Eisenbahnpläne von 1920 wandern ins Archiv

Im Archiv der Gemeinde Tiefenbach dankte Bürgermeister Ludwig Prögler Karl-Heinz Schröpfer, der die Unterlagen zur geplanten Bahntrasse an die Archivare Richard Bierl und Bruno Servi übergab.
von Autor NISProfil

Der ehemalige Leiter des Grenzland- und Trenckmuseums in Waldmünchen und Kreisarchivpfleger a.D., Karl-Heinz Schröpfer, kam kürzlich in das Archiv der Gemeinde Tiefenbach. Grund für den Besuch war die Übergabe der gesammelten Akten über die ehemals geplante Bahnlinie von Waldmünchen nach Tiefenbach aus dem Jahre 1920.

Archivar Richard Servi hatte dazu einen Artikel von Heinrich Siebenhörl aus dem Jahr 2000 gefunden. Dieser hatte den gesamten Werdegang der Eisenbahnentwicklung in der Ost-Oberpfalz recherchiert – und damit auch die Planungen von Waldmünchen aus bis nach Tiefenbach.

Die königlich-privilegierte Aktiengesellschaft der bayerischen Ostbahnen plante bereits von 1914 bis 1920 die Weiterführung der Bahnlinie von Waldmünchen aus bis nach Tiefenbach in allen Details. Vom Ausgangsbahnhof Waldmünchen aus sollte es über Hirschhöf, Biberbach, Witzelsmühle und die Sägmühle bei Treffelstein bis zur Endstation Tiefenbach gehen. Insgesamt wären 12,7 Kilometer Gleis zu verlegen gewesen.

An Gebäuden sollten in Tiefenbach ein Betriebsgebäude mit zwei Warteräumen mit Nebengebäude entstehen. Dazu zwei Wohnungen, eine freistehende Ladehalle und eine Lokomotiv-Remise mit Werkstatt. Die veranschlagten Kosten der Bahnlinie variierten von Jahr zu Jahr, denn bereits 1914 machte sich die Inflation bemerkbar. War anfangs von rund 1,5 Millionen Mark die Rede, so war im Jahr 1920 bereits die damals stolze Summe von über 16,5 Millionen Mark zu veranschlagen. Bereits 1921/22 sollte der Bau dieser Bahnlinie abgeschlossen sein, doch daraus wurde nichts. Der genaue Grund für die abrupte Ablehnung dieses Vorhabens wurde nicht bekannt, aber vielleicht waren die inflationären Kosten mit ein Grund dafür.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Das dachten sich 1950 wohl die damaligen Landräte aus Waldmünchen, Oberviechtach und Vohenstrauß. Sie stellten gemeinsam mit den anliegenden Bürgermeistern den Antrag zum Bau dieser Bahnlinie gleich bis nach Eslarn beim bayerischen Landtag. Am 1. August 1950 wurde dieser auch kurz behandelt, doch außer einer „eingehenden Würdigung“ – wie es hieß – kam nichts heraus. So blieb dieser östliche Landstrich an der Landesgrenze ohne Eisenbahn.

Mit Freude nahmen die beiden ehrenamtlichen Archivare Richard Bierl und Bruno Servi die gesammelten Werke aus Waldmünchen im Tiefenbacher Archiv entgegen. Auch Bürgermeister Ludwig Prögler dankte Schröpfer. Er sei froh, dass wieder ein Puzzlestein in der Geschichte der Gemeinde Tiefenbach gefunden worden sei.

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