Erfolgreiche Drückjagd im Kütschenrain

18 Wildschweine erlegen die Jäger im Waldgebiet Kütschenrain. Die Jagd ist eine wichtige Aufgabe, denn die hohe Population der Tiere stellt Landwirte zunehmend vor Probleme.

Mit Jagdsignalen eröffnete eine Bläsergruppe die Drückjagd
von Walther HermannProfil

Die Wildschweinpopulation stellt seit Jahren ein zunehmendes Problem für Land- und Forstwirte dar. Milde Winter, wiederkehrende Mastjahre, zunehmender Waldumbau und veränderte landwirtschaftliche Bodennutzung wird nicht nur in diesen Kreisen als Ursache dafür angesehen.

Eine revierübergreifende Schwarzwildjagd im Bereich des Forstreviers Schnabelwaid der Bayerischen Staatsforsten und des (Gemeinschaftsjagdreviers (GJR) Troschenreuth eröffnete ein Bläsercorps mit klingendem Halali. Innerhalb von nur zwei Stunden wurden im Waldgebiet Kütschenrain 18 Sauen erlegt. Mit dem Hinweis "es gibt Sauen ohne Ende" relativierte Revierleiter Michael Berngruber das Ergebnis, und sprach von Rotten mit 25 bis 30 Schweinen, die im Bereich der Flur Kütschenrain noch unterwegs sind. Die können in einer Nacht ein ganzes Feld oder eine Wiese umackern.

Vor einigen Jahren wurde bei einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Bayerischen Bauernverband angemahnt, dass immer mehr angebauter Mais für Nahrung und Deckung der Wildscheine sorgt und jeder Landwirt, der bis an den Waldrand hin Mais anbaut, die Wildschweine provoziere.

frank Pirner, Leiter des Forstbetriebs Pegnitz (rechts), und Michael Berngruber, Revierleiter Schnabelwaid, bei der "Befehlsausgabe".

Sichere Jagd

Drückjagden sind zwar weniger zeitaufwendig, bedürfen jedoch viel Planung, Organisation und Personal. Zusätzlich verursachen sie Kosten. "Der Erfolg dient jedoch der Allgemeinheit", versichert Berngruber. Große Emsigkeit herrschte beim Bahnhof Schnabelwaid. Nicht nur regionale Jäger gaben sich ein Stelldichein. Bei der "Befehlsausgabe" brachte es Frank Pirner, Leiter des Forstbetriebs Pegnitz, auf den Punkt, als er den Schützen mit auf den Weg gab: "Wir sind nicht im Schießkino. Ich fordere waidgerechtes Verhalten." In der Nachbetrachtung bot die Drückjagd ein Lehrbeispiel in waidmännischer Disziplin und jagdlichem Waffengebrauch, Sicherheit und Tierschutz.

Revierleiter Berngruber machte Vorgaben über das Verhalten im Wald und zum Freihalten von Rettungswegen und informierte über die Organisation der Wildablieferung und die Koordination der vier Nachsuchengespanne. "Jeder Schuss muss nachvollziehbar sein und dem Ansteller gemeldet werden", erklärte er. Da im Gebiet der Drückjagd relativ ebenes Gelände besteht, forderte Berngruber "keine weiten Schüsse". Seine Vorgabe waren maximal 50 Meter. Durch bis zu 2,50 Meter hohe Drückjagdböcke war im Revier ohnehin ein sauberer Kugelfang gewährleistet.

Auch Hunde mussten Signalkleidung tragen

18 Sauen und 6 Rehe

Die Staatsstraße Troschenreuth-Thurndorf und die abzweigenden Waldwege waren aus Sicherheitsgründen mit Hinweisen auf die Jagd gesperrt. Wie im Vorjahr wies der Revierleiter darauf hin, dass der Schütze seinen zugewiesenen Sitz nicht verlassen darf und die Waffe auf dem Weg zum und vom Standbock entladen sein muss. Danach gab er die Jagd für die Zeit von 10 bis 12 Uhr frei. An der Drückjagd nahmen 59 Jäger und 36 Hundeführer teil, die alle mit Warnwesten bekleidet waren - auch die Hunde. Einzelne Jäger engagierten sich mit Spezialausrüstung gar als Kletterschützen und standen mehrere Meter hoch im Anschlag. Ab 10 Uhr waren vermehrte Schussabgaben ein Zeichen dafür, dass die Sauen in Bewegung sind. Ab 12.30 Uhr trafen die Waidmänner schließlich in kurzen Abständen an der zentral gelegenen Vogelbrunnenhütte ein und lieferten das erlegte Wild ab: 18 Sauen und 6 Rehe.

Die Routiniers des Aufbruchtrupps nahmen sofort ihre Tätigkeit auf. Nach erfolgter Arbeit folgte der Weitertransport ins Kühlhaus. Dort nahm ein Tierarzt die Trichinenschau vor. Überprüft wurde auch die Becquerel-Belastung. In beiden Fällen lautete das Ergebnis: "In Ordnung". Das erlegte Wild wurde ins Streckenbuch eingetragen. "Durch die genaue 'Buchführung' ist die Nachverfolgbarkeit vom Jäger bis an die Verkaufstheke garantiert", versicherte Berngruber.

Das zunehmende Sauenproblem ist seit Jahren an den Abschusszahlen der Jäger der regionalen Hegegemeinschaften Kirchenthumbach, Neustadt am Kulm und Pressath erkennbar. Enthielten die Streckenlisten 2011 und 2014 noch 228 beziehungsweise 329 Abschüsse, erhöhten sich diese 2015 auf 513 und 2016 auf 494 erlegte Schwarzkittel. Michael Berngruber spricht von einer Vermehrungsrate von bis zu 300 Prozent und erhofft sich ein Ausbleiben der afrikanischen Schweinepest.

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