Thurndorfer Kreuzung ein Unfallschwerpunkt?

Dort, wo die Kreisstraßen 43 und 44 bei Thurndorf kreuzen, kracht es immer wieder – zuletzt erst vor einer Woche. Ist die Kreuzung ein Unfallschwerpunkt? Das sagen die Thurndorfer, und das die Behörden.

Die Kreuzung bei Thurndorf: Hier passieren öfter Unfälle - besonders, wenn die Autos aus Richtung Kirchenthumbach die Straße überqueren. Die Thurndorfer sind verärgert und fordern Maßnahmen.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Unübersichtlich erstreckt sich auf den ersten Blick die Thurndorfer Kreuzung, an der schon einige Unfälle passiert sind. Wer beispielsweise von Troschenreuth in Richtung Kirchenthumbach die Querstraße NEW 44 überqueren will, darf keine Nackenprobleme haben. Für den Blick nach rechts Richtung Thurndorf muss sich der Autofahrer weit über das Lenkrad beugen, nach links macht die Straße dann eine Kurve, für die es einen Blick halb über die Schulter braucht, um zu überprüfen, ob Autos angerauscht kommen.

Die Kreuzung und ihre Unfälle sind "immer wieder heißes Thema" in Thurndorf, erzählt Alexander Schatz. Er selbst ist Thurndorfer und dritter Bürgermeister von Kirchenthumbach und kennt die Problematik vor Ort bestens. "Das Problem ist, dass sich an die Stoppstelle nicht gehalten wird. Wenn man aus Thurndorf raus fährt, sind viele bremsbereit, auch wenn man Vorfahrt hat", berichtet er. Denn schon zu oft habe es dort gekracht, zuletzt erst vor rund einer und vor etwa vier Wochen. Viele Thurndorfer würden einen Kreisverkehr für die sicherste Lösung halten, "aber das Gelände ist schwierig", weiß Schatz. Um die Kreuzung, die auf einer Anhöhe liegt, umzugestalten und abzuflachen, "wären riesige Erdbewegungen nötig".

Mehr Kontrollen erwünscht

Eine machbare Möglichkeit, die Unfälle zu reduzieren, sieht Schatz eher darin, mehr zu kontrollieren. Er ist davon überzeugt, dass sich Autofahrer beim nächsten Mal an die Geschwindigkeitsbegrenzungen von 60 und 80 Kilometer pro Stunde sowie an das Stoppschild halten würden, wenn sie einmal von der Polizei zur Kasse gebeten wurden. Dass sich unbedingt etwas tun müsse, davon sind Schatz und viele andere Thurndorfer überzeugt. "Wenn die Feuerwehrsirene geht, ist die Tendenz ziemlich hoch, dass an der Kreuzung etwas passiert ist."

Schatz sieht die Stelle klar als Unfallschwerpunkt, denn es würden öfter Unfälle passieren, als gemeldet würden. Bei kleineren Unfällen mit nur wenig Blechschaden würde nicht jedes Mal die Polizei verständigt, meint Schatz. Damit aber auch solche Unfälle in Zukunft mit in die Verkehrsstatistik von Polizei und Landratsamt mit einfließen könnten, wollen die Thurndorfer künftig bei jedem noch so kleinen Zusammenstoß die Behörden informieren, betont er.

Neun Unfälle in fünf Jahren

Eine Nachfrage bei der Eschenbacher Polizei, wie oft es laut Statistik in den vergangenen Jahren an dieser Kreuzung bereits zu einem Unfall kam, ergibt folgendes Ergebnis: Neun Unfälle (5 ohne Personenschäden, 4 mit Personenschaden, davon alle leichtverletzt) in den vergangenen fünf Jahren wurden der Polizei mitgeteilt. Eins daran ist trotz Stoppschild und Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der NEW 43 auffällig: "Die Masse der Unfälle war, dass jemand von Kirchenthumbach her kommt und die Kreuzung in Richtung Troschenreuth überqueren will", informiert Dienststellenleiter Werner Stopfer.

Er vermutet, dass die Schilder einfach gerne übersehen werden und zu schnell in die Kreuzung gefahren wird. "Aber dafür sind halt Verkehrszeichen auch da, dass sie beachtet werden. In Absprache mit dem Landratsamt wurden alle Maßnahmen getroffen, die man treffen kann", sagt er am Montag. Um die Kreuzung als Unfallschwerpunkt einzustufen, seien noch zu wenig Zusammenstöße – es spielt aber auch der Schweregrad eine Rolle – dort gewesen, und für einen Kreisverkehr sei der Bereich zu abschüssig, informiert er zudem.

Das Landratsamt Neustadt/WN als zuständige Behörde für die Kreisstraßen kennt die Verkehrssituation in Thurndorf ebenfalls. Die Behörde teilt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien zunächst mit, dass es seit 1996 mehrere Gespräche zu dem Thema, und auch Messungen, gegeben habe. Einen Unfallschwerpunkt erkennt das Amt in der Kreuzung aktuell allerdings ebenfalls nicht, weshalb derzeit keine weiteren Maßnahmen vorgesehen seien, heißt es zunächst auf die Presseanfrage vor einigen Tagen.

Nun doch Maßnahmen geplant

Ein Kreisverkehr sei laut Amt an der Stelle außerdem extrem teuer, denn die Kreisstraßen müssten "in einem größeren Umgriff angepasst werden, was entsprechend große Eingriffe in die angrenzenden privaten Grundstücke und natürlich den notwendigen Grunderwerb erforderlichen machen würde".

Am Donnerstag teilt das Landratsamt dann unerwartet mit, dass am Vormittag eine Besprechung mit Landrat Andreas Meier und der Verkehrsbehörde zur Thurndorfer Kreuzung stattgefunden habe. "Landrat Andreas Meier hat dabei mehrere ,Adhoc-Maßnahmen' angeordnet, die die nächsten Tage beginnend, in den kommenden Wochen umgesetzt werden", heißt es weiter. Dazu gehören eine nochmalige Änderung der Beschilderung und der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten, neue zusätzliche Markierungen auf den Straßen sowie Fräsrillen in die Straßen.

Auf die Frage von Oberpfalz-Medien, warum nun doch kurzfristig Maßnahmen vorgesehen sind, schreibt die Pressestelle des Landratsamtes: "Ereignisse wie dieses Unfallgeschehen und die damit verbundenen Ängste und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort nehmen wir natürlich ebenfalls zur Kenntnis und auch ernst. Einmal getroffene Anordnungen und Entscheidungen müssen immer - übrigens nicht nur hier bei den Kreisstraßen - neu analysiert und bewertet werden und dann die entsprechenden Konsequenzen daraus gezogen werden."

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Hintergrund:

Der Unfallschwerpunkt

  • Verkehrsbelastung der NEW 43: circa 1400 Autos innerhalb von 24 Stunden
  • Verkehrsbelastung der NEW 44: rund 300 Fahrzeuge in 24 Stunden
  • Unfallhäufungen werden im Drei-Jahres-Rhythmus ermittelt
  • Kommt es beispielsweise zu drei Unfällen mit schwerem Personenschaden und keinen weiteren Unfällen mit leichten Personenschäden würde der Wert 15 erreicht werden. Ab diesem Wert spricht man von einer Unfallhäufungsstelle. Sind es dagegen nur ein Unfall mit schwerem Personenschaden und vier Unfälle mit leichten Personenschäden liegt der Wert bei 13 (keine Unfallhäufungsstelle).
  • Nach Ansicht von Landratsamt und Polizei ist die Kreuzung NEW 43/44 kein Unfallschwerpunkt, da der Wert 15 nicht erreicht wird (Quelle: Landratsamt Neustadt/WN)

 

 

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