15.01.2019 - 17:38 Uhr
TheisseilOberpfalz

Die Wunderheilung von St. Felix

Hammerharlesberg hat nicht nur eine lange Tradition in der Eisenverhüttung. Eine Ziegelhütte prosperiert jahrhundertelang in dem Ort. Einer der Arbeiter betet zum Heiligen Felix und wird von langer Krankheit geheilt. So entsteht auch das heutige Kloster St. Felix.

Das hinter Büschen und Bäumen versteckte und mitgenommene Zieglerhaus ist das letzte Zeugnis des blühenden Ziegler-Handwerks in Hammerharlesberg.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Auf eine lange Tradition in der Eisenverarbeitung verweist der Name Hammerharlesberg. In der Zeit der Herrschaft der Lobkowitzer im 16. und 17. Jahrhundert stand in dem Ort nicht nur ein Eisenhammer, sondern auch eine erfolgreiche Ziegelhütte. Eine Amtsrechnung belegt, dass hier in zehn Öfen Mauer-, Pflaster- und Dachziegel gebrannt wurden. Der Steuerbetrag, der zu zahlen war, betrug 1672 rund 104 Gulden.

Als Ziegler wird 1643 ein Thomas Ardung erwähnt. Ihm folgten über zehn weitere Besitzer. 1903 kaufte der Landwirt Michael Scheidler von Harlesberg die Ziegelei mit sechs Tagwerk Lehmgrube. Die letzte Besitzerin war seine Tochter Maria, die verwitwet in München lebte.

In den Folgejahren wurde der Betrieb abgebrochen. Nur noch das ehemalige Ziegler-Haus verweist eingewachsen und verwahrlost auf die Lobkowitzer-Zeit, in der rund 300 Jahre Ziegel hergestellt wurden. Großzügig wie die fürstliche Familie war, erhielten die Neustädter und Altenstädter aus Gnade der Landesherren jeden dritten Ziegel aus Hammerharlesberg kostenlos zum Erhalt ihrer Häuser. Kein Wunder, dass die Menschen in der fürstlichen Grafschaft nicht "erbaut" waren, als sie 1806/07 plötzlich bayerisch wurden.

Unglücke

Wo gearbeitet wird, passieren auch Unglücke. Aus dem Jahr 1819 wird berichtet, dass eine Lehmgrube einstürzte und den 30-jährigen Ziegler Johann Schweizer erschlug. Fast vergessen ist, dass vom Bahnhof Altenstadt/WN aus noch in den 1950er Jahren eine Schienenstrang nach Hammerharlesberg führte. Hier wurden Waren aller Art für die Hammermühle und die Ziegelei an- und abgeliefert. Heinz Schmidt, der heute das Wasserkraftwerk betreut und in Altenstadt/WN geboren wurde, erinnert sich noch gut daran. Bei genauem Hinsehen ist noch eine leichte Erhebung in den Naabauen zu erkennen, auf der die Schienen einst verliefen.

Rund 100 Jahre nach der namentlichen Erwähnung des ersten Zieglers, geht der junge Ziegler Johannes Mayerhöfer in die Geschichte des heutigen Klosters St. Felix ein. Über acht Monate war Johannes krank und konnte sich nur noch mühsam vorwärts bewegen. Keine Medizin schlug an, die Ärzte wussten nicht mehr ein noch aus. Sie hatten ihn schon fast aufgegeben und auch er befürchtete sein nahes Ende. Da träumte er, er hätte mit seinen Arbeitern in Neustadt in der Nähe der Felix-Statue bei dem dort wohnenden Arzt gearbeitet.

Am Morgen quälte er sich aus dem Bett, nahm seine Krückstöcke und machte sich geschwächt, trotz aller Mahnungen seiner Familie, auf den Weg zum Kloster. Mühsam und mit letzter Kraft erreichte er auf Knien rutschend die Statue des Heiligen Felix. Sie hatte der fürstliche Stadtrichter Christof Ulrich von Weinzierl von Neustadt/WN 14 Jahre zuvor gestiftet, da er von einem schweren Fieber erlöst wurde. Vor der hölzernen Statue nahm Johannes seinen Rosenkranz und betete ihn ganz.

Und dann geschah ein Wunder. Am Ende des Rosenkranzes stand er frisch und wie neugeboren auf. Sofort eilte er nach Neustadt in ein Wirtshaus, stärkte sich mit einer Brotzeit und Bier zur Verwunderung aller, die ihn kannten. Vor den Augen der Leute nahm er die Pflaster an seinen Beinen ab und bekannte: "Der Sankt Felix ist mein Doktor gewesen." Der Kapuziner-Pater Corbinian schrieb diese Geschichte im Wunderbuch des Klosters auf.

Hölzerne Kapelle

Die Kapuziner kamen 1710 ins Kloster, sie ernannten den Heiligen Felix von Cantalice zu ihrem Schutzpatron. Nach über 300 Gebetserhörungen setzten sich die Kapuziner 1729 für den Bau einer hölzernen Kapelle ein, aus der sich die heutige Kirche entwickelte.

Bald genügte sie dem Ansturm der Gläubigen nicht mehr. So wurde 1735 gleichzeitig mit der Einweihung einer größeren, steinernen Kapelle das erste Felix-Fest gefeiert. Der Zustrom der Wallfahrer, die bis aus dem Böhmischen kamen, wurde immer stärker, so dass 1738 mit dem Bau einer noch größeren Kirche begonnen wurde.

Der junge Ziegler Johannes Mayerhöfer aus Hammerharlesberg, wahrscheinlich an schwerer Gicht erkrankt, wurde laut Mirakelbuch durch ein Wunder geheilt. In der Klosterkirche St. Felix in Neustadt/WN ist das in einem Deckenfries festgehalten.
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