900 Jahre Thurndorf: Am Rande des Kütschenrain

Unzertrennlich sind der Ort Thurndorf, der in diesem Jahr 900-jähriges Bestehen feiern kann und der Kütschenrain, der Hausberg der Thurndorfer. Dieser hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Blick vom Grenzberg Kütschenrain hinunter nach Thurndorf.
von Fritz FürkProfil

Der Kütschenrain soll eine Renaissance erleben. In Planung sind zwei Rundwanderwege mit Hinweistafeln, die über Geschichte und Geologie informieren. Die Inhalte der Info-Tafeln liefert der Geopark Bayern – Böhmen. Mit im Boot sitzt auch die Marktgemeinde Kirchenthumbach. Angedacht sind zwei Wege, eine größere Schleife und ein kleinerer Parcours für Familien mit Kindern, der zudem kinderwagentauglich ist. Eine Station wird der Aussichtsturm bei der Kalvarienbergkapelle sein, der vor wenigen Jahren errichtet wurde und gut angenommen wird.

Der Kalvarienberg, wie das Zentrum des Kütschenrains genannt wird, ist in jeder Beziehung ein hochinteressanter Punkt. Er ist die höchste Stelle des Frankenjuras. Hier trennen sich zwei Welten: Der Jura vom Urgebirge des Nordseegebiets und vom Gebiet des Schwarzen Meeres sowie das Frankenland vom Nordgau.

Der Berg ist bei der Landesvermessung und bei der Herstellung von Generalstabskarten stets als ein wichtiger trigonometrischer Anhaltspunkt benutzt worden. Zu diesem Zweck wurde 1838 auf Staatskosten ein Türmchen (Dachreiter) auf die Kapelle gebaut. Albert Biersack, einst Lehrer in Sassenreuth, schrieb über den Kütschenrain: „Der Höhenzug beginnt drei Kilometer nordwestlich von Kirchenthumbach. Er gewinnt schnell seine höchste Höhe und zieht sich dann im sanften Bogen von Nordwest nach Westen bis vor dem Bahnhof Schnabelwaid hin. An seinem steileren Nordwesthang führt die Hauptstraße Amberg – Bayreuth entlang. Der Rücken des Berges ist sehr breit und geht im flachen Gefälle in die Landschaft des Fränkischen Juras über, dessen nördlichster Ausläufer er darstellt.“

Nutzung durch das Militär

Der Berg selbst trägt heute nur mehr eine größere Siedlung, nämlich Thurndorf. Aber um seinen Fuß reihen sich Dorf an Dorf: Unter anderem Engelmannsreuth, Heinersreuth, Metzlasreuth, Sassenreuth, Wölkersdorf, Pfaffenstetten, Tagmanns und Obertreinreuth. Das Zentrum des Massivs wurde zu militärischen Zwecken genutzt.

Die Machthaber des Dritten Reiches errichteten eine Kleinkaserne mit Funkstation und zwei Türmen. Danach war in den Gebäuden ein kleines Krankenhaus mit Dr. Benno Muck untergebracht. Träger war der Landkreis Eschenbach. Dann nutzte es die Bundeswehr als Abhörstation. Ein dritter Turm, eine Stahlkonstruktion mit einer Höhe von 30 Meter stand auf dem Kammweg in Richtung Sassenreuth. Dieser wurde um 1936 errichtet. Darauf montiert war ein Radiosender. Nach Endes des Zweiten Weltkrieges übernahmen die amerikanischen Besatzungsmächte den Turm. Die Fundamente aus Beton sind heute noch erhalten. Der Turm war begehbar und konnte als Aussichtsturm genutzt werden. Doch Aufstieg und Aussichtsplattform entsprachen nicht mehr sicherheitsrelevanten Vorgaben. Um Unfälle zu vermeiden wurde um 1955 der Rückbau angeordnet.

Verlassene Orte und Baumriesen

Der Kütschenrain hat auch eine interessante geschichtliche Vergangenheit. Als die Markomannen ihre alte Heimat Böhmen verließen und nach Süden abwanderten, drangen die Wenden nach und besetzten das Gebiet bis an die Pegnitz. Damit war auch der Kütschenrain in das slawische Sieglungsgebiet einbezogen. Drei Orte am Kütschenrain tragen Namen wendischen Ursprungs: Naslitz, Tagmanns und Windischendorf. Letzterer ist durch Abwanderungen inzwischen komplett verschwunden. Der Husitteneinfall von 1430 hat es in Schutt und Asche gelegt. Nur ein einschichtiger Bauernhof erhob sich wieder aus den Ruinen des Dorfes. Er hatte als Schafhof Bestand bis zum 30-jährigen Krieg und ist 1655 endgültig verschwunden.

Ein Grenzberg blieb der Kütschenrain bis 1815, bis Franken Bayern zugeschlagen wurde. Nach Erzählungen soll der Wald einem Urwald mit Gestrüpp und mächtigen Baumriesen wie Eichen, Buchen und Eiben geglichen haben. Dadurch hat sich in dieser Gegend auch das Schmugglergeschäft geeignet. Der Kammweg trägt noch heute den Beinamen „Diebsweg“. In Oberlenkenreuth, einst an der Salzstraße von Amberg nach Bayreuth gelegen, war die Mauth. Heute erinnert die Gastwirtschaft Mauth an die Zollstelle. Einige wollten den Zoll sparen und gingen auf Schleichwegen des Höhenzuges.

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