26.04.2021 - 18:23 Uhr
TeunzOberpfalz

Barbara Winkler und der Wasserdoktor: Täglich eine "Portion Kneipp"

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Kneippen stärkt das Immunsystem. Darauf setzen Gesundheitspädagogin Barbara Winkler aus Teunz und Gesundheitsminister Klaus Holetschek, bis Ende 2020 Präsident des Kneipp-Bunds. Zum 200. Kneipp-Geburtstag ist dessen Lehre populärer denn je.

Barfuß ist Kneippexpertin Barbara Winkler am liebsten unterwegs. Morgens schätzt sie den Kältereiz am neuen Bachlauf und auch ihren Garten-Pool als „Oase des Glücks“ in der Teunzer Siedlung.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Auch wenn viele beim Kneippen ans Wassertreten denken: Es ist nur eine von insgesamt fünf Säulen der Wirkprinzipien des vor 200 Jahren geborenen Allgäuer „Wasserpfarrers“ Sebastian Kneipp, der mit seiner Gesundheitslehre auf Natürlichkeit und Einfachheit setzte. „Mich fasziniert, dass mit so wenig so viel erreicht wird“, sagt Barbara Winkler beim Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion. Obwohl es ein typischer April-Tag ist, verzichtet die Teunzerin auf Schuhe: „Ich gehe zu Hause immer barfuß, auch im Winter.“

Sie kennt Kneipps Lehre schon von Kindesbeinen an: Der Großonkel fuhr jedes Jahr drei Wochen zum Kneippen nach Bad Wörishofen und auch Mutter und Oma waren überzeugt. 2013 startete sie ein Fernstudium und legte 2015 die Prüfung zur Gesundheitspädagogin SKA ab. Seither ist sie als Referentin unterwegs, hält Workshops in Kindergärten und Schulen und bietet Fußreflexzonenmassagen an. „Seit einem Jahr kein Vortrag und nichts mehr, aber ich bin froh, dass ich gesund bin“, sagt die zweifache Mutter. Kneippen sei kein Allheilmittel, aber als Prävention sehr hilfreich: „Mit dem anerkannten Naturheilverfahren kann man so viel erreichen. Man muss allerdings Geduld haben und es als Ritual in den Alltag einbauen.“ Winkler spannt den Bogen zur aktuellen Corona-Pandemie: „Auch hier kann mit einfachen Mitteln wie den AHA-Regeln, also Abstand halten, Hygiene beachten und im Alltag Maske tragen, das größtmögliche erreicht werden.“

Kneipp-Jahr 2021

Anlässlich des 200. Geburtstags am 17. Mai waren für das Kneipp-Jahr 2021 etliche Großveranstaltungen geplant. Doch der Virus ließ alle Termine platzen. Dabei war es auch eine ansteckende Krankheit, welche den „Wasserdoktor“ Ende des 19. Jahrhunderts berühmt machte: Kneipp behandelte damals Tuberkulose- und Cholera-Patienten nach seiner eigenen Erfahrung vor allem mit Wassergüssen und Heilkräutern. Mittlerweile halten zahlreiche Menschen sein Erbe am Leben. So wie Barbara Winkler, die im Vorstandsteam des Fensterbacher Kneippvereins mitarbeitet. Sie erzählt, dass der neue bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek bis Ende 2020 Präsident des Kneipp-Bundes war und dass die Lehre 2015 zum immateriellen Kulturerbe gekürt wurde. Und sie stellt klar, dass neben dem Wasser auch Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen und innere Balance zu den fünf Grundelemente gehören. Ein Kneipp-Zitat: „Erst als ich Ordnung in die Seele der Menschen gebracht habe, hatte ich Erfolg.“

Barbara Winkler findet es gut, dass das ganzheitliche Naturheilverfahren auf jeden Menschen individuell zugeschnitten werden kann: „Für jeden ist etwas dabei.“ Bei ihren Vorträgen zum Thema „Hydrotherapie nach Kneipp – die Heilkraft des Wassers (wieder) nutzen lernen“ stellt sie klar, dass Personen, die dasselbe Problem haben, nicht mit den selben Reizerfahrungen erfolgreich sein müssen: „Jeder Körper ist unterschiedlich sensibel.“ Während bei dem einen schon Tautreten reiche, bräuchten andere Wassertreten als Reizstärke. Übrigens: Als einfache Abhärtungsmethode hat Kneipp das Barfußlaufen im flachen Wasser, auf taufrischen Wiesen und im Schnee empfohlen. „Auch das wieder aktuelle Eisbaden gehört dazu“, betont Winkler. Doch jeder müsse für sich selber herausfinden, was gut tut, beziehungsweise welchen Reiz er zum Ausbalancieren des Körpers benötigt: „Aufputschen oder nach unten regulieren.“

Barbara Winkler schätzt den morgendlichen Aufenthalt bei Vogelgezwitscher im Garten-Pool. Fast jeden zweiten Tag baut sie einen Ganzkörper-Guss in den Alltag ein: Im Sommer mit dem Gartenschlauch und im Winter mit dem Kneippschlauch in der Dusche. „Der Kneipp-Guss ist ein gebündelter Wasserstrahl ohne Duschkopf“, erklärt die Expertin. Ihr Tipp: „Die Beigabe von Apfelessig zu Bädern und Waschungen verstärkt die Wirkung.“ In der Hydrotherapie gibt es rund 120 verschiedene Anwendungen, die alle auf thermische Reize aufbauen. Diese regulieren, stimulieren oder dämpfen die normalen und krankhaften Funktionen im Körper. Die Fachfrau appelliert: „Jeder Anwendung nur auf den warmen Körper!“ Das Wasser müsse frei ablaufen können und dürfe nur abgestreift, nicht abgetrocknet werden. Hinterher sei die sofortige Erwärmung (Sport, Kleidung, nochmalige Bettruhe) wichtig. Bei Nieren- oder Blasenentzündungen sollte auf Güsse verzichtet werden. Ein weiterer Tipp: „Fern vom Herzen und mit dem Ausatmen anfangen.“

Knieguss bei Kopfschmerzen

Einige Beispiele: Eine Oberkörperwaschung helfe unter anderem bei rheumatischer Erkrankung, Erschöpfung, Kreislaufstörung oder Erkältungsanfälligkeit. Der Knieguss könne bei Kopfschmerzen, Durchblutungsstörungen, Krampfadern oder Hitze- und Schweregefühl in den Beinen angewandt werden. Ein ansteigendes Fußbad (Steigerung der Wassertemperatur) helfe bei Erkältungskrankheiten oder Menstruationsbeschwerden.

Eigenverantwortung

Barbara Winkler ist eine Kneippianerin durch und durch: "Kneipp ist ein Teil von mir und gehört zu mir wie das tägliche Brot." Ihr sei es wichtig, "Eigenverantwortung für meinen Körper zu übernehmen." Ihren Garten bezeichnet sie als "Oase des Glücks" und als Ort des Wohlbefindens, wozu natürlich auch ein Kräuterbeet gehöre. Die Teunzerin appelliert daran, selbst etwas zu tun, anstatt die Verantwortung an Arzt und Tabletten abzugeben: "Mit der Anwendung der gesundheitlichen Lehre von Sebastian Kneipp entwickelt das Immunsystem mehr Abwehrfunktionen." Auch sie hat andere Zeiten hinter sich. Deshalb ist sie jetzt froh über ihr Wissen und die Erkenntnis: "Kneipp hat mir einen neuen Weg aufgezeigt." Ihr Workshop im Freilandmuseum Neusath ist wegen Corona für diese Woche abgesagt. Vielleicht klappt's ja im Herbst.

Mit Kneipp gesund bleiben: Vortrag von Barbara Winkler

Oberviechtach

"Kneipp ist ein Teil von mir und gehört zu mir wie das tägliche Brot."

Gesundheitspädagogin und Kneippexpertin Barbara Winkler

Gesundheitspädagogin und Kneippexpertin Barbara Winkler

Zum Kneipp-Jubiläumsjahr 2021 gibt es Bücher und Kalender.
Barfusslaufen härtet ab.
Barbara Winkler setzt auf Fußreflexzonenmassagen.
Hintergrund:

Sebastian Kneipp und seine Gesundheitslehre

  • Geboren wurde Sebastian Kneipp am 17. Mai 1821. 1852 wurde er zum Priester geweiht und starb mit 76 Jahren in Dominikanerinnenkloster in Wörishofen.
  • Als junger Mann erkrankte Kneipp an Tuberkulose, die er mittels Wasseranwendungen überlebte. Dabei sammelte er auch Erfahrungen zur naturgemäßen Lebensweise.
  • Sein Motto: "Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für seine Krankheit opfern."
  • Die fünf Säulen seiner Lehre: Hydrotherapie (Heilmittel Wasser für Wechselgüsse, Bäder, Wickel, Waschungen); Phytotherapie (Heilkräuter von Tee bis Salbe); Ernährungstherapie (möglichst naturbelassene Vollwertkost); Bewegungstherapie (täglich in Alltag integrieren); Ordnungstherapie (Körper, Geist und Seele im Gleichgewicht halten mit Wechsel von Ruhe und Anstrengung.
  • Es gibt viele Kneipp-Kurorte. Am bekanntesten: Bad Wörishofen im Unterallgäu. Bayerns jüngstes Kneippheilbad ist in Bad Kötzting.
  • Dachverband ist der Kneipp-Bund. Vorsitzender bis Ende 2020 war der neue Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

 

 

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