22.04.2019 - 13:36 Uhr
Theuern bei KümmersbruckOberpfalz

Archäologen finden Reste von Grubenmeilern

Seit knapp einem Monat wird in Theuern gegraben und geschürft, vermessen, gezeichnet fotografiert und katalogisiert: Archäologen haben nun herausgefunden, dass auch in Theuern Erz verhüttet wurde.

Noch deutlich sind in einem Meter Tiefe die schwarzen Verfärbungen durch Teer, Holzkohle und Verhüttungsschlacke zu sehen, wie sie durch den Betrieb von Meilern entstehen
von Klaus HöglProfil

An der Vils wird im Auftrag der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landratsamt gegraben, das Wasserwirtschaftsamt Weiden hat im Rahmen des Hochwasserschutzes die Grabungen veranlasst. Auf der Baustrecke des geplanten Hochwasserschutzes muss akribisch festgestellt werden, ob im gewachsenen Boden archäologisch bedeutende Befunde vorhanden sind. Danach nämlich, wären diese unwiderbringlich verloren, weil ein Damm darauf und ein Kanal darunter errichtet wird. Danach gibt es nur mehr die bis ins Detail gehenden Aufzeichnungen der Archäologen.

Die Grabungsarbeiten dauern bis Juni: "Das wird noch interessanter, bisher gefundene Scherben lassen sich ins 8. bis 9. Jahrhundert datieren", ist Grabungsleiter Dr. Matthias Leicht aus Weißenburg sicher. Er ist mit seinem Team bereits gut einen Meter tief ins Erdreich eingedrungen. Die Vils war damals schon Lebensader, Aufenthalts- und Arbeitsort für die Menschen. "Es könnten auch in Nähe des Hammerschlosses Bestattungen stattgefunden haben", sagt Leicht. Dafür aber haben sich bisher noch keine Hinweise gefunden, wohl aber dafür, dass die dort in direkter Umgebung der Vils siedelnden Menschen, offenbar reichlich Erzverhüttung betrieben haben, dass wohl auch Eisenhämmer im Betrieb waren. Das zeigen ganz deutlich die schwarzen Ablagerungen, aus Verhüttungsschlacke, entstanden durch den Betrieb von Grubenmeilern mit Teer oder Holzkohle. Eine Vielzahl von Pfostenverfärbungen lässt darauf schließen, dass dort eine vorgeschichtliche Siedlung direkt im Bereich der Vils gestanden haben muss. Einen direkten Nachweis dafür gefunden zu haben findet Leicht "höchst spannend".

Nun muss nach Grabungsende wohl nicht die Geschichte Theuerns neu geschrieben werden, ein hochinteressantes Indiz aber, dass es dort schon viel früher Siedlungen mit Verhüttung gegeben hat, sind die Grabungen aber bislang allemal.

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Vorne Pfostenverfärbungen aus vorgeschichtlicher Zeit und hinten Mauerreste wohl ein paar hundert Jahre alt
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