27.11.2019 - 14:10 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Test Mercedes GLC 220D

Wer mit dem neuen Mercedes GLC unterwegs ist, sollte sich nicht über Autos unterhalten: Es könnte sein, dass sich jemand einmischt.

von Michael Ascherl Kontakt Profil

Im C-Klasse-SUV ist seit dem Facelift im April MBUX (Mercedes-Benz User Experience) eingezogen, Daimlers intelligente Sprachassistentin. Und jedes Mal, wenn die das Wort "Mercedes" hört, antwortet sie mit "Ja bitte?". Das ist im Alltag schön, weil die Stimme Wünsche aller Art erfüllt, nervt aber, wenn sie gar nicht gerufen wird. So gewöhnt man sich rasch daran, dass "M-Wort" zu vermeiden, sagt: "Da vorne fährt ein Auto mit Stern" statt "Mercedes" "Ja bitte?" Genau deshalb. Irgendwo in den Untermenüs lässt sich die Initialisierung per Sprache auch ausschalten und klassisch über eine Taste aktivieren. Was sie dann immer noch leistet, ist enorm. MBUX versteht mit der Zeit deinen Dialekt, regelt die Temperatur herunter, wenn du sagst, dir sei kalt und findet Ziele anhand selbstständiger Recherche im Internet auch ohne konkrete Adresseingabe. "Das Haus der bayerischen Geschichte" in Regensburg war auf Anhieb kein Problem, und auch Straßen ohne Ortsangabe werden angesteuert. Mehr noch: MBUX merkt sich deine Gewohnheiten. Wer zum Beispiel nach Feierabend immer zu Hause anruft, dem wird im Display nach einigen Tagen automatisch diese Nummer angezeigt. Ist auch nicht ganz ohne Risiko ...

Parfum inklusive

Der Assistenten gibt es viele im neuen GLC, und alle sind auf dem neuesten Stand der Technik. Dazu das intelligente Licht und - wie im Testwagen - ein Wohlfühlprogramm, das nicht nur entspannende Musik, sondern auch gleich den passenden Duft im Wagen verbreitet.

Der Testwagen kommt als 220er Diesel mit 194 PS, Allrad 4-Matic und automatisiertem 9-Gang-Getriebe. Trotz vorhandener Geländegängigkeit empfiehlt sich der GLC als Wagen für das entspannte Reisen. Mit einem Verbrauch von etwas mehr als sechs Litern Diesel (mit Harnstoff-Kat) zeigt dieser Vierzylinder, welches Potenzial im modernen Verbrenner steckt. 1000 Kilometer und mehr sind ohne Tankstopp drin. Allerdings hat der Testwagen den größeren 65-Liter-Tank an Bord.

Zwar sitzt man für einen SUV recht tief im GLC, dennoch kann er bei flotter Kurvenfahrt seine Hochbeinigkeit trotz Luftfederung und Fahrprofilen nicht wegschummeln. Er wirft sich eher um Kehren als dass er sie umkurvt. Wer das möchte, muss die C-Klasse nehmen. Innen wäre kaum ein Unterschied. Das heißt: kühle Funktionalität, geschmackssicher verbunden mit Lack und Leder: nie verspielt, immer sinnvoll und wie für die Ewigkeit gemacht. Klettere in einen 40 Jahre alten Benz, und du weißt, was wir meinen!

Der GLC bietet Platz in allen Abteilen; die Rücklehnen klappen von Federn gehalten auf Hebelzug zur ebenen Fläche, der Kofferraum hat ein Kellerabteil, und dort gibt es sogar einen zusammengefalteten Einkaufskorb. Apropos Einkauf: Die Heckklappe surrt selbstredend elektrisch auf, und wer beide Hände braucht, öffnet die Klappe mit schwungvollem Fußkick. Unser GLC verliert sich in diverse Lichtspiele. Das ist zauberhaft, aber verzichtbar. Ist der Grundpreis für den GLC 220d mit knapp weniger als 50 000 Euro schon happig, so beweist der Testwagen, dass sich ohne Mühe noch mal 50 Prozent dazu konfigurieren lassen.

220er reicht völlig aus

Der Antrieb ist seit dem Facelift leicht erstarkt, leistet nun 194 PS, und die reichen aus, um dank eines Drehmoments von 400 Newtonmetern, die es schon knapp über Standgas gibt, mühelos zu beschleunigen. Ein feiner Wagen also, dem alle Hektik und jede Form von Chi-Chi abgeht. Die entspannte Reise wird zum Vergnügen - so lange man nicht versehentlich "Mercedes" sagt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.