Hufeisen bei Thurndorf und die Geschichte des "Schwedensteins"

Ein Sandstein liegt nahe Thurndorf, angeblich gesetzt im 30-jährigen Krieg. Der Erzählung nach eine Ruhestätte, errichtet nach einem Kampf mit schwedischen Plünderern. Dass sie tatsächlich in der Region waren, beweisen noch andere Funde.

So sieht der "Schwedenstein" aus
von Fritz FürkProfil

Ein auf den ersten Blick nicht aussagekräftiger runder Sandsteinblock liegt am Rande der Gemeindeverbindungsstraße von Thurndorf nach Sassenreuth und das schon seit rund 370 Jahren. Es handelt sich dabei um den sagenumwobenen "Schwedenstein". Karl Dill beschrieb in den Monographien zur Oberpfälzer Flur- und Kleindenkmalforschung den "Schwedenstein" wie folgt: "Sandstein 60 mal 75 mal 35 Zentimeter groß. Oberer und linker Kreuzbalken fehlen. Am unteren Querbalken Armstütze."

Es war gegen Ende des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648), in dem ländliche Gegenden weit mehr zu leiden hatten, als die Städte. Marodeure, die sich von der Truppe des schwedischen Generals abgespaltet hatten, machten sich in dieser Zeit auf den Weg nach Prag und zogen auch plündernd durch die Region um Kirchenthumbach. In "Unser Heimat-Erzähler" schrieb Lehrer Anton Wurzauf über diese Zeit: "Etliche solcher Schnapphähne brachen eines nebligen Abends in Thurndorf ein und hatten aus den Höfen, vor denen die größten Misthaufen dampften – sie waren die sichersten Zeichen eines gewissen Wohlstandes – ehe sich die Dorfbewohner besannen, allerlei Viehzeug wie Gänse, Hühner, Schweine und Kälber an sich gerissen und verschwanden damit im dichten Nebel so schnell, wie sie gekommen waren."

Doch so einfach ließen sich die Thurndorfer nicht berauben. "Die herzhaften Männer nahmen aus dem sicheren Versteck im Friedhof die Waffen, Partisanen, Hellebarden, Säbel, Spieße und langstielige Äste an sich und eilten bedächtig den Räubern nach. Sie brauchten nur den Stimmen der verschleppten Tiere und dem wilden Geschrei der sorglosen Banden zu folgen." Die schwedischen Marodeure hatten laut Wurzauf keine Chance. "Kein Schwede entkam. Die Thurndorfer, die auch Schaufeln und Hauen mitführten, bereiteten den Toten sogleich eine entsprechende Ruhestätte. Über die nächtliche Tat verlauteten sie kein Sterbeswörtlein, bis Friede im ausgesogenen Land war. Da setzten die wackeren Thurndorfer jenen Gedenkstein, der einst Keuzesform gehabt haben soll. Er erinnert immer noch an jene bösen Zeiten, welche kein Erbarmen mehr kannten, welche friedfertige Bauern aller Habe beraubt."

Das soll sie also sein, die Geschichte hinter dem "Schwedenstein". Dass um die Zeit des 30-jährigen Krieges tatsächlich schwedische Soldaten in der Region um Kirchenthumbach unterwegs waren, lässt sich auch noch anders beweisen. Ab und an wurden auf dem Kütschenrain bei Thurndorf kleine schwedische Hufeisen gefunden. Der Sassenreuther Landwirt Peter Bernhardt fand auf einem Acker unweit des "Schwedensteines" zwei solcher Hufeisen. Der Archäologe Mathias Hensch nahm sie zur Untersuchung mit.

Thurndorfer Kreuzung ein Unfallschwerpunkt?

Thurndorf bei Kirchenthumbach
Der "Schwedenstein" liegt eher unscheinbar zwischen Thurndorf und Sassenreuth. Doch zu dem Sandstein gibt es eine Geschichte.
Ein altes Hufeisen.

"Etliche solcher Schnapphähne brachen eines nebligen Abends in Thurndorf ein und hatten aus den Höfen, vor denen die größten Misthaufen dampften – sie waren die sichersten Zeichen eines gewissen Wohlstandes – ehe sich die Dorfbewohner besannen, allerlei Viehzeug wie Gänse, Hühner, Schweine und Kälber an sich gerissen und verschwanden damit im dichten Nebel so schnell, wie sie gekommen waren."

Anton Wurzauf in "Unser Heimat-Erzähler"

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