28.04.2019 - 09:00 Uhr
ThansteinOberpfalz

Sammler sucht Museum

Exklusive Zigarrenkisten, leuchtend bunte Reklameschilder, Bierkrüge und schwere gusseiserne Öfen: Herbert Männer ist seit Jahrzehnten ein begeisterter Sammler. Mit 80 macht er sich nun Gedanken, was aus seinen Schätzen werden soll.

Eine ganze Wand ist für Bier-Reklame aus der Oberpfalz reserviert.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Wer in den vergangenen Jahren das Thansteiner Reklame-Museum besucht hat, kennt nur einen Teil der umfangreichen Zeugnisse aus der Vergangenheit, die Herbert Männer in rund sieben Jahrzehnten zusammengetragen hat. Doch nun sind die Schilder zum Teil wieder verpackt, denn die Ausstellungsräume in der alten Schule werden zu Senioren-Wohnungen umgebaut. Jetzt lagert die "Reklame" zwischen unzähligen Blechdosen und alten Illustrierten-Bänden oder in einer Scheune neben dem Wohnhaus. Ein ganze Wand ist da bestückt nur mit Emaille-Schildern, die vom Glanz längst untergegangener Brauereien zeugen und wie eine Landkarte die Bedeutung des Gerstensafts in der Oberpfalz spiegeln.

"Allein in Thanstein gab es bei 300 Einwohner drei Brauereien", erzählt Männer von der Blütezeit der Braukunst um 1900. "Auf den Dörfern gab es damals ja außer in der Landwirtschaft nur Arbeit als Steinklopfer oder eben in der Brauerei." Schon früh hat der 80-Jährige sein Herz an Dinge verloren, die in Serie daher kamen. "Das begann, als ich sieben Jahre alt war und die Amerikaner ins Land kamen", erzählt der heute 80-Jährige. "Da habe ich angefangen, Zigarettenschachteln zu sammeln, Chesterfield oder Lucky Strike, und das ist dann ausgeartet." Längst ist vor lauter Objekten kein Platz in der Scheune, die eigentlich für gesellige Feiern gedacht war. Im Flur des Wohnhauses reihen sich mehrere reich verzierte Öfen aneinander, und komplette Zimmer sind mit Regalen voller Blechdosen oder Vitrinen belegt.

In seinem Berufsleben ist Herbert Männer viel herumgekommen, entsprechend groß war die Beute, die er mit nach Hause brachte. "Für diesen Ofen hier mussten schon vier Personen mit anpacken", erzählt er und deutet auf ein amerikanisches Modell mit einem besonders "romantischen" Glimmerglas vor dem Brennraum. Nun, im Seniorenalter, macht er sich Gedanken darüber, was aus der umfangreichen Sammlung werden soll. "Meine Kinder sind beide keine Sammler", stellt er fest, "und jetzt wird es Zeit, die Sammlung irgendwo unterzubringen, ich will schließlich nicht, dass das alles auf der Schutthalde landet". Doch statt weniger sind die Objekte kürzlich erst mal mehr geworden, weil der Nachlass seiner Schwester dazugekommen ist. Bislang war die Suche nach einem Träger für die Zeugen der Alltagskultur jedoch erfolglos.

Doch die ganzen Schätze richtig zu lagern, ist ein Problem. Denn ohne relativ gleichmäßige Temperatur leiden die Objekte. Ohnehin ist das Papier des alten Zeitschriftenbands schon etwas brüchig, in dem 1914 ganz aktuell von der Ermordung des Erzherzogs und Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo berichtet wird oder vom Tod Ludwigs II. im Starnberger See (1886). Statt Fotos gibt es zum Text detaillierte Zeichnungen vom untergehenden König. Wer weiter blättert, stößt auf witzige Werbe-Anzeigen oder farbenprächtige Hochglanz-Reklame mit Jugendstil-Elementen.

"Dieses Zeug kann man doch nicht wegwerfen", seufzt der passionierte Sammler, der zu vielen seiner Objekte auch eine Geschichte beisteuern kann. Wie wichtig das ist, hat er bei seinen Führungen durch das inzwischen aufgelöste Reklame-Museum gelernt: "Da geht es nicht nur um Alltagskultur, sondern auch um Werbetechnik und Psychologie." Von der verführerischen Suleika auf der Teedose bis hin zum Zahnpasta-Inserat mit Totenkopf reichen die Beispiele, die auch noch in Jahrzehnten ein Publikum entzücken sollen. Und weil die Gegenwart von heute die Vergangenheit von morgen ist, stehen in den Regalen des Thansteiner Sammlers auch ein paar aktuelle Kaffeedosen aus dem Supermarkt.

Die schönen Alltagsgegenstände aus vergangenen Epochen haben es Sammler Herbert Männer angetan.
Plastische Werbung und romantische Öfen: All das will Sammler Herbert Männer auch der Nachwelt zugänglich machen.
Bierkrüge über Bierkrüge: Hier wird deutlich, wie reich die Oberpfalz an Brauereien war. Sammler Herbert Männer schätzt die Zahl zur Blütezeit um 1900 auf etwa 1000.
Schachteln Gläschen und Dosen: Viele dieser Produkte haben einen Wiedererkennungswert, auch wenn sie längst vom Markt verschwunden sind.
Ein Schatz für viele Forscher sind die alten Zeitschriften, die Sammler Männer aufbewahrt.
Verlockung in der Dose: Suleika wirbt für Tee.
Diese Geräte passen zwar nicht ganz in die Sammlung, trotzdem haben sie in Thanstein eine Herberge gefunden.
Zahnpasta-Werbung anno dazumal.
Ein Hingucker ist diese Werbung für Schokolade und Kakao.
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