21.02.2020 - 17:27 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Test BMW 118d: An vorderster Front

Der 1er BMW hat sein Alleinstellungsmerkmal des Heckantriebs in der Kompaktklasse aufgegeben. Auch seinen sportlichen Charakter?

von Michael Ascherl Kontakt Profil

Wir testen den BMW 118d, der nicht unter 32 400 Euro zu haben ist, doch auch die direkte Konkurrenz - Audi A3 Sportback und Mercedes A-Klasse - gibt's ja nicht wirklich bei Netto. Hauptsache ein BMW, so scheint die Kaufentscheidung für den 1er getrieben, doch dafür gibt es auch Top-Qualität und jede Menge Freude am Fahren aus bayerischen Landen. Richtig gelesen: Die Wuseligkeit der Vorgänger ist dem 1er nicht abhanden gekommen. Auch er wirft sich mit Wonne in Kehren und Kurven, beschleunigt sauber aus dem Keller (350 Newtonmeter bei 1750 Touren) und federt gelassen ein. Nur wer die 150 PS bei starkem Lenkeinschlag oder nassem Geläuf abrupt losstürmen lässt, der wird das Wirken der Kräfte an den Vorderrädern bemerken und das traditionelle Konzept vermissen. Alle andere freuen sich über mehr Platz im Innenraum, auch wenn der natürlich nicht üppig ausfällt. Der 1er sitzt und passt, hat aber nicht übermäßig Luft um Scheitel und Schulter. Du kauerst tief im BMW, nah an der Straße. Der Diesel ist akustisch kaum wahrnehmbar, dafür melden sich ab etwa 150 Sachen Windgeräusche - nicht unangenehm, aber doch so, dass Radio und/oder Dialog ein paar Dezibel mehr brauchen. Wer mag, kann den 118d mit rund vier Litern Kraftstoff 100 Kilometer weit chauffieren. Wir kamen mit sechs Litern aus, was bei flotter Autobahnfahrt, gesetzeskonformem Landstraßentempo und Stadtfahrten im Mix einen hervorragenden Wert darstellt.

Der Einser ist teuer

Muss man noch Worte verlieren über das BMW-Feeling, das die Münchener in jedes ihrer Autos einbauen, in diese Zugewandtheit zum Fahrer, die sportliche Grundabstimmung, das Gefühl, eine harmonische Verbindung mit dem Blau-Weißen einzugehen? Hier adelt das Auto seinen Besitzer. Der allerdings sollte auch finanziell nicht zum Fußvolk gehören, zumindest dann nicht, wenn - wie beim Testwagen - die Häkchen in der Optionenliste großzügig verteilt werden. Leder für 1400 Euro, Lack in Mineralgrau für 700 Euro, 17-Zöller mit Bicolor-Doppelspeichenfelgen und Sportreifen für 1210 Euro oder das empfehlenswerte adaptive Fahrwerk (500 Euro) machen da erst den Anfang. Das Steptronic-Sportgetriebe gibt's für 2250 Euro, das Sport-Line-Paket für 3850 und das Business-Paket für 3100 Euro. Auch die Klimaautomatik lässt sich BMW extra bezahlen (550 Euro). Die adaptiven LED-Scheinwerfer (500 Euro) müssen sein, die Gestiksteuerung (300 Euro) hingegen ist verzichtbar.

Der Fahrer entscheidet

Interessant ist, wie die verschiedenen Hersteller mit der Geschwindigkeitsregelung umgehen. Manche lesen die Schilder und stellen das Tempo selbstständig ein. Der BMW erkennt zwar alle Limits zuverlässig, möchte mit einem Druck auf den "Set" Knopf aber zum Einhalten aufgefordert werden. Bis 60 km/h lässt sich ein Bonusbereich fix einstellen, darüber hält sich der Testwagen strikt an die Vorschriften. In der Praxis geht das dann so: In der Armaturen und auf dem Head-up Display leuchtet die aktuelle und kommende Geschwindigkeit auf. Sagen wir 80. Der Fahrer drückt "Set", der BMW fährt 80; um nicht von LKWs weggeschoben zu werden, drückst du eine Taste im Lenkrad einmal fest nach oben auf 90 oder mehrfach leicht auf 81-82-83 usw. Man kann sich daran gewöhnen oder 450 Euro für Extra "05DF" (aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop&Go-Funktion) weglassen. Was noch? Kofferraum für Einkauf und Paar-Reise okay, für Familien eher knapp. Der 1er ist auch als Fronttriebler in erste Linie ein BMW, aber jetzt auch einer unter gleichen (Antriebskonzepten).

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