06.02.2019 - 17:05 Uhr
Theuern bei KümmersbruckOberpfalz

Sanierung in Theuern: Neue Technik fürs alte Schloss

Brautpaare müssen sich noch gedulden - und woanders Hochzeit feiern. Das ist im Schloss Theuern momentan nicht möglich. Hier könnten allenfalls die Handwerker tanzen. Aber die haben anderes zu tun: Sanieren - und zwar auf Hochtouren.

Nicht nur für Landrat Richard Reisinger ein ganz besonderer Ort: Der große Saal im Theuerner Schloss, dessen charakteristische Balken-Konstruktion an einen Bergbau-Schacht erinnert.
von Heike Unger Kontakt Profil

Es ist eine große Baustelle für Landrat Richard Reisinger. Der ist froh, dass bei diesem lange überfälligen Projekt Einigkeit im Kreistag erzielt wurde. Schließlich sei "Theuern in früheren Zeiten immer ein Reizwort" gewesen, über das viel gestritten wurde. Das ist vorbei, die Sanierung läuft inzwischen seit Sommer 2017 und soll in drei Bauabschnitten bis Frühjahr 2023 über die Bühne gehen.

Damit bleibt dieser Landkreis-Beitrag zur Kultur und Montangeschichte der Region erhalten, wie Reisinger betont. Der "Mix aus musealer und kultureller Nutzung bis hin zur Saalvermietung" habe sich bewährt. Er bekommt nun einen neuen Rahmen, denkmalgerecht saniert, energetisch und technisch auf dem Stand der Zeit, dem Brandschutz entsprechend und endlich auch barrierefrei: Drei Aufzüge schaffen künftig nicht nur behindertengerechte Zugänge zu den Räumen, sondern erleichtern auch die Logistik. Bislang mussten nicht nur schwere technische Ausstattung, sondern auch Rollstuhlfahrer, über Treppen ins obere Stockwerk gebracht werden.

Säle nicht in Betrieb

Derzeit ist das nicht nötig, denn die beiden Säle sind nicht in Betrieb. Zum Leidwesen vieler Brautpaare, die die Atmosphäre des Schlosses für Hochzeiten sehr schätzen. Nicht nur deswegen "fehlt uns der kleine Saal wirklich schmerzlich", wie Reisinger zugibt. Aber dafür wird alles auf den neuesten Stand der Technik gebracht - bis hin zu einer neuen Lüftung und einer Holzpellet-Heizung.

Da das Museum auch während der Bauarbeiten geöffnet bleibt, sei die Saalsperrung für die Bevölkerung der spürbarste Einschnitt. "Da steigern wir jetzt mal die Vorfreude", meint Reisinger augenzwinkernd und ist sich sicher, die Bürger "werden sich wieder am Saal freuen", wenn er fertig ist. Optisch übrigens werde sich allerdings gerade am großen Saal nicht viel ändern. Insbesondere die charakteristische Holzbalken-Konstruktion, die vielen besonders ans Herz gewachsen ist, weil sie an einen Bergbau-Schacht erinnert, bleibt erhalten.

Auf die"großen statischen Problemen" in Teilen des historischen Gebäude-Ensembles verweist Hubert Saradeth vom Gebäudemanagement des Landkreises beim Baustellen- Rundgang: Hier seien einst Deckenbalken aufs Gewölbe gesetzt worden, was zuletzt dazu geführt habe, dass Einsturzgefahr bestand. Die ist behoben, die vom Marder zerfetzte Dämmung ist ersetzt, ein neuer Boden aus zehn Zentimeter starken Bohlen verlegt den "hässlichen Teppich" und sorgt für eine schöne Atmosphäre in den künftigen Museumsräumen. Auch ein anderer, wenig schöner Anblick, ist Vergangenheit: Die früher sichtbar verlegten Kabel sind in Schächten verschwunden.

Probleme im Schweinestall

Eine besondere Herausforderung war der ehemalige Schweinestall. Die Sanierung hier sei wesentlich zeitaufwendiger gewesen als zunächst angenommen. Das Gewölbe war durch Salze aus der Gülle der Tiere schwer beschädigt. Eigentlich hätte man diesen Teil abreißen müssen, sagt Saradeth - doch dabei habe der Denkmalschutz nicht mitgespielt. Falscher Putz hatte das Problem verschärft. Inzwischen sorgt ein Spezialputz dafür, dass die Salze, die in der Substanz stecken, künftig so auskristallisieren können, dass sie keinen Schaden mehr anrichten. Dieser erste Bauabschnitt ist inzwischen weitgehend fertig und auch im gesteckten Kostenrahmen geblieben, wie Landrat Reisinger bilanziert.

Der zweite Bauabschnitt widmet sich nun dem Südflügel mit den Sälen. Baubeginn soll im März sein, wie schon im Abschnitt 1 zunächst mit Arbeiten an Dach, Dachstuhl und dem Gewölbe des ehemaligen Pferdestalls. Auch der Schacht des neuen Personenaufzugs befindet sich hier, ebenso wie das Provisorium der Heizung. Fertig werden soll dieser Teil im Frühjahr 2021.

Nur der Elektriker weiß, welches Kabel hier wohin führt.
Endlich ein Aufzug. Drei werden es insgesamt.
Ein großes Thema dieser Sanierung: Der richtige Putz.
Hintergrund:

Sanierung in Zahlen

Die Gesamtkosten der Sanierung des Kulturschlosses Theuern/Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern liegen bei rund 10 550 000 Euro. Aufgeteilt sind sie auf 2 143 000 Euro für Bauabschnitt (BA) 1, 4 528 000 Euro für BA 2 und 3 879 000 Euro für BA 3. Bis 2017 liefen Planung, Genehmigungs- und Förderverfahren. Bauabschnitt 1 hat im Frühjahr 2017 begonnen und soll im Frühjahr 2019 fertig werden. Damit beginnt BA 2, bis Frühjahr 2021 terminiert. Ihm folgt BA 3 bis zum Frühjahr 2023.

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