Update 01.09.2018 - 20:38 Uhr
Oberpfalz

Tausende Demonstranten ziehen durch Chemnitz

Wieder Demonstrationen in Chemnitz. Tausende gehen auf die Straße, um gegen Fremdenhass oder die Flüchtlingspolitik zu protestieren. Die Polizei zeigt starke Präsenz. Doch mit zunehmender Zeit wird die Lage angespannter.

Rund 4500 Menschen nahmen an einem Marsch von AfD, Pegida und Pro Chemnitz teil. Foto: dpa

Chemnitz. Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot sind am Samstag rund 8000 Menschen verschiedener Lager bei einer Serie von Kundgebungen in Chemnitz auf die Straße gegangen.

Knapp eine Woche nach den tödlichen Messerstichen und den folgenden ausländerfeindlichen Ausschreitungen nahmen laut Versammlungsbehörde rund 4500 Menschen an einem gemeinsamen Marsch der AfD und des ausländerfeindlichen Bündnisses Pegida teil, dem sich auch Demonstranten der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz anschlossen. Zu einer zeitgleichen Veranstaltung für Frieden und gegen Ausländerfeindlichkeit kamen den Angaben zufolge rund 3500 Menschen auf einen Parkplatz bei der Johanniskirche. In den Nebenstraßen wurden zudem weitere hundert Teilnehmer gezählt.

Mit zunehmender Dauer der Veranstaltungen wurde die Stimmung in der Stadt angespannter. Der Zug mit rechten Demonstranten kam am frühen Abend nur stockend voran. Nach einem verspäteten Start wurde der Marsch kurz vor dem Denkmal mit dem Karl-Marx-Kopf wieder gestoppt und schließlich unter lautstarkem Protest abgebrochen. Wasserwerfer fuhren auf. Polizei und zahlreiche Demonstrationsteilnehmer standen sich auch nach Abbruch der Veranstaltung angespannt gegenüber.

Wie die Polizei mitteilte, versuchten Gegendemonstranten auf die Strecke zu gelangen. „Unsere Einsatzkräfte werden teilweise gezwungen, unmittelbaren Zwang einzusetzen! Noch mal unser Aufruf, bitte bleibt gewaltfrei!“, schrieb die Polizei via Twitter. Auch an anderen Stellen der Stadt musste die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben teilweise eingreifen.

Die Polizei zeigte seit dem Mittag starke Präsenz, außer mit den Wasserwerfen auch mit berittenen Beamten und gepanzerten Fahrzeugen. Sie wurde von Kräften aus mehreren Bundesländern und von der Bundespolizei unterstützt.

Zu der „Chemnitz-Nazifrei-Veranstaltung“ bei der Johanniskirche erschien neben Bundes- und Landespolitikern auch die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. „Von Sachsen und Chemnitz muss heute die klare Botschaft ausgehen: Wir werden mit allen Mitteln des Rechtsstaates den rechten Hetzern entgegentreten“, sagte die SPD-Politikerin.

Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und der Fraktionschef der Linken im Bundestags, Dietmar Bartsch, mischten sich unter die Teilnehmer. „Ich finde es ganz toll, dass die Stadtgesellschaft in Chemnitz aufsteht und ein klares Zeichen setzt, dass Hass, dass Gewalt, dass Rassismus in der Stadt nichts zu suchen haben“, sagte Bartsch der dpa. Auch die SPD wolle ein Zeichen setzen, sagte Klingbeil der dpa. „Wir stehen hinter den friedlichen Protesten, wir wollen, dass klar wird, die Mehrheit denkt hier anders, denkt nicht rechtsextrem, denkt nicht ausländerfeindlich.“

Vor knapp einer Woche war ein 35-jähriger Deutscher bei einer Messerattacke in Chemnitz getötet worden, zwei weitere wurden verletzt. Als Tatverdächtige sitzen ein Iraker und ein Syrer in Untersuchungshaft.

Polizisten schirmen die Demonstration von AfD, Pegida und Pro Chemnitz ab.

„Herz statt Hetze“: Ein Teilnehmer der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei hält ein Schild in Herzform hoch.

„Chemnitz ist weder grau noch braun“: Zwei Männer befestigen am Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz ein Plakat.

Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, spricht vor der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei mit Journalisten.

Berittene Polizisten patrouillieren vor dem Karl-Marx-Denkmal.

Manuela Schwesig, sozialdemokratische Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern ist nach Chemnitz gekommen.

Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz versammeln sich vor dem Karl-Marx-Denkmal, an dem immer noch ein Plakat des Bündnisses Chemnitz Nazifrei hängt.

Björn Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, demonstriert in Chemnitz.

Ein Demonstrant hat ein Schild mitgebracht.

Teilnehmer der Demonstration von AfD, Pegida und Pro Chemnitz tragen eine große Deutschland-Fahne. Foto: dpa

Nachdem die Polizei zunächst zurückhaltend im Stadtgebiet auf Streife war, stieg die Präsenz zum Nachmittag sichtbar an.

Wasserwerfer der Polizei stehen bereit.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil in Chemnitz: „Wir wollen, dass klar wird, die Mehrheit denkt hier (...) nicht ausländerfeindlich.“

Teilnehmer der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei halten Schilder hoch.

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