12.04.2019 - 12:25 Uhr
TeunzOberpfalz

Mit Bauchgefühl in die Politik

Die „Volkspartei ohne Volk“ wurde die SPD im Herbst 2018 nach dem Absturz bei der Landtagswahl betitelt. Gerade das ist aber der Grund, warum sich ein junger Teunzer für die Gründung eines SPD-Ortsvereines stark macht.

Johannes Kretschmer (19) will sich für seine Heimatgemeinde einsetzen. Der aktive Jungsozialist hat deshalb die Gründung eines SPD-Ortsvereins Teunz initiiert.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Alle sprechen von der Erneuerung der SPD, aber das geht nur von der Basis her.

Johannes Kretschmer

Es war die Katastrophe, die viele Genossen in Bayern so nicht erwartet hatten: Die Wähler honorierten den Wahlkampf mit nur 9,6 Prozent der Stimmen, halb so viel wie noch im Jahr 2013. „Das ist total in die Binsen gegangen. Für mich war es aber auch der Moment, jetzt etwas zu tun“, sagt Johannes Kretschmer aus Teunz beim Pressegespräch mit Oberpfalz-Medien. Und er machte Nägel mit Köpfen: Am Palmsonntag, 14. April, gründet er zusammen mit weiteren sechs Mitstreitern den SPD-Ortsverein Teunz.

Spaß am Debattieren

„Für Politik hab ich schon immer gebrannt“, erklärt der junge Mann, der in Regensburg im zweiten Semester Politikwissenschaft und öffentliches Recht studiert: „Als 13-Jähriger verfolgte ich politische Debatten auf Phönix und mit 15 wollte ich unbedingt ein Praktikum im Bundestag machen.“ Er sprach MdB Marianne Schieder bei einer Veranstaltung am Ortenburg-Gymnasium an und es klappte: Als einer der Jüngsten war er im Juni 2015 bei der jährlichen Aktion des Bundestages „Jugend und Parlament“ in Berlin dabei. Zusammen mit über 300 Teilnehmern schlüpfte er für vier Tage in die Rolle eines fiktiven Bundestagsabgeordneten. „Das war eine einmalige Erfahrung“, erinnert sich der Oberpfälzer und betont: „Diskutieren und Debattieren macht mir Spaß.“ Er habe viele Kontakte knüpfen können und dabei auch ein „Bauchgefühl für die SPD“ entwickelt: „Die Jusos spiegeln am ehesten meine Einstellung wider.“

Daraufhin brachte er sich bei den Jungsozialisten ein: stellvertretender Unterbezirks-Vorsitzender und Beisitzer in der Bezirksvorstandschaft Oberpfalz. Bei der Aktivierung der Jusos Oberviechtach übernahm er 2017 einen Vorstandsposten. Johannes Kretschmer wurde Mitglied und stellvertretender Vorsitzender beim SPD-Ortsverein Oberviechtach, fungiert als Beisitzer im Kreisverband und im Unterbezirk. Doch warum will er in seinem Heimatdorf einen SPD-Ortsverein aus der Taufe heben? „Ich will mitreden und mitgestalten. In Oberviechtach kann ich mitarbeiten, aber nicht kandidieren“, erklärt der Fußballer des FC OVI-Teunz und ergänzt: „Wenn man seinen Ort mitgestalten will, muss man sich einbringen“ Sein Ziel: Als SPD-Ortsverein mit einer eigenen Liste bei den Kommunalwahlen 2020 in Teunz antreten. „Unsere Inhalte legen wir nach der Gründung gemeinsam fest.“

Mitglieder werben

In den vergangenen Wochen hat er zusammen mit Stefan Winklmann (19) die notwendigen Gründungsmitglieder akquiriert. „Wir sind offen für jeden, der mitgestalten will. Das Alter spielt dabei keine Rolle“, betont Kretschmer. Seine Eltern unterstützen ihn bei den politischen Ambitionen, und auch in der Bevölkerung hatte er bisher nur positive Rückmeldungen. Eine Äußerung dabei war: „Es kann nicht schaden, wenn es in Teunz eine dritte Partei gibt.“ Er weise die Leute im Gespräch immer auch darauf hin, dass es um die kommunale Ebene geht, wenn kritische Worte fallen, wie „Die machen so viel Schmarrn in der GroKo“. Und der junge Teunzer betont: „Alle sprechen von der Erneuerung der SPD. Aber das geht nur von der Basis her.“ Ihm sei es deshalb wichtig, einen Ortsverein zu gründen, „weil man nur dort die Grundbedürfnisse der Menschen am Land wahrnehmen kann“.

Johannes Kretschmer und seine Mitstreiter hoffen, dass am Sonntag um 10 Uhr viele Bürger ins Fuchsberger Wirtshaus kommen: „Einfach unverbindlich vorbeischauen und hören, was die junge Staatssekretärin Michelle Müntefering zu sagen hat.“ Auch Bezirksvorsitzender Franz Schindler schaut vorbei und natürlich ist auch MdB Marianne Schieder mit von der Partie.

Staatsministerin Michelle Müntefering (39) referiert am 14. April in Fuchsberg zum Thema „In Vielfalt geeint – die Stärken eines gemeinsamen Europas der Kulturen“.
Marianne Schieder schiebt an:

"Ein roter Farbtupfer in Teunz kann nicht schaden"

MdB Marianne Schieder ist mit „schuld“ daran, dass sich Johannes Kretschmer politisch engagiert. Oberpfalz-Medien fragte nach, wie sie den Jungpolitiker einschätzt:

„Meine Verbindung zu Johannes Kretschmer ist schon ziemlich alt. Ich habe ihn als kleinen Buben im Kleintierzuchtverein Unterauerbach, bei dem ich seit Jahrzehnten Schirmfrau bei der alljährlichen Ausstellung mit Züchterabend bin, kennengelernt. Sein Großvater war dort jahrzehntelang Vorsitzender und Johannes ein erfolgreicher Jungzüchter. Später hat er auf meine Einladung bei „Jugend im Parlament“, einem politischen Planspiel im Deutschen Bundestag, mitgemacht.

Johannes ist ein sehr aufgeweckter und intelligenter junger Mann, der mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht und diese aktiv mitgestalten will. Er ist politisch sehr interessiert und hat – wie man in der Oberpfalz sagt – auch einen ,Trauderer’. Er hat nicht nur vor zwei Jahren mit einigen Gleichgesinnten die Jusos Oberviechtach und Umgebung gegründet, wo er gleich Vorsitzender wurde, sondern ist überall aktiv dabei: beim Wahlkampf, bei Konferenzen und wo immer er mithelfen und mitarbeiten kann. Vor einiger Zeit hat mich Johannes gefragt, was er unternehmen muss, um einen Ortsverein zu gründen. Das habe ich ihm natürlich gerne erklärt. Die nötigen sieben Gründungsmitglieder hat er inzwischen beisammen. Ich freue mich, wenn sich junge Menschen für unsere Demokratie engagieren und selbst die Initiative ergreifen. Ein roter Farbtupfer kann im sonst politisch eher dunkel gefärbten Teunz sicherlich nicht schaden.“

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Ich freue mich, wenn sich junge Menschen für unsere Demokratie engagieren und selbst die Initiative ergreifen. Ein roter Farbtupfer kann im sonst politisch eher dunkel gefärbten Teunz sicherlich nicht schaden.“

MdB Marianne Schieder (SPD)

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