt falsch. Auch die Herberge, die lange nach dem gleichnamigen Ortsteil Tannenlohe benannt war, präsentiert sich offen und freundlich. Seit 1985 steht das Haus am Rand des Waldnaabtals. Es soll weiter Zukunft haben, betonen die Verantwortlichen.
"Ich weiß gar nicht, woher das Klischee mit dem Hagebuttentee kommt", schmunzelt Florian Brodbeck. "Ich hab' in Jugendherbergen jedenfalls noch nie einen getrunken." Der 44-Jährige stammt aus Clausthal-Zellerfeld im Harz. Er war 15 Jahre für eine Hotelkette tätig und wechselte 2013 zum Deutschen Jugendherbergswerk. Nachdem das Haus in Bayerisch Eisenstein 2020 geschlossen wurde, entschied sich Brodbeck für die Falkenberger Herberge.
Fast 13.000 Übernachtungen
Dort hatte die langjährige Leiterin Doris Fischer aufgehört, um sich beruflich neu zu orientieren, wie ihr Nachfolger erzählt. "Nach dem Umbau habe ich ihr geholfen, das Haus wieder zu beleben. Im Juli 2022 kamen die ersten Gäste", blickt Brodbeck zurück. Mit den derzeitigen Buchungen ist er zufrieden. Rund 13.000 Übernachtungen jährlich waren es vor Corona. "2023 sind wir nahe dran. Auch für nächstes Jahr laufen die Vorbuchungen nicht schlecht", sagt der Herbergsleiter.
Der Landkreis Tirschenreuth als Hauseigentümer hatte die coronabedingte Schließung der Herberge genutzt, um unter anderem neue Brandschutztüren einzubauen und das Meldesystem zu modernisieren. 520.000 Euro wurden investiert. Ein Feueralarm läuft jetzt direkt bei der Rettungsleitstelle auf, womit die Residenzpflicht der Herbergseltern endete.
Das kam dem neuen Leiter entgegen: Brodbeck pendelt nämlich jeweils für einige Tage vom Bayerischen Wald, wo er mit seiner Frau und zwei Kindern lebt, ins Stiftland. Gut zwei Stunden ist er dafür auf der Straße. Das macht ihm wenig aus: "Früher war ich auch eine halbe Stunde zum Arbeitsplatz unterwegs, aber jeden Tag."
Ruhigere Zeit im Winter
Nach der Abreise der letzten Gäste des Jahres im November bereitet sich Brodbeck mit seinem Team auf ein paar ruhigere Wochen mit wenigen Übernachtungen vor. "Mitte März geht es dann wieder richtig los", erklärt er. Die Zwischenzeit nutzt die elfköpfige Mannschaft für Resturlaub, Überstundenabbau, Pflichten wie Erste-Hilfe-Kurse und kleinere Reparaturen im Haus.
"Wir sind ein junges, aber gutes Team", sagt der neue Herbergsleiter im blitzblank geputzten Speisesaal. Neben ihm sitzt seine Stellvertreterin Julia Rupp, die einen deutlich kürzeren Anfahrtsweg zum Arbeitsplatz hat. Die 33-Jährige wohnt in Reuth bei Erbendorf. Sie war vorher in der Versicherungsbranche tätig und widmet sich seit Herbst 2022 ihrer neuen Aufgabe mit Begeisterung.
Nicht nur Klassenfahrten
Spaß am Umgang mit Kindern und Jugendlichen gehört bei beiden unbedingt zum Berufsprofil. "Lärmempfindlich darf man hier nicht sein", grinst Brodbeck. "Wenn hier über 100 Leute im Speisesaal sind, versteht man manchmal sein eigenes Wort nicht."
"Vor 22 Jahren war ich zum ersten Mal in einer Jugendherberge – genau hier", erzählt Julia Rupp. Ihr erster Gedanke jetzt beim Wiedersehen: "Es schaut noch genauso aus wie früher." Florian Brodbeck, der zum ersten Mal als Siebtklässler in einer Jugendherberge übernachtet hat, teilt diese Erfahrung: "Das Haus in der Lüneburger Heide gibt es heute noch. Es hat sich kaum verändert."
Zum langlebigen Eindruck auch in der Jugendherberge Falkenberg trägt die solide Einrichtung bei. Schon seit den 1950er Jahren ist das Haus ein Jugendheim, früher gemeinsam von den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt/WN betrieben. Aus dieser Zeit ist nichts mehr übrig außer einem alten Holzschild, das heute an einer Scheune angebracht ist. In den 1980er Jahren übernahmen die Tirschenreuther den An- und Umbau alleine, eröffneten mit dem Jugendherbergswerk als Pächter eine moderne Übernachtungsmöglichkeit mit 176 Betten.
"Klassenfahrten haben wieder einen hohen Stellenwert", hat Brodbeck nach Corona beobachtet. "Wir haben aber auch einen großen Zuwachs an Familien, die nicht in ein Hotel wollen. Bei uns können die Kinder auch mal lauter sein." Gut funktioniere die Zusammenarbeit unter dem gleichen Dach mit dem Jugendmedienzentrum T1. Derzeit wird die nicht mehr benötigte Wohnung der Herbergsleiterin zu einem professionellen Studio umgebaut, dann wird das Angebot für junge Leute noch vielfältiger.
Eine Altersbeschränkung wie früher gibt es bei Übernachtungen in Jugendherbergen nicht mehr, erzählt der 44-jährige Leiter. Lediglich eine Mitgliedschaft im Jugendherbergswerk wird verlangt, Kostenpunkt für Familien 26 Euro im Jahr. "Das ist die Eintrittskarte für über 400 Häuser in Deutschland und 3000 weltweit", sagt Brodbeck. Alle 35 Standorte in Bayern und die Geschäftsstelle in München hat er übrigens auch in seiner Funktion als einer von 11 Betriebsräten für über 700 Mitarbeiter im Blick.
"Jedes Haus hat sein Alleinstellungsmerkmal", betont Brodbeck. In Falkenberg sei es die naturnahe Lage im Waldnaabtal. Für Abwechslung sorgten Aktionen wie Floßbau, Geocaching oder medienpädagogische Angebote. "Die Gäste wählen uns bewusst aus für ruhigere Tage", ergänzt Julia Rupp. Wobei es durchaus auch lebhaft werden kann: "Wir hatten mal einen Einzelgast, der eine Woche lang Eisenbahnen fotografieren wollte. Der hat das Leben in der Herberge mit den jungen Leuten total genossen."
Renovierung wird geprüft
"Die Arbeit wird nicht langweilig", sagt der neue Herbergsleiter bei einem Rundgang durchs Haus. Hier und da blättert die Farbe, sind Schäden an den viel beanspruchten Massivholzmöbeln auszubessern. Für die Instandhaltung des Innenlebens ist das Jugendherbergswerk zuständig, für das Gebäude der Landkreis.
Es gebe ein gutes Miteinander, stellt Florian Brodbeck fest. Freilich müsse man den Standort bei Falkenberg auch zukunftssicher machen, weiß er von entsprechenden grundsätzlichen Plänen. Wie das Landratsamt bestätigt, wird eine energetische Sanierung des Hauses und eine Modernisierung des Innenbereichs ins Auge gefasst. "Eine Renovierung wird nochmal richtigen Schwung bringen", freut sich der Herbergschef auf eine gute Zukunft an seinem neuen Arbeitsplatz mit der Adresse Tannenlohe 1.
Jugendherberge Falkenberg
- Erbaut: 1930 als Gaststätte
- Umwidmung: ab 1951 Jugendherberge der Landkreise Tirschenreuth und Neustadt/WN
- Modernisierung: 1985 Umbau durch Landkreis Tirschenreuth und Verpachtung an Deutsches Jugendherbergswerk, Jugendmedienzentrum 2008 im Dachgeschoss eingebaut
- Angebot: 176 Betten in 38 Zimmern (vom Zwei- bis Achtbettzimmer) mit Etagenduschen, Gemeinschaftsräumen, Sportplatz, Grillplatz
- Kosten: Übernachtung mit Frühstück pro Person zwischen 29 und 35 Euro
























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