Thurndorf blickt auf 900-jähriges Bestehen

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Die ehemals politisch selbstständige Gemeinde Thurndorf kann heuer Geburtstag feiern. Im Jahr 1121, also vor 900 Jahren, wurde der Ort erstmals schriftlich in einer Urkunde erwähnt. Eine lange Zeit. Doch die Feierlaune hält sich in Grenzen.

So könnte die Burganlage in Thurndorf früher ausgesehen haben.
von Fritz FürkProfil

Es sollte ein Jahr des Jubiläums, des Feierns werden: Thurndorf blickt 2021 auf 900 Jahre Geschichte zurück, doch wegen der Coronapandemie kommt nun alles anders. Die bereits im vergangenen Jahr festgelegte Veranstaltung musste auf Eis gelegt werden. Geplant waren kulturelle, geschichtliche und wissenschaftliche Vorträge, ein Straßenfest und der Besuch von Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg. Ob die Pandemie die eine oder andere Veranstaltung doch noch zulässt, muss abgewartet werden, kündigt der Arbeitskreis "Jubiläum 900 Jahre Thurndorf" nun an. Dennoch soll die lange Vergangenheit des Ortes nicht in Vergessenheit geraten.

Nach einer historischen Zeittafel, ausgearbeitet von Gerhard Dettenhöfer, wurde die Gegend um Thurndorf im 5./6. Jahrhundert durch slawische Wenden besiedelt. Ortsnamen wie Tagmanns, Pegnitz, Naslitz und Zips deuten auf diesen Ursprung hin. 742 folgte die Gründung des Bistums Würzburg, wozu Thurndorf zuerst gehörte, trotzdem blieben die Bewohner bis ins 10. Jahrhundert heidnisch. Im 7./9. Jahrhundert erfolgt die Besitznahme des Landes durch die Franken – Ortsnamen auf -reuth deuten auf diesen Ursprung hin: Bayreuth, Engelmannsreuth, Heinersreuth, Treinreuth, aber auch Zirkendorf; die Zuwanderung der Slaven sollte gestoppt werden etwa mit dem Bau von Wehranlagen wie einem Turm, daher zunächst „Turmdorf“.

Anno 1007 wurde das Bistum Bamberg durch Kaiser Heinrich II. gegründet. Es kam zur Christianisierung des Gebietes. Zwischen 1000 und 1050 entstand die Theophilusglocke, die älteste Glocke Bayerns. In dieser Zeit wurden die Burganlage und die romanische Burgkapelle gebaut, für die die Theophilusglocke vermutlich angeschafft wurde. Die Glocke tut noch heute ihren Dienst in der Pfarrkirche Sankt Jakobus.

Man schrieb das Jahr 1111, als Heinrich V. in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Mit dabei war auch Graf Beringer I. von der Sulzbacher Linie, der auch über Thurndorf herrschte. 1121 wird Turndorf erstmals als Ort erwähnt. 30 Jahre später wird es Sitz eines Oberamtes unter böhmischer Herrschaft über 53 Orte bzw. Höfe, und 1314 folgte die Erhebung zum Marktflecken. 1355 erhielt der Ort ein Wappen und ein Braurecht. Dann kamen schlimme Jahre auf die Bevölkerung zu: 1430 fielen die Hussiten in den Ort ein. Sie legten neben Thurndorf auch die Orte Bayreuth, Creußen, Pegnitz und Auerbach sowie Kirchenthumbach in Schutt und Asche. Dem Glauben des Adels folgend, nahm die Bevölkerung für 101 Jahre die Lehre Luthers an. Von einem Schlossbau wird in den Jahren von 1584 bis 1592 berichtet, und 1597 wird Thurndorf Richteramt mit Ausübung der Gerichtsbarkeit, des Notariats, der Inventur, Ausübung der Polizeigewalt und Leitung der Verwaltung. Die Chronisten berichten, die Schweden haben den Ort 1634 besetzt und ihr Unwesen getrieben. 1752 wurde dann die Kalvarienbergkapelle errichtet, aufgrund eines Gelübdes der Überlebenden der Pest.

In den Jahren von 1679 bis 1672 herrschte im Land eine große Hungersnot. Die Leute rauften sich um die Eicheln, mischten unter die Kleie gemahlene Baumrinde und buken daraus Brot. 1803 wurde das Landgericht aufgelöst und das Marktrecht aufgehoben, da die Bürgerschaft keinen erneuten Antrag auf das Marktrecht gestellt hatte. In den Jahren von 1810 bis 1816 wurde die baufällige Kirche auf die heutige Größe ausgebaut. Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1871 gegründet. Eine Ortsbeschreibung aus dem Jahr 1915 sagt aus: Thurndorf ist ein Pfarrdorf mit 74 Häusern, 80 Familien und 468 Einwohner. Neben der Landwirtschaft wurden damals viel Gewerbe und Handwerk betrieben: Einen Bäcker, zwei Metzger, drei Wirte, 40 brauberechtige Bürger, fünf Krämer, drei Schuster, drei Schneider, zwei Weber, einen Schmid, einen Wagner, zwei Püttner, einen Schreiner, einen Zimmermann und einen Maurer gab es.

Der alte Dorfplatz.
Das Wappen von Thurndorf: Darauf zu sehen ist ein Turm, was einen Bezug zur Geschichte des Ortes hat.
Die älteste Glocke Bayerns, die Theophilusglocke, hängt noch heute im Turm der Thurndorfer Pfarrkirche.
Hintergrund:

Der Ort Thurndorf

  • ...gehört heute zur Marktgemeinde Kirchenthumbach
  • ...liegt am Fuß des Kütschenrains
  • ...liegt circa einen Kilometer entfernt von der Grenze zwischen Oberpfalz und Oberfranken
  • ...hat einen eigenen Aussichtsturm am Kalvarienberg
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