23.07.2021 - 11:36 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

500 Tage Corona im Landkreis Tirschenreuth: BRK zieht Bilanz

Gleich zweimal war der Landkreis Tirschenreuth von der Corona-Pandemie sehr heftig betroffen. Im Mittelpunkt stand dabei auch immer der BRK-Rettungsdienst. Eine Zwischenbilanz mit kuriosen Geschichten und Zahlen nach 500 Tagen Covid-19.

BRK-Rettungsdienstleiter Klaus Dvorak und BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl mit Richard Cruz-Förderer (von links), der auch am 500. Tag nach dem ersten Corona-Fall im Landkreis Tirschenreuth eine von unzähligen Paletten mit Schutzmaterial für den Kreisverband Tirschenreuth im BRK annimmt.
von Redaktion ONETZProfil

Vor 500 Tagen, am 10. März 2020, meldete das Gesundheitsamt den ersten Coronafall im Landkreis Tirschenreuth. Es war ein 83-jähriger Mann. Schnell entwickelte sich eine dramatische Lage mit zig Todesfällen und der Ausgangsperre in Mitterteich. Von der ersten Minute an war auch der Rettungsdienst samt Krankentransport des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) massiv gefordert.

BRK-Rettungsdienstleiter Klaus Dvorak erinnert sich laut Mitteilung noch gut an die ersten Gespräche im Kreisverband aufgrund des neuartigen Coronavirus. „Ende Februar war noch alles weit weg“, merkt er an. Wenig später hätten sich minütlich die Herausforderungen verändert. Was er mit seinem Team seitdem erlebte, würde einige Samstagabendfilme füllen und viele Erlebnisse wirken rückblickend surreal.

Schutzmaterial knapp

„Mehrere Tage lang waren von unseren über 90 hauptamtlichen Mitarbeitern gleichzeitig 6 arbeitsunfähig und weitere 10 in Quarantäne,“ berichtet Dvorak. Nur durch die Hilfe aus dem Ehrenamt und das Engagement der verbleibenden Mitarbeiter sei es möglich gewesen, den Dienstbetrieb uneingeschränkt aufrecht zu halten. Alleine, um alle regulären Rettungsdienstfahrzeuge besetzen zu können, werden innerhalb von 24 Stunden im Schichtbetrieb mindestens 32 Einsatzkräfte benötigt. Insgesamt 541 Tage fielen Mitarbeiter durch Quarantäneanordnungen bislang aus. Zudem seien zahlreiche Mitarbeiter wochenlang krank gewesen. Dem stehen 23.000 ehrenamtliche Stunden im Rettungsdienst gegenüber, rechnet BRK-Pressesprecher Sven Lehner vor.

Doch auch das Schutzmaterial war innerhalb kürzester Zeit mehr als knapp. Richard Cruz-Förderer, der sich um die Beschaffung im Rettungsdienst, neben seiner Tätigkeit als Leiter der Rettungswache Tirschenreuth und Notfallsanitäter, kümmert, habe all seine Netzwerke genutzt, damit jederzeit ausreichend zur Verfügung stand. Mit etwas Schmunzeln im Gesicht blicken Cruz-Förderer und Dvorak auf eine Palette Regenponchos im Keller des Kreisverbandes. Irgendwann waren vor allem wasserdichte Einmalkittel quasi nicht mehr zu beschaffen. Da orderte Cruz-Förderer zur Sicherheit eben Regenponchos, die zur Not den gleichen Zweck erfüllen würden. Kurz darauf wurden aber wieder entsprechende Kittel angeliefert und die "doch verwunderten Mitarbeiter" konnten die Ponchos wieder wegpacken.

Schon 15.000 FFP2-Masken verbraucht

Die verbrauchten Mengen an Schutzanzügen, Kitteln, Schürzen, Kopfhauben, Schutzbrillen, Face-Shields, FFP2-Masken und vor allem Einmalhandschuhen seien enorm hoch. Ein Beispiel: Bislang hat allein der Rettungsdienst im BRK-Kreisverband knapp 15.000 FFP2-Masken verbraucht.

Die sehr angespannte Situation im „Hotspot-Landkreis“ führt dazu, dass vom 20. April bis zum 31. Mai 2020 die Bundeswehr das Rote Kreuz unterstützte. Sechs Wochen lang waren durchgehend sechs Soldaten mit der Qualifikation als Notfall- oder Rettungssanitäter im Landkreis 1.237 Stunden im Einsatz. Während der beiden bayernweiten Katastrophenfälle stellten auch Unternehmen im Landkreis Helfer für den Einsatz im Rettungsdienst frei.

Bereits ab 27. März 2020 erhöhte der BRK-Kreisverband Tirschenreuth die Kapazität beim Krankentransport. Täglich bis 31. Mai 2020 wurde ein zusätzlicher Krankenwagen gestellt, ein zweiter wurde in Rufbereitschaft gehalten. Dafür summierten sich knapp 850 zusätzliche Einsatzstunden. Neben über 8.000 regulären Krankentransporten wurden damit zusätzlich 137 Transporte übernommen, davon 47 aufwendige Infektionstransporte. Um den erhöhten Aufwand bei der Fahrzeugdesinfektion gerecht zu werden, wurden in Weiden an der Feuerwache II und in Waldsassen am Rettungsdienststandort eigene Desinfektionswachen eingerichtet. Prompt hatte Dvorak eine neue Aufgabe.

Nur kurze Verschnaufpause

Neben den maximalen Anforderungen durch die Pandemie liefen laut Lehner "quasi nebenbei die Herausforderungen des Rettungsdienstalltags". Mitunter zu 46 von insgesamt über 5.000 Notfall- und Notarzteinsätzen wurde der Einsatzleiter Rettungsdienst alarmiert, weil ein erhöhter Koordinierungsbedarf gegeben war. Darunter waren Großeinsätze wie die Vermisstensuche Mitte März 2020 beim Liebensteinspeicher oder der Brand einer landwirtschaftlichen Maschinenhalle in Erbendorf am November.

War den Rettungsdienstlern in der Zeit rund um den Spatenstich für den neuen Rettungsdienststandort Griesbach im Juli 2020 eine kurze Verschnaufpause gegönnt, war die Situation zum Einzug am 1. Dezember bereits wieder sehr kritisch. Nur acht Tage später wurde der zweite bayernweite Katastrophenfall aufgrund der Corona-Pandemie ausgerufen. Das Coronavirus gehöre zwischenzeitlich gewissermaßen zum Alltag der sechs Rettungsdienststandorte in Erbendorf, Griesbach, Kemnath, Mitterteich, Tirschenreuth und Waldsassen, berichtet Dvorak. Gleichermaßen sei die Anspannung, nicht zuletzt wegen möglicher Personalausfälle und Beschaffungsengpässen, wie bei Einmalhandschuhen, hoch.

„Wir würden gerne mal wieder alle zusammen an einem Tisch zum Teambriefing bei Schichtbeginn gemeinsam frühstücken“, sagt Dvorak, der selbst regelmäßig im Rettungsdienst als Notfallsanitäter mitfährt. Bis dahin zähle er weiterhin auf sein Team aus 43 Notfallsanitätern/Rettungsassistenten, 35 (technischen) Rettungssanitätern/Rettungsdiensthelfern, 10 Auszubildenden, 2 Freiwilligendienstleistenden und über 40 Ehrenamtlichen, dass sie gemeinsam die Corona-Pandemie mit allen noch kommenden Herausforderungen meistern. Hauptanliegen sei es, dass sich die Landkreisbürger auf eine bestmöglich Notfallversorgung verlassen können.

Kraftakt Testen: BRK-Mitarbeiterinnen erzählen von ihrem Arbeitsalltag

Waldsassen

Der erste Coronafall im Landkreis Tirscherneuth

Tirschenreuth
Die Corona-Pandemie hat den Rettungsdienst seit März 2020 enorm gefordert. Dies zeigt auch eine Zwischenbilanz der Roten Kreuzes.
Hintergrund:

Coronazahlen für den Landkreis Tirschenreuth

  • Bisher gab es 5319 Landkreisbürger, die positiv auf Corona getestet wurden.
  • Die Zahl der Todesfälle liegt bei 265.
  • 7-Tage-Inzidenz: 2,8. (Quelle: Robert-Koch-Institut, 23. Juli 2021)

„Wir würden gerne mal wieder alle zusammen an einem Tisch zum Teambriefing bei Schichtbeginn gemeinsam frühstücken.“

BRK-Rettungsdienstleiter Klaus Dvorak

 

 

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